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Brandenburg/Havel Architekt kritisiert gescheiterte Packhofentwicklung: „Das ist ein Armutszeugnis“
Lokales Brandenburg/Havel Architekt kritisiert gescheiterte Packhofentwicklung: „Das ist ein Armutszeugnis“
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11:52 08.03.2019
Blick auf das Gelände des Packhofes aus der Luft. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Der Brandenburger Architekt Achim Krekeler ist mit seinem Büro seit 1994 in Brandenburg an der Havel ansässig. Ein Jahr zuvor war er mit seiner Familie aus Kairo in die Havelstadt gezogen.

Brandenburg Achim Krekeler Architekt Quelle: JACQUELINE STEINER

Krekeler verwirklicht viele Aufträge im Ausland und ist mit seinen Architekten auch bundesweit aktiv. Im Moment saniert sein Büro gerade das historische Rathaus im niedersächsischen Goslar. Es steht auf der Liste des Weltkulturerbes.

Herr Krekeler, Sie sind selbst Architekt in Brandenburg/Havel, haben sich am ersten Interessenbekundungsverfahren mit dem Immobilienentwickler Prinz von Preussen für den Packhof beteiligt und wohnen am Packhof. Nun nimmt die Stadt einen neuen Anlauf, um das Filetgrundstück in der Stadt künftig nutzbar zu machen. Was halten Sie davon?

Achim Krekeler: Die neuerliche Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung, einen Ideenwettbewerb, in dem Architekten, Stadtplaner und Bürger gleichberechtigt Vorschläge für die Entwicklung des Packhofgeländes einreichen sollen, auszuloben, macht ein hilfloses Agieren der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik deutlich. Es sollen also professionelle Architekten und Stadtplaner, die eine akademische Ausbildung absolviert haben und ihre Büros und Mitarbeiter mit dieser Expertise finanzieren müssen, gleichberechtigt gegen Bürger, vom 16- jährigen Schüler bis zum engagierten Ruheständler, in den Ideenwettstreit treten.

Was stört Sie konkret?

Aus einem Wettbewerb kann nur ein gutes Ergebnis hervorgehen, wenn es eine fachlich gut ausgearbeitete und in der Verwaltung und Politik getragene Aufgabenstellung gibt und von vornherein klar ist, wie mit den Ergebnissen umgegangen werden soll. Scheinbar soll aber ohne konkrete Definition der Aufgabe über ein neu erfundenes Wettbewerbsverfahren die Lösung für den Packhof gefunden werden. Wie sich die Jury zusammensetzt, wie mit dem Siegerentwurf umgegangen wird, wer das Urheberrecht hat und wie die Vergütung für die Leistung aussehen wird, soll wohl im Nachgang entschieden werden.

Aber ist nicht genau dies das Problem der Stadt, also dass man ja erst noch entscheiden will und muss, was aus dieser Fläche in Zukunft wird?

Man baut nicht auf die seit Jahrzehnten erprobten und geregelten Instrumente der Stadtplanung, wie es das Baugesetz vorsieht, sondern meint, für Brandenburg an der Havel einen neuen Weg, das „Brandenburger Werkstattverfahren“, erfinden zu müssen. Warum wird nicht eine normale Bauleitplanung, zu der eine Bürgerbeteiligung und die Mitwirkung von Trägern öffentlicher Belange selbstverständlich dazugehören, auf den Weg gebracht? Warum bedient man sich nicht eines echten Wettbewerbsverfahrens nach der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013), wie es vom Innenministerium des Landes Brandenburg für das Land Brandenburg längst eingeführt wurde? Wir fragen uns als Büro ja auch: Gibt es niemanden in der Stadtverwaltung, der sich damit auskennt und sich dafür einsetzt?

Zur Person

Achim Krekeler wurde 1957 in Hannoversch Münden, Niedersachsen, geboren. 1991 gründete er die Bürogemeinschaft Krekeler Ruiken Vetter in Berlin.

1993 zog Achim Krekeler mit seiner Familie von Kairo nach Brandenburg an der Havel. 1994 gründete er das Architekturbüro Krekeler in der Stadt Brandenburg.

Im Jahr 2003 gründete er wegen der Vielfalt der Aufgaben die Krekeler Generalplaner GmbH. Im Jahr 2010 kam noch das Berliner Büro hinzu, 2013 dann noch eines in der rumänischen Hauptstadt Bukarest.

Was glauben Sie, warum man das Verfahren nicht wählt, das eigentlich zum Handwerkszeug jeder funktionierenden Bauverwaltung gehört?

Der Grund dafür könnte die Angst der Verantwortlichen sein, das Verfahren nicht selbst in der Hand zu behalten, womöglich die Expertise der externen Fachleute nicht steuern zu können. In den geregelten Verfahren nach RPW 2013 gibt es erprobte Spielregeln, wie eine vorgeschriebene Besetzung der Jury durch eine Mehrheit von externen Fachleuten und das Auftragsversprechen für den Wettbewerbssieger. Es drängt sich der Eindruck auf, dass man durch einen ungeregelten „Packhof-Ideenwettbewerb“ nicht architektonische, städtebauliche und verkehrstechnische Fragestellungen in den Vordergrund stellen will, sondern wie bei den früheren Verfahren am Packhof und für das Kunst- und Stadtmuseum, – die ja bekanntlich beide scheiterten –, den Einfluss von Kommunalpolitikern auf das Ergebnis sichern möchte.

Einzelne Parteien stellen sich auf den Standpunkt, sie sind vom Volk gewählt und können für das Volk entscheiden. Selbst, wenn die Wahlbeteiligung nur bei 30 Prozent lag: Gewählt ist gewählt. Oder?

Was jetzt als Erfolg von den Parteien verkündet wird, ist in Wahrheit ein Armutszeugnis. Fast vier Jahre nach der BUGA ist man noch keinen Schritt weiter. Ein weiteres ungeregeltes Verfahren kann der Stadtentwicklung nur Schaden zufügen. Die Vermischung von Expertenwissen und Laientum führt die Idee der „Bürgerbeteiligung“ ins Absurde und ist eine Anmaßung für unseren Berufsstand. Es ist schade, dass es nach dem letzten Desaster um den Packhof keinen echten Neustart gibt. Der nächste Streit dürfte vorprogrammiert sein.

Was wäre denn aus Ihrer Sicht die ideale Nutzungsvariante für den Teil des Packhofes, der nach der Eckbebauung an der Packhofstraße noch zur Verfügung stehen wird?

Ich würde mir ein gut durchmischtes, städtisch verdichtetes Wohngebiet mit hoher Aufenthaltsqualität wünschen. Die Uferzonen sollten grün und öffentlich genutzt bleiben. Der zugelassene Verkehr sollte sich auf Anwohnerverkehr beschränken, Besucherparken muss draußen bleiben. Die Architektur sollte anspruchsvoll sein und in den historischen Innenstadtkontext passen. Für junge Familien sollten bezahlbare und interessante Wohnformen, wie zum Beispiel durch Baugruppen, geschaffen werden.

Können Sie in kurzen Worten ein ideales Verfahren aus Ihrer Sicht mit einem akzeptablen Zeitplan skizzieren?

Vor der BUGA war die städtebauliche Planung mit dem Strukturkonzept schon mal auf einem guten Weg. Man müsste diesen Weg weitergehen, ein Büro für die Abstimmung und Formulierung der Aufgabenstellung einbinden und dann einen städtebaulichen Realisierungswettbewerb nach RPW 2013 durchführen. Auf der Grundlage des städtebaulichen Siegerentwurfs könnten dann verschiedene Parzellen gebildet und an unterschiedliche Entwickler vergeben werden. Die Vorbereitung und Durchführung so eines Verfahrens wird sicherlich ein Jahr dauern.

Wie wäre so ein Entscheidungsgremium besetzt, wie viele Entscheider sind insgesamt sinnvoll, wie viele davon extern, aus der Verwaltung und aus der Lokalpolitik?

In einem geregelten Wettbewerb setzt sich die Jury aus Fach- und Sachpreisrichtern zusammen. Die Fachpreisrichter sind unabhängige erfahrene Architekten oder Stadtplaner und die Sachpreisrichter sind beispielsweise Vertreter aus der Politik und Verwaltung. Um das fachliche Votum zu stärken, werden immer mehr Fach- als Sachpreisrichter zugelassen, beispielsweise fünf Fachpreisrichter und vier Sachpreisrichter.

Welche Formen des Widerstandes gegen die jetzt vorgelegte Lösung könnten oder werden aus der Bürgerschaft kommen? Und wie lange würden sie eine Bebauung womöglich blockieren?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man in Brandenburg an der Havel nicht so einfach gegen die Bürger regieren kann.

Könnte Kalkül hinter der Tatsache stecken, dass das bereits gegen die Wand gefahrene Projekt nun durch die undurchsichtige Gemengelage weiter in der Schwebe gehalten wird und am Ende dann wieder der Vorschlag eines großen Hotelkomplexes auf dem Tisch liegt oder Investoren bedacht werden, die längst ihre Bereitschaft erklärt haben, dort so zu bauen, wie sie es möchten. Also ein Verfahren, wie man es bei der St.-Annen-Galerie und dem absurden Wettbewerb erlebt hat?

Bei aller von mir benannten Kritik, kann ich mir das nicht vorstellen. Ich habe vor allem den Eindruck, dass unsere Politiker bei der letzten Entscheidung nicht oder schlecht beraten wurden.

Was glauben Sie persönlich: Wie sieht der Packhof in fünf Jahren aus?

Grüne Wiese!

Von Benno Rougk

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