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Brandenburg/Havel Auch Loriot im Visier der Staatssicherheit
Lokales Brandenburg/Havel Auch Loriot im Visier der Staatssicherheit
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00:18 15.04.2017
Aus diesem Fenster beobachtete die Stasi, was in und um die Kaserne der sowjetischen Streikkräfte geschah. Quelle: BStU
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Brandenburg an der Havel

Von Loriot bis zu Petra aus dem Nelkenweg, von den Punkern „Stink“ und Stunk“ bis zur Kirchenleuten, von den Indianerfreunden bis zur Kleingärtnern der „Harmonie“: „Die Stasi in Brandenburg sah überall Verdächtige, hatte aber nicht alle im Visier“, berichtet Rüdiger Sielaff (58). Der Frankfurter Außenstellenleiter der Stasiunterlagenbehörde (BStU) schilderte am Dienstag neue Forschungsergebnisse zum Wirken der Stasi-Spitzel in Brandenburg an der Havel.

82 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigte die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit im Wendejahr 1989 unter der Leitung von Oberstleutnant Fred Fubel in der Neuendorfer Straße 89. Sie wurden im letzten DDR-Jahrzehnt regelmäßig unterstützt von 500 bis 600 Spitzelbürgern, sogenannten Inoffiziellen Mitarbeitern (IM).

1987: 1600 Informationen von 402 IM

Die KD Brandenburg habe akribisch und detailliert pro Halbjahr ermittelt, in welchem Umfang die IM Informationen lieferten zum Beispiel aus Betrieben, Genossenschaften, Vereinen, Kirchengemeinden, Krankenhäusern, Jugendgruppen, Schulen und Veranstaltungen,über ausreisewillige Bürger, Kabinen- und Nichtwähler. Die Statistik weist im Jahr 1987 in Brandenburg/Havel etwa 1600 „operativ bedeutende Informationen“ aus, die 402 IM geliefert hatten.

Aus diesem Fenster beobachtete die Stasi, was in und um die Kaserne der sowjetischen Streikkräfte geschah. Quelle: BStU

Als Schwerpunkt für 1990 und 1991 benannte Fred Fubel „kirchenleitende Kräfte der Kirchengemeinden der Stadt Brandenburg“, er wollte neue Spitzel anwerben, doch dann kam ihm die Wende dazwischen.

Zwei dicke MfS-Ordner warten auf Abholung

Rüdiger Sielaff nannte Beispiele von IM. Bis sie im Oktober 1989 in die BRD übersiedelt, berichtet die Brandenburgerin mit dem Tarnnamen „Angela Severin“ seit 1972 eifrig zum Intershop. Mitarbeitern und Einkäufern, darunter Ehefrauen von NVA-Angehörigen. Sie liefert auch Informationen über Kellnerinnen des Stadtcafés. Die Brandenburger Stasioffiziere erfuhren von Angela Severin, dass nicht nur in normalen Geschäften angestanden wurde, sondern die Frau eines Feldwebel in der Schlange vor dem Intershop 45 Minuten lang wartete.

Stasi-Spitzel registrierten, wer mit seinem Stimmzettel in die Wahlkabine gegangen ist oder wer gar nicht gewählt hat. Quelle: BStU

Bisher nicht gemeldet bei der heutigen Stasi-Unterlagenbehörde hat sich eine Frau, die im Sommer 1986 in der Max-Herm-Straße wohnte. Die Behörde, die das Stasi-Unrecht aufarbeitet, lagert Unterlagen von ihr. Sie würde alte Kontoauszüge finden, ihre Briefe, viele Fotos, ihre Buchmanuskripte. All das haben Stasi-Offiziere bei einer konspirativen Wohnungsdurchsuchung fotografiert und dokumentiert, weil sie staatskritische Schriften vermuteten. Zwei dicke MfS-Ordner enthalten viele Familienbilder und Hunderte Originalpostkarten aus aller Welt, gesendet an Mitglieder einer Familie, die in den 80-er Jahren in der Hauptstraße und in Kirchmöser lebten. Ihr Familieneigentum haben sie bis heute nicht beansprucht.

Wähler im Wahllokal ausgespäht

Rüdiger Sielaff zeigte seinen Zuhörern am Dienstag im Rolandsaal zahlreiche Bilder und Aktenschnipsel, darunter konspirative Beobachtungspunkte, verdächtige Fahrzeuge, Notizen über Nicht- und Kabinenwähler, die von Stasi-Leuten im Wahllokal ausgespäht wurden.

Rüdiger Sielaff, Frankfurter Außenstellenleiter der Stasiunterlagenbehörde (BStU). Quelle: dpa

1989 werden besonders „politisch-ideologische Diversion (PID) und politische Untergrundtätigkeit (PUT) bekämpft, namentlich in der Gotthardt- und in der Auferstehungsgemeinde, im „Freundeskreis Totalverweigerer“, in der Fontane-Jugendgruppe Brandenburg ,im Indianistikzirkel des Jugendkulturhauses „Philipp Müller“.

Loriot dankt dem lieben Gott

Natürlich wacht die Stasi über den Loriot-Auftritt am 18. Mai 1985 in Brandenburgs Dom. Ehe der große Satiriker schließt mit den Worten: „Ich liebe Brandenburg, ich bin einer von Ihnen“, nimmt er noch den SED-Staat ins Gebet.

Der Stasi-Beobachter notiert: „Loriot bedankte sich abschließend beim lieben Gott und anderen Institutionen in der DDR, die es ihm ermöglicht hätten, nach Brandenburg zu kommen.“

Von Jürgen Lauterbach

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