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Ansturm auf Fördermittel für ländlichen Raum

Mehr Projekte als Geld Ansturm auf Fördermittel für ländlichen Raum

Wanderwege, Begegnungsstätten, Kirchensanierungen – rund drei Millionen Euro an EU-Fördermittel für den ländlichen Raum stehen im kommenden halben Jahr zur Verfügung. Doch der Bedarf zwischen Fläming und Havel ist dreimal so hoch. Nur die besten Projekte haben eine Chance auf Zuschüsse.

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Kloster Lehnins Bauamtsleiterin Angela Böttge stellt eine Zeichnung mit dem Mehrzweckraum für den Reckahner Renaissancebau vor. Dieser soll hofseitig vor der linken Hälfte des alten Herrenhauses entstehen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Reckahn. Was ist eine Knorpelschänke? „Eine überdachte Sitzgelegenheit“, klärte Kloster Lehnins Vize-Bürgermeister Berthold Satzky grübelnde Teilnehmer einer Arbeitsgruppe auf, die am Donnerstag im Reckahner Schloss ihre neuesten Leader-Projekte vorstellten. Hinter dem Wort Leader steckt ein EU-Programm zur Förderung von Aktionen im ländlichen Raum. Drei Millionen Euro Fördermittel stehen im aktuellen Auswahlverfahren für die Region Fläming-Havel bereit. Davon erhofft sich Kloster Lehnin einen Anteil für die Auffrischung seiner touristischen Infrastruktur.

Entscheidung bis zum Jahresende

Derzeit läuft das sechste Projektauswahlverfahren für Leader-Projekte. Allein aus dem Bereich der Arbeitsgruppe „Rund um die Havel“ mit den Ämtern Beetzsee und Wusterwitz sowie Brandenburg an der Havel, Kloster Lehnin, Werder (Havel), Schwielowsee und Groß Kreutz (Havel) sind 14 Projektanträge eingegangen, über deren Förderwürdigkeit bis Ende des Jahres entschieden wird.

Zu den in Reckahn vorgestellten Projektanträgen gehören unter anderem der Umbau der „Alten Schule“ in Butzow zu einer Begegnungsstätte, der Umbau eines privaten Stallgebäudes in Päwesin zu einer Konzertstätte, die Innensanierung der Kirche Gollwitz bei Warchau, eine Solarvermietstation für E-Bikes am Groß Kreutzer Bahnhof sowie ein Straßenbauprojekt am Dorfanger in Ferch.

Dazu gehören eben auch jene als Knorpelschänken bezeichneten hölzernen Rastplätze, die in die Jahre gekommene Vorgängermodelle entlang von Wanderwegen ersetzen sollen. „An anderen Stellen sind neue Bänke fällig. Dabei wollen wir aus Gründen der Haltbarkeit in Zukunft mehr auf Beton und Metall setzen“, kündigte Satzky an. Elf ausgewiesene Wanderwege führen inzwischen durch das rund 200 Quadratkilometer große Gemeindegebiet. Vom Damsdorfer Fenn bis zum Schampsee sollen sich Ausflügler bald noch besser orientieren können. Bestandteil des Förderantrages ist eine neue Ausschilderung. Ihre beste Zeit hinter sich haben auch die vor gut 15 Jahren installierten Begrüßungstafeln an den Eingängen der 14 Ortsteile von Kloster Lehnin. Diese sollen ersetzt werden.

Ob die Kommune mit Zuschüssen von der EU rechnen kann, ist derzeit noch offen. In der Lokalen Arbeitsgruppe Fläming-Havel, wo die Förderwürdigkeit geprüft wird, liegen über 40 Projektblätter mit einem Fördermittelbedarf von insgesamt zehn Millionen Euro vor. Angesichts der hoffnungslosen Überzeichnung der aktuellen Antragphase räumt Regionalmanager Heiko Bansen ein: „Leider werden nicht alle Projekte ein positives Votum bekommen.“ Dabei hat Kloster Lehnin einen noch viel größeren Brocken auf der Wunschliste.

Fördertafeln für Projekte im ländlichen Raum finden sich inzwischen an vielen sanierten Gebäuden, wie hier an der vor dem Verfall geretteten

Fördertafeln für Projekte im ländlichen Raum finden sich inzwischen an vielen sanierten Gebäuden, wie hier an der vor dem Verfall geretteten Butzower Kirche.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Über 360 000 Euro soll der Anbau eines Mehrzweckraums an den sogenannten Renaissancebau neben dem Reckahner Schloss kosten. Obwohl in den nächsten 14 Monaten über 2,4 Millionen Euro Bundes- und Gemeindemittel in die Sanierung des maroden Schlossvorgängers gesteckt werden, kommt bei dem finanziellen Kraftakt nicht einmal eine Tagungsmöglichkeit für rund 100 Personen heraus. Dabei war der Umbau des baufälligen Gebäudes zu einem Gemeinde- und Kongresszentrum Hauptgrund für die immense Investition. „Die Denkmalpflege stellt uns vor große Herausforderungen. Weil ein bestimmter Bestand an Innenwänden erhalten bleiben soll, scheitert ein großer Mehrzweckraum. Dieser soll nun im Innenhof angebaut werden. Aber so zurückhaltend, dass er den Altbau nicht in den Hintergrund treten lässt“, erläuterte Kloster Lehnins Bauamtsleiterin Angela Böttge das Projekt. Nun hofft die Kommune auf eine Förderung von 75 Prozent, die bei über 240 000 Euro liegen würde.

Für das Amt Beetzsee stellte Amtsdirektor Guido Müller Pläne für den ländlichen Wegebau vor, die insbesondere den Radtourismus im Raum Fohrde, Hohenferchesar, Brielow und Marzahne voranbringen sollen. Weil die Trassen auch von der Landwirtschaft genutzt werden, ist ein solider Ausbaustandard mit entsprechenden Kosten die Folge. Allerdings kommt das Geld für diese Projekte aus der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur & Küstenschutz und steht nicht in direkter Konkurrenz zu den Leader-Vorhaben.

Für die Stadt Brandenburg stellte Gabriele Plagemann den schon länger ins Auge gefassten Lückenschluss im Radwegenetz vor. Und zwar die Anbindung von Göttin an den aus Richtung Reckahn kommenden Radweg, der bislang auf der Reckahner Straße endet. Dafür soll eine vorhandene Waldschneise genutzt werden. Außerdem ist ein separates Brückenbauwerk über die Plane nötig. Gerade im Zusammenhang mit der weiteren touristischen Entwicklung Reckahns sieht Plagemann in dem Radwegprojekt eine Aufwertung für die gemeinsame Region. Der Lückenschluss würde nach bisherigen Berechnungen um die 450 000 Euro kosten.

Von Frank Bürstenbinder

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