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Arbeitspferd und Touristenmagnet

Fähre in Pritzerbe Arbeitspferd und Touristenmagnet

Sie sind bei Wind und Wetter auf der Havel unterwegs. Vier Männer stehen im Dienst der Stadt Havelsee, um die Pritzerber Fähre an 365 Tagen im Jahr von einem Ufer zum anderen zu fahren. Unter den Passagieren sind immer mehr Radtouristen.

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Havelsee-Bürgermeister Günter Noack (2.v.l.) mit den städtischen Fährmännern Reinhard Paulick, Stefan Grabow und Thomas Behns. Es fehlt Bernd Triptow.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Pritzerbe. „Ham’ se mal ’ne Luftpumpe oder Pappbecher zum Trinken?“ Haben die Pritzerber Fährleute natürlich nicht. Trotzdem heißt es freundlich bleiben. Die radelnden Fragesteller sollen ihr Etappenziel in guter Erinnerung behalten. Für die immer zahlreicher werdenden Touristen sind sie die Gesichter der Stadt: Reinhard Paulick, Stefan Grabow, Thomas Behns und Bernd Triptow. Die Männer sorgen dafür, dass weit über 100 Mal am Tag Menschen, Fahrräder, Autos, Hunde, und wenn es sein muss Pferde von einer Seite der Havel auf die andere wechseln können.

Die erste Fähre des Tages legt morgens um 4.50 Uhr in Kützkow ab, der Lumpensammler vor der Nachtruhe verlässt Pritzerbe wochentags um 22.30 Uhr. In zwei Schichten nur hin und her. In vier Minuten von einem Ufer zum anderen. Wird das nicht langweilig? „Im Winter kann einem schon mal das Blechdach auf den Kopf fallen. Aber im Sommer ist immer was los auf dem Wasser“, berichtet Fährmann Behns. Dann heißt es aufgepasst. Man kann nie sicher sein, ob Führer von Freizeitflößen und Laienkapitäne auf führerscheinfreien Motorbooten die Vorfahrt der Fähre respektieren.

„Früher hat so mancher gedacht, die Fähre würde Platz machen. Insgesamt hat sich die Situation aber verbessert“, findet Fährmeister Paulick. Ausweichen kann die 1990 in Dienst gestellte Autofähre im Ernstfall jedenfalls nicht. Das von einem Dreizylinder-Diesel angetriebene Wasserfahrzeug ist keine frei fahrende Motorfähre. Aus eigener Kraft zieht sich die „Pritzerbe“ an einer Kette über den 180 Meter breiten Fluss. Das klappt 365 Tage im Jahr, im Sommer wie im Winter, bei Hitze, Regen und Eisgang. „Wir halten zusammen und helfen uns gegenseitig. Da ist es von Vorteil, dass sich unser Arbeitsplatz vor der Haustür befindet“, so Stefan Grabow. Nur Bernd Triptow ist in Brandenburg zu Hause.

Die Fähre ist voll

Die Fähre ist voll: Immer mehr Radler wollen über die Havel.

Quelle: Frank Bürstenbinder

„Ich ziehe den Hut vor der Leistung unserer Fährmänner“, findet Havelsee-Bürgermeister Günter Noack. Denn in erster Linie sichert das Personal die Verbindung der Kützkower zum Pritzerber „Festland“ mit Bahnstation, Ärzten, Apotheke, Schule, Kita und anderen Versorgungseinrichtungen. So lange die Kette klingelt, ist die Welt für die Kützkower in Ordnung. Vor Havarien ist jedoch die beste Mannschaft nicht gefeit. Ausgerechnet der im letzten Jahr eingebaute Motor machte schlapp. Mehrere Wochen mussten Autofahrer lange Umwege in Kauf nehmen. Für solche Ausnahmesituationen können die Fährmänner zumindest für Fußgänger auf das Fährboot „Kützkow“ zurückgreifen. Die Stadt Havelsee lässt für das Boot derzeit eine Ersatzinvestition prüfen. Eine moderne Variante mit absenkbarem Bug und Platz für Rollstuhl und Fahrräder ist im Gespräch.

Nicht nur die Einheimischen mit ihren Jahreskarten setzen ihr Vertrauen in eine zuverlässige Verkehrsverbindung über das Wasser. Jetzt in der Urlaubssaison herrscht Hochbetrieb in den Kützkower Datschen. Dazu kommt ein neues Klientel, dass früher unvorstellbar war. Bei schönem Wetter reißt der Strom der Radtouristen nicht ab. Der Havelradweg hat die Pritzerber Fähre vom Arbeitspferd zum Touristenmagnet geadelt.

 

 

Von Frank Bürstenbinder

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