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Anne Frank mehr gefragt als Mein Kampf

Kinofilm und Neuauflage Anne Frank mehr gefragt als Mein Kampf

Es gibt zwei Werke aus der NS-Zeit, die sich im kollektiven Bewusstsein verankert haben: Anne Franks Tagebuch und „Mein Kampf“. Ersteres läuft in neuer Verfilmung im Kino, zweiteres kam im Januar als zweibändige „kritische Edition“ auf den Markt. Schon vor dem Erscheinungstag gab es 15 000 Vorbestellungen. In Brandenburg besteht für beide Bücher eine erhöhte Nachfrage.

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Exemplare der kritischen Mein-Kampf-Edition sind im Buchhandel rar.

Quelle: Marco Winkel

Brandenburg/H. Es gibt zwei Werke aus der NS-Zeit, die sich im kollektiven Bewusstsein verankert haben. Man muss sie nicht zwingend gelesen haben, aber die Titel sind geläufig: Anne Franks Tagebuch und „Mein Kampf“. Ersteres läuft aktuell in einer neuen Verfilmung im Kino, zweites kam Anfang Januar als zweibändige „kritische Edition“ auf den Markt. Schon vor dem Erscheinungstag gab es 15 000 Vorbestellungen. Wie ist die Nachfrage in Brandenburg?

Die Thalia-Buchhandlung in der Sankt-Annen-Galerie verzeichnet eine spürbare Nachfrage, die nur in Grenzen befriedigt werden kann. Denn die erste Auflage der von Historikern bearbeiteten und kommentierten Hetzschrift Adolf Hitlers reichte nicht, um alle Interessenten kurzfristig damit zu bedienen.

Die Brandenburger Buchhändlerinnen berichten, dass Kunden, die sich vor dem Erscheinungstermin hatten vormerken lassen, ihre Exemplare erhalten hätten. Andere Interessenten müssen auf das zweibändige Werk mit seinen 1948 Seiten warten. Einer von ihnen hat nun Glück. Seine Bestellung liegt bereits im Abholfach. Tröpfchenweise wird die Filiale mit der zweiten Auflage bedient, sie befriedigt die Nachfrage so gut es geht.

Die Kunden, die „Mein Kampf“ kaufen wollen, kommen dem äußeren Anschein nach keineswegs aus der extremistischen Ecke. Lehrer, Historiker, geschichtlich interessierte Laien, so vermuten die Angestellten.

Auch in der Wichern-Buchhandlung fragten einzelne Kunden nach der kritischen Edition von „Mein Kampf“, allerdings liegt das schon Wochen zurück. Zwei bis drei Kunden habe sie die beiden Bücher liefern können, berichtet Christiane Zander, die inzwischen keine Hitler-Nachfragen mehr verzeichnet.

Ungebrochen stark ist dagegen das Interesse an dem jüdischen Mädchen Anne Frank und ihrem weltberühmten Tagebuch. Der aktuelle Kinofilm hat die Nachfrage spürbar beflügelt, das lieferbare Buch wird auch bei Thalia gut verkauft. Den Kino-Effekt verspürt bezogen auf Anne Frank auch die städtische Fouqué-Bibliothek.

Dagegen will von Hitlers neu erschienenem Kampf dort bisher niemand etwas wissen, berichtet Bibliothekschefin Cornelia Stabrodt. Ob die neue Edition angeschafft wird, ist noch nicht entschieden. Stabrodt: „Dazu laufen bei uns heiße Diskussionen.“

Im Bertolt-Brecht-Gymnasium hat Geschichtslehrerin Gesine Scholz das Erscheinen der kommentierten Ausgabe mit ihren Schülern besprochen. Unabhängig davon habe sie im Unterricht schon immer mit Auszügen aus „Mein Kampf“ gearbeitet, die in Quellensammlungen erschienen sind. Sie und ihre Fachkollegen fänden eine kommentierte Ausgabe für die Schule hilfreich, und wollen sie eventuell bestellen.

Geschichtslehrer Gerold Hofmann vom Dom-Gymnasium hat bislang nur in Lehrbüchern veröffentlichte Ausschnitte aus „Mein Kampf“ im Unterricht verwendet. Ihm scheint die Neuausgabe mit Kommentierungen zu umfangreich für die Schule, sie sei eher für die Lektüre an Universitäten vorstellbar. Die Kommentierungen müssten für Fachlehrer aufgearbeitet werden.

Lehrbuch-Auszüge aus Hitlers Buch gehören auch zum Unterrichtsstoff des Oberstufenzentrums Alfred Flakowski. Geschichtslehrer Thomas Schulz hat ebenfalls mit seinen Schülern über die neue kommentierten Ausgabe gesprochen. In der Oberschule Brandenburg Nord wird die kommentierte Neuausgabe vor allem aus Zeitgründen nicht verwendet, sagt Schulleiter Ulrich Neumann.

Von Jürgen Lauterbach und Heike Beckmann

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