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Brandenburg/Havel Angriffe von Wölfen: Bei Tierhaltern liegen die Nerven blank
Lokales Brandenburg/Havel Angriffe von Wölfen: Bei Tierhaltern liegen die Nerven blank
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06:52 16.11.2016
Peter Kernchen vor seinem Hochsicherheitszaun gegen Wölfe. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Mittelmark

Diesmal hat es die Herde von Klaus Streubel erwischt. Wölfe machten mit zwölf seiner Schafe kurzen Prozess. Alle tot. Noch mehr sind verletzt. Passiert ist das Drama in der Nacht zum Freitag. Der Rissgutachter war da. Streubel hofft auf eine Entschädigung. Es ist nicht der erste Verlust, den der Schäfer aus Schlalach bei Treuenbrietzen verkraften muss. Wut und Enttäuschung machen sich breit. „Wer hat denn den Wolf hierhergeholt“, wollte der Tierhalter am Montag bei einer emotional aufgeladenen Krisensitzung mit Berufskollegen und dem Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark wissen. Doch eine Antwort konnte ihm niemand geben.

Bis Ende der Woche will das Land alle Anträge für präventive Maßnahmen gegen Wolfsangriffe bescheiden. Dabei handelt es sich um eine Gesamtsumme von rund 210 000 Euro. Es geht vor allem um bessere Einzäunungen von Weiden.

Für das kommende Jahr kündigte Axel Steffen, Abteilungsleiter im Umweltministerium, eine Überarbeitung des Brandenburger Wolfsmanagements an. Unter anderem soll genauer definiert werden, was ein verhaltensauffälliger Wolf ist. Im Ministerium sollen zwei zunächst zeitlich befristete Stellen für alle Aufgaben rund um das Wolfsmanagements geschaffen werden.

Für Jens Schreinicke vom Kreisbauernverband ist schon längst das Ende der Fahnenstange erreicht. „Mit diesem hohen Wolfsbestand können unsere Tierhalter nicht mehr leben.“

Rudel gibt es in Lehnin, Altengrabow, bei Görzke und im Hohen Fläming. Im Durchschnitt vertilgt ein Wolf 4,5 Kilo Fleisch am Tag. Die Population nimmt jährlich um 30 Prozent zu.

Derweil muss das Land Brandenburg immer mehr Geld ausgeben, um von Wolfsangriffen betroffene Weidetierhalter zu entschädigen. „Es waren früher mal 10 000 Euro im Jahr. 2016 sind wir jetzt schon bei 40 000 Euro Antragssumme angekommen“, räumte Axel Steffen, Abteilungsleiter im Brandenburger Umweltministerium, ein. Mit dem herannahenden Winter könnte alles noch schlimmer kommen. Die im Frühjahr geborenen Jungwölfe sind jetzt in einem Alter, wo sie selbst auf Beutezug gehen. „Außerdem fressen sich die Räuber einen Wintervorrat an“, weiß der erfahrene Jäger und ehemalige Stadtförster von Wriezen, Conrad Philipps. Er hat sich im Leben viel mit Wölfen beschäftigt. Den Bauern prophezeite Philipps: „Wo sich Wölfe ohne große Hindernisse Nahrung beschaffen können, kommen sie wieder.“

Für Jens Schreinicke vom Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark hat der Wolfsbestand ein erträgliches Maß überschritten. Quelle: Frank Bürstenbinder

In Potsdam-Mittelmarks Weidehaltung wird deshalb aufgerüstet. Peter Kernchen aus Trebitz bei Brück hat eine zehn Hektar große Fläche als Winterquartier für seine Gallowayherde abgesichert wie eine Grenze nach Mexiko. Die Mutterkuhhaltung in den Belziger Landschaftswiesen hat er nach schlimmen Wolfsattacken längst aufgegeben.

Zwei stromführende Litzen außen. Dahinter ein 1,80 Meter hoher Jägerzaun aus extra starkem Drahtgeflecht, das zusätzlich mit einem dritten unter Hochspannung stehenden Draht verstärkt ist. Dahinter kommen noch einmal zwei Litzen unter Strom. Das Land Brandenburg förderte den Materialkauf als Pilotprojekt mit 15 000 Euro. Ein Modell mit Zukunft?

Axel Steffen (m.) vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, wehrte sich gegen den Vorwurf, das Land würde nicht auf die Sorgen der Tierhalter reagieren. Quelle: Frank Bürstenbinder

Nein, waren sich die Experten in der Runde auf dem Hof von Peter Kernchen sicher. Solche wolfssicheren Zaunanlagen sind großflächig nicht finanzierbar. Sie passen nicht in die Landschaft und schaden dem Wild. Sorgen wegen immer mehr Wölfe machen sich nicht nur Schaf- und Rinderhalter der Region. In Neschholz bei Bad Belzig betreibt Werner Niendorf einen Pferdehof. Zwar hat Isegrim bislang die Pfoten von seinen Pferden gelassen, doch treibt Niendorf die Frage um, ob es wirklich erst noch schlimmer kommen muss, bevor die Politik reagiert.

Von Frank Bürstenbinder

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