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Angriff auf Kameruner: Die Polizei ist dran

Noch keine Strafanzeige des Opfers Angriff auf Kameruner: Die Polizei ist dran

Die Brandenburger Polizei ermittelt seit Dienstag von Amts wegen gegen Unbekannte, die einen 23 Jahre alten Kameruner Studenten am Sonntagabend in der Straßenbahn der Linie 6 beleidigt und bedroht haben sollen. Das Opfer selbst scheut bisher eine Strafanzeige. Die Fachhochschulpräsidentin hatte ihm ursprünglich davon abgeraten.

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Am Hauptbahnhof war der FHB-Student aus Kamerun in die Bahn gestiegen.

Quelle: DPA

Brandenburg/H. Die Brandenburger Polizei ermittelt seit Dienstag von Amts wegen gegen Unbekannte, die einen 23 Jahre alten Kameruner Studenten am Sonntagabend in der Straßenbahn der Linie 6 beleidigt und bedroht haben sollen. Das Opfer selbst scheut bisher eine Strafanzeige. Die Fachhochschulpräsidentin hatte ihm ursprünglich auch davon abgeraten.

Wie am Montag berichtet war der Maschinenbau-Student der Fachhochschule Brandenburg (FHB) am Sonntag um 20.13 Uhr am Hauptbahnhof in die Straßenbahn gestiegen. Am Neustadt Markt stiegen den bisherigen Erkenntnissen zufolge drei Männer ein, die sich in seine Nähe setzten.

Opfer scheut noch die Anzeige

Von zwei Männern fühlte sich der Student wenig später angegriffen. Sie beleidigten und beschimpften ihn, es ging dabei unter anderem um zwei Finger, die sie ihm in den Mund zu stecken drohten. Der dunkelhäutige Mann wechselte seinen Platz und ging weiter nach vorn, um dem Konflikt zu entgehen.

Seine Kontrahenten verfolgten ihn jedoch und einer fing an, den eingeschüchterten jungen Mann mit seinem Smartphone zu filmen. Die Attacke gipfelte in der Drohung, dass man ihn draußen auf der Straße „ficken und dann töten“ wolle. Andere der mehr als zehn anwesenden Fahrgäste schritten nicht ein, während der Kameruner noch einmal den Platz wechselte und dann unbehelligt aussteigen konnte.

Der Vorsitzende des Vereins Afrikanische Studenten & Wissenschaftler Brandenburg informierte FHB-Präsidentin Burghilde Wieneke-Toutaoui am Montag in einer E-Mail über den Vorfall und schilderte auch der MAZ, was geschehen ist. Aufgrund der Berichterstattung hat die Polizei von Amts wegen die Ermittlungen aufgenommen, obwohl noch keine Anzeige des Betroffenen vorliegt, der verängstigt ist und sich noch in Berlin aufhalten soll.

Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Polizeisprecherin Jana Birnbaum berichtet, dass die Polizei zur Beweissicherung die Videoaufnahmen aus der Straßenbahn von den Verkehrsbetrieben Brandenburg ausgehändigt bekommen habe und zunächst wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung ermittele. Nach der ersten Sichtung des Films sei zwar eine Konfrontation erkennbar, aber kein körperlicher Angriff. Da es keine Tonaufnahmen zu dem Video gibt, sind Beleidigungen und Drohungen nicht dokumentiert.

Die Polizei sucht nun den Kontakt zu dem Opfer. Am Dienstag hieß es, der junge Mann wolle nach einem Telefonat mit seinen Angehörigen im Kamerun auf eine Strafanzeige womöglich verzichten. Um die Angelegenheit weiter verfolgen zu können, wäre die Polizei allerdings auf seine Aussage maßgeblich angewiesen.

Polizei sucht Kontakt zum Opfer

FHB-Präsidentin Wieneke-Toutaoui bewertet den Übergriff, so wie er ihr bekannt ist, als äußerst verachtenswert. Der Umstand, dass niemand von den anderen Fahrgästen dem Kameruner beigesprungen ist, findet sie enttäuschend. „Aber ehrlich gesagt, habe ich auch nichts anderes erwartet“, sagt die Frau an der Spitze der Fachhochschule.

In ihrer ersten Reaktion hatte Wieneke-Toutaoui ihrem Studenten von einer Strafanzeige abgeraten. „Das hängt wohl mit meinem Berliner Hintergrund zusammen“, erklärt die Präsidentin, die in der Hauptstadt wohnt. Ihre Tochter habe in einem öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin einmal ein ähnliches Erlebnis gehabt. Da es keine Zeugen gab und keine Videoaufnahmen, blieb der Übergriff auf ihre Tochter ungeahndet.

Um so mehr lobt Wieneke-Toutaoui die „tolle Reaktion“ der Brandenburger Polizei, die von Amts wegen tätig geworden ist, und die Verkehrbetriebe, die sich an der Beweissicherung beteiligt haben.

 

Von Jürgen Lauterbach

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