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Brandenburg/Havel Neue Kunst bringt Leben in die alte Schrotmühle
Lokales Brandenburg/Havel Neue Kunst bringt Leben in die alte Schrotmühle
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00:35 05.06.2014
Im Dienst der schönen Künste: Anita Reinsch bei einer Vernissage in der Kunstmühle. Quelle: Archiv: H. Schulze
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Brandenburg an der Havel

Seit zehn Jahren ist die Kunst zu Hause auf dem Vielfruchthof Mötzow. Dafür wurde die ehemalige Schrotmühle mit der beeindruckenden Architektur restauriert und von der Pächterfamilie Thiermann im Jahr 2004 einer Ausstellungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt. Anita Reinsch schaute sich die Kunstmühle damals an, war begeistert und fragte, ob sie dort ihre Fotografien ausstellen könne. Seitdem begleitet die Fotografin den Entwicklungsprozess der Kunstmühle Mötzow. Und nachdem das Ketzürer Ehepaar Linde Rosenmüller und Kai Braß im Jahre 2007 die Leitung der Kunstmühle abgegeben hatte, organisiert Anita Reinsch die Jahresausstellungen, die jeweils in den Sommermonaten gezeigt werden.

„Ich möchte attraktive Kunstausstellungen zeigen und so möglichst vielen Menschen die Kunst näher bringen“, sagt Anita Reinsch. Deshalb habe sie sich bemüht, nicht ins Abstrakte zu gehen. Und so sind in den Ausstellungen überwiegend Landschaftsbilder zu sehen, die aber sehr aufregend und spannend sein können, wie beispielsweise die traumschönen Fotos von Geisterstädten in der südlichen Namib-Wüste, die Eddi Böhnke 2011 in der Kunstmühle ausgestellt hat. Oder im gleichen Jahr die Malereien von Günther Jahn, genannt der Picasso von Thüringen. „Er kam zu Besuch und war sofort begeistert vom Ambiente“, erinnert sich Reinsch.

Mit viel ehrenamtlichem Engagement hat Anita Reinsch Mötzow zu einem lebendigen Kunstort entwickelt. Die konzeptionelle Idee bestehe darin, im Eingangsbereich der Kunstmühle und in der ersten Etage Kunst und Handwerk aus der Region zu zeigen, erläutert sie. Die zweite und dritte Etage seien dann den großen Kunstausstellungen vorbehalten. Dabei sollen auf einer Etage möglichst nur Malerei und auf der anderen möglichst nur Fotografie gezeigt werden. Bekannte Fotokünstler sowie renommierte Kunstmaler haben seit Gründung der Kunstmühle Mötzow ihre Werke hier gezeigt, darunter so bekannte Namen wie Jan Beumelburg, Ana Finta und Gisela Neuenhahn. Insgesamt 34 Künstler haben bisher in Mötzow ausgestellt.
Woher stammen die Kontakte zu den Künstlern? „Ich gehe viel auf Kunstausstellungen und rede mit den Leuten“, sagt Anita Reinsch. „Ich kann manchmal nachts nicht schlafen, weil mir so viele Ideen durch den Kopf schwirren.“ Obwohl sie als biologisch-technische Assistentin an der Humboldt-Universität Berlin eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen hat, habe sie sich ihr Leben lang für Kunst interessiert, erzählt die Fotografin, die kürzlich ihren 70. Geburtstag gefeiert hat.

Die Mikrofotografie gehörte zu ihren beruflichen Aufgaben. Aber sie hat auch der Künstlerin Anita Reinsch eine neue Welt eröffnet. „Es ist unglaublich, mit welcher Raffinesse Pflanzen und Organismen noch im Nanobereich ausgestattet sind, ständig entdecke ich neue Strukturen und Formen“, staunt sie. „Unsichtbares ist plötzlich erkennbar, Kleines wird groß und Ungeahntes Realität.“ Auch an Wettbewerben hat sich die Fotografin schon früh erfolgreich beteiligt. So gewann sie 1968 den Fotowettbewerb „Mikrofotografie“, der mit 100 Mark dotiert war. Inzwischen ist eine ganze Reihe von weiteren Preisen und Auszeichnungen hinzugekommen.

„Betreten verboten“ haben Lars Friebel und Ronald Geisler vergangenes Jahr ihre gemeinsame Fotoausstellung in der Kunstmühle genannt. Das war schon fast prophetisch, denn die beiden oberen Etagen der Kunstmühle sind inzwischen gesperrt und dürfen so lange nicht mehr benutzt werden, bis eine Außentreppe als Fluchtweg installiert ist. Und so gibt es dieses Jahr nur eine Ausstellung in der ersten Etage zu sehen. „Nah und Fern“ hat Anita Reinsch die Schau mit ihren Fotos genannt, mit der sie sich aus dem aktiven Engagement für die Kunstmühle verabschieden will. Zu sehen sind wunderbare Natur- und Landschaftsaufnahmen, Porträts und Makros. Besonders begeistern vor allem wieder die Fotos, die eigentlich Unsichtbares zeigen.

Von Ann Brünink

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