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Angler müssen sich Schleie verdienen

Der heimliche Fisch Angler müssen sich Schleie verdienen

Ob Zander, Hecht oder Wels: Angel-Guide Jan Borek ist vor allem als Raubfisch-Profi bekannt. Was nur wenige wissen, der Plauer verlor schon in Kindertagen sein Anglerherz an die Königin der Erdelöcher. Für eine Nacht zum Ansitz auf einen heimlichen Fisch.

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Doppelschlag am Schleien-Loch: Angel-Guide Jan Borek aus Plaue mit zwei grün-goldenen Schönheiten.

Quelle: privat

Mittelmark. Ein ruppiger, aber noch milder Ostwind treibt die Wellen auf unseren Angelplatz zu. Wir warten auf den Fisch des Jahres 2007. Vor einer Dekade entschlossen sich Sportfischer und Naturfreunde einen der wohl anmutigsten Fische unserer Heimat mit diesem jährlich neu verliehenen Titel zu ehren – die Schleie. Ganz aktuell gibt es den Ritterschlag der Fachwelt für die Flunder. Doch die Ostsee ist weit. Mit dem Frühling werden in den Havelgewässern Brassen, Plötzen, Rotfedern und eben auch Schleien wieder mobil. Vor allem die vielen Erdelöcher rund um Brandenburg bieten den Fischen ideale Lebensbedingungen. Auch in der Havel selbst fühlt sich die Schleie immer wohler. Der Lichteinfall in das sauber gewordene Wasser lässt bekanntlich das Krautwachstum explodieren, was der Schleie Deckung und neue Weidegründe verschafft.

„Arzt der Fische“

Für die Menschen galt die Schleie (lat. Tinca tinca) einst als „Arzt der Fische“. Es wurde erzählt, sie könne verletzte Fische heilen, indem sie ihnen ihren Schleim einreibe. Sogar der Hecht soll sich von ihr heilen lassen und greife die Schleie zum Dank dafür nicht an.

Wegen ihrer rundlichen Körperform und den von Flaschengrün bis Goldbronze schimmernden Farbe gehört die Schleie zu den hübschesten Fischen unserer Gewässer. Sie kann ein Gewicht von fünf Kilo und eine Länge von 50 bis 60 Zentimeter erreichen.

Die Schleie bildet eine Kategorie in der Aktion der MAZ, des Landesanglerverbandes und des Fachgeschäftes Angeljoe in Potsdam „Fisch des Jahres 2017“. Gesucht werden die längsten Fänge aus Brandenburger Gewässern. Fische von der deutschen Ostsee und aus Boddengewässern müssen von Brandenburger Anglern gefangen worden sein. Fotos mit Zollstock neben dem Fisch bitte an: MAZ-“Fisch des Jahres“, Friedrich-Engels-Straße 24, 14473 Potsdam oder fischdesjahres@MAZ-online.de

Schon drei Tage vor dem Ansitzen richteten wir die Futterstelle an einem ehemaligen Torfstich bei Brandenburg ein. Da, wo ihre Majestät Tinca tinca Zuhause ist. Über schlammigen Untergrund und in Krautgelegen. Wir, das sind Jan Borek aus Plaue, Inhaber eines Angelfachgeschäftes, Autor, Guide, und seit Kindheitsbeinen mit den Launen der schönen Schleie vertraut. Und MAZ-Redakteur Frank Bürstenbinder, seit zwölf Jahren Inhaber des Fischereischeins.

Auf diesen Mais-Boilie-Köder an einem Hakenvorfach soll die Schleie hereinfallen

Auf diesen Mais-Boilie-Köder an einem Hakenvorfach soll die Schleie hereinfallen. Doch im unterkühlten Mai sind die Fische noch träge.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Bei einem Nachtangeln soll uns der gedrungene und überall gerundete Zielfisch mit den kleinen Augen an den Haken gehen. Die Schleie gehört nämlich zu den heimlichen Fischen. Tagsüber sucht sie Deckung. Erst mit den Abendstunden schwimmt sie Patrouille auf Schleienstraßen. Immer auf der Suche nach Beutetieren und Pflanzenresten am Grund. Um die Fische an einen Platz zu gewöhnen, fütterte Borek mit einem Gemisch aus gequollenem Weizen, Mais, Sonnenblumenkernen, grüne Erbsen und etwas Stippfutter an. Der Plauer Profi ist überzeugt: „Die Schleie ist kein Anfängerfisch. Der Angler muss sie sich verdienen.“

Jan Borek beim Schleien-Ansitz an einem seiner Hausgewässer

Jan Borek beim Schleien-Ansitz an einem seiner Hausgewässer.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Auch beim Gerät überlässt der Fachmann nichts dem Zufall. Herrschte früher die Posenmontage vor, haben inzwischen bleibewehrte Grundmontagen aus der modernen Karpfenangelei Einzug gehalten. Als auftreibender Köder kommen Mais und Mini-Boilies zum Einsatz. An der leichten Rute tut eine mittlere Freilaufrolle beim Drill mit einer ausgewachsenen Schleie gute Dienste. Auf einem Rutenständer abgelegt, kann der Angler in Ruhe abwarten, bis der elektronische Bissanzeiger Alarm schlägt. Die Schleien können kommen. Wir hatten die ersten Stunden kein Glück. Wobei Profiangler Borek das Wort Glück eher vermeidet. Er spricht lieber von den Umständen, die über Erfolg und Misserfolg einer Angelnacht entscheiden können.

Diese Schleie, gefangen in einem schwedischen See, ist ein echtes Prachtexemplar

Diese Schleie, gefangen in einem schwedischen See, ist ein echtes Prachtexemplar.

Quelle: Florian Läufer

Das Wetter war sicher nicht auf unserer Seite. Der Ostwind drehte im Laufe der Nacht über dem Wasser noch einmal richtig auf. Die Luft kühlte sich deutlich ab. Von wegen Dressureffekt. Die Schleien machten um den gedeckten Tisch einen großen Bogen. Dazu verbreitete die Angel-App des Autors keinen Optimismus. Die Software auf dem Smartphon prophezeite eine „sehr niedrige Fischaktivität“. Irgendwas muss dran sein an der digitalten Welt des Angelns.

Lekkerlie zum Anfüttern von Schleien

Lekkerlie zum Anfüttern von Schleien.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Der einzige Biss kam im Morgengrauen. Dieses Mal war das „Pieeepp“ des Anzeigers bestimmt kein Probealarm. Nach einem Sprung aus dem Schlafsack griff Borek zur Rute – Anschlag! Die Schleie wehrte sich zunächst kräftig. Dann tauchte die erste grüne Schönheit auf, die der Angler sicher mit dem Unterfangkescher landete. Nach kurzer Begrüßung durfte der verirrte Fisch wieder in sein nasses Element zurück. Es blieb die einzige Begegnung mit der heimlichen Königin unserer Erdelöcher, Tongruben und Torfstiche. Nur war sie längst noch nicht so prächtig wie die Schleie, mit der es Jan Borek auf die April-Titelseite des Angelmagazins „Rute & Rolle“ schaffte. Gefangen hatte der Plauer das Musterexemplar allerdings nördlich seiner Brandenburger Hausreviere – in Schweden.

 

Von Frank Bürstenbinder

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