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Brandenburg/Havel Anwohner mussten Todeskampf mitanhören
Lokales Brandenburg/Havel Anwohner mussten Todeskampf mitanhören
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00:18 11.06.2017
Etwas jünger als diese Kälber waren die beiden Jungtiere, die am 24. Mai bei Buckau von Wölfen geholt wurden. Quelle: Marion von Imhoff
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Buckau

Die Schreie der Kühe waren markerschütternd, als Wölfe in der Nacht zum 24. Mai zwei Kälber von einer Weide bei Buckau holten. Auch der pensionierte Pfarrer Thomas Gandow hörte es, der einige hundert Meter entfernt am Ortsrand Buckaus wohnt. „Es war grauenvoll“, erinnert er sich. Besorgte Anwohner riefen Klaus Vieweg an, den Leiter der Agrargenossenschaft Buckau. Bei Tagesanbruch entdeckten er und weitere Mitarbeiter auf der Mutterkuh-Weide die Überreste eines Kalbes. Obwohl sie auch den nahen Wald absuchten, fehlt von einem weiteren Kalb jede Spur.

Allein im vorigen Jahr verlor der Betrieb neun Kälbchen, davon waren sieben erst neu geboren. „In diesem Jahr haben wir die Mutterkühe nicht so zeitig auf die Weide gebracht“, sagt Klaus Vieweg. Die Kühe kalben nun erst im Stall ab. „Das bedeutet für uns einen erheblich höheren Arbeitsaufwand.“ Doch wie sich jetzt zeigt, fruchtet auch diese Vorsichtsmaßnahme nicht gegen Wolfsrisse in Mutterkuhherden.

Klaus Vieweg leitet die Agrargenossenschaft Buckau seit dem Jahr 2000. Der erfahrene Landwirt klagt über das romantisierte Bild von Wölfen. Quelle: Marion von Imhoff

Der erfahrene Landwirt Klaus Vieweg beobachtet seit einigen Jahren schon, dass Mutterkühe mit Kälbern nervöser oder, wie er sagt, abwehrbereiter, sind. Schon wenn sich ein Mensch nähert, wird die Herde unruhig. „Eine Mutterkuhherde kann schon aggressiv werden. Jeder weiß, dass eine Mutterkuh mit Vorsicht zu genießen ist. Aber das Abwehrverhalten hat zugenommen, das ist eine Gefahr für die Mitarbeiter.“

Greifen Wölfe eine Herde an, scharren die Mutterkühe die Kälber um sich und bilden einen Kreis um die Jungtiere. Gegen einen Wolf allein könne eine Kuh schon etwas ausrichten, erst recht ein Bulle. In jeder Herde steht meist auch ein Bulle, um für den Nachwuchs im Jahr darauf zu sorgen. „Doch gegen ein Rudel Wölfe haben die Kühe keine Chance.“

Zäune, Wölfe und Mutterherden

Andreas Piela, Referatsleiter für Arten- und Biotopschutz im Umweltministerium in Potsdam, hat Donnerstag Stellung genommen zu den Wolfsrissen in Buckau. Grundsätzlich habe „das Verschwinden von Kälbern von Weiden nichts mit Wölfen zu tun, sondern mit unzulänglicher Umzäunung.“ Der Zaun scheine aber in Buckau ordentlich gewesen zu sein (vier Litzen). Im Einzelfall müsse das geprüft werden.

Piela empfiehlt unter Strom stehende Zäune mit fünf Drähten. Das Land entschädige in Fällen, in denen nicht zu 100 Prozent der Wolf als Ursache ausgeschlossen werden könne, so Piela.

Die Agrargenossenschaft Buckau hält 914 Rinder, davon 409 Mütterkühe. Die Herden mit zwischen acht und 60 Tieren leben im Sommer auf Weiden.

Die Weiden der Agrargenossenschaft liegen idyllisch. Sanfte Hügel, weite Getreidefelder, Wälder bis zum Horizont. Dort, nahe Buckau, fühlt sich Brandenburg an wie Sachsen-Anhalt, das wenige Kilometer weiter schon beginnt. Nahe an Buckau hält der Agrarbetrieb die Herden mit neugeborenen Kälbern. Sie kommen meist erst mit zwei Wochen nun auf die Weide. Von Jägern und seinen Mitarbeitern, die schon Wölfe gesichtet haben, weiß der Betriebschef, dass mindestens ein Wolfsrudel durch die nahen Wälder streift.

„Der Wolf ist ein Reizthema“, sagt Klaus Viehweg. Kein Verständnis hat der 62-Jährige für die „romantisierte Sicht auf den Wolf“. Es sei ein großer Fehler gewesen, den Wolf wieder anzusiedeln. „Ausrotten kann man ihn jetzt nicht mehr. Es gibt einfach mittlerweile zu viele.“

Auf Schadensersatz hofft der Betrieb kaum noch für Kälber, die zur Beute von Meister Isegrim wurden. „Man hat keine Chance.“ Der Frust sitzt tief in dem ruhigen Mann. „Ein Kalb habe ich mal ersetzt bekommen. Doch für Kälber, die verschwunden sind, bekomme ich nichts.“ 850 Euro zahlt das Land für ein nachweislich von Wölfen gerissenes Bullenkalb, für ein weibliches Kalb 550 Euro.

Der Unmut des Klaus Vieweg spiegelt die Stimmung der Landwirte wider. Wöchentlich kommt es zu Meldungen von Wolfsrissen bei Nutztieren. Die neue Regelung, dass Problemwölfe geschossen werden dürfen, hält Vieweg für unzulänglich. „Wie soll ich nachweisen, dass es immer der gleiche Wolf ist, der in die Muttertierherden einfällt? Und den Wolf zu vergrämen – wer soll das machen?“ Vieweg ist das, was viele Berufsgenossen von ihm sind beim Thema Wolf: wütend, enttäuscht und ratlos.

Von Marion von Imhoff

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