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Auch der Abschlepper steht im Stau

Brandenburg an der Havel Auch der Abschlepper steht im Stau

Fred Neumann ist eigentlich ein Autohändler in Wenzlow, doch einen Großteil seiner Zeit verbringt er auf der Autobahn – er räumt das ganze verbogene Blech nach den vielen Unfällen auf der BAB 2 weg. Sein Vorteil, warum er so oft von den Abschlepp-Zentralen gebucht wird: Seine Werkstattbasis liegt nur vier Minuten von der Anschlussstelle Wollin entfernt.

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Die gelbe Signal-Kluft muss Fred Neumann häufig für seine Abschlepp-Einsätze auf der Autobahn 2 anlegen – am häufigsten freitags und sonntags.
 

Quelle: André Wirsing

Wenzlow/Brandenburg/H.  Fred Neumann muss sich jetzt einen größeren Abschleppwagen kaufen. Der bisherige MAN trägt 8,8 Tonnen weg, doch teilweise sind havarierte Transporter mit langem Radstand und voller Beladung schon kaum zu transportieren. Im Januar kommt der neue Wagen, der zwölf Tonnen bewegen kann.

Eigentlich ist Neumann Kia-Händler in Wenzlow, in seiner Werkstatt arbeiten zwei Mechaniker, ein Lehrling und eine Sachbearbeiterin. Der Chef ist häufig auf der Autobahn unterwegs, um den Schrott einzusammeln, der nach Unfällen übrig bleibt. „An Freitagen und an Sonntagen kann ich eigentlich gleich nach dem Aufstehen meine neongelbe Montur für die Außeneinsätze anziehen, da passiert am meisten.“ So wie vor wenigen Tagen als ein Lkw-Fahrer jede Menge Gerüststangen vom Hänger verloren hatte und einige Pkw und hineinschlitterten. Zwei davon landeten mit faustdicken Löchern in den Reifen auf Neumanns Hof. Ihnen konnte er schnell helfen. Der polnische Fahrer stellte seinen Hänger auf der Tankstelle Buckautal ab und setzte seine Fahrt fort. Neumann ist relativ schnell vor Ort, bis zur Anschlussstelle Wollin braucht er gerade einmal vier Minuten, so dass er fast immer der Erste ist.

„Bislang habe ich noch keinen im Straßengraben gelassen, notfalls konnte ich sie mit der Umlenkrolle aus dem Graben an den Straßenrand bugsieren und habe dann meinen Laster so hingestellt, dass ich den Wagen raufziehen oder auf die ,Schlepp-Brille’ bugsieren konnte.“ 4,6 Tonnen zieht die hydraulische Winde auf dem Wagen weg.

Die Verkehrs- und die Baustellendichte macht Fred Neumann mit verantwortlich für die Unfallhäufigkeit: „Wenn ich jetzt Pendler aus Wenzlow wäre, müsste ich auf Hin- und Rückweg an einem Tag zehn Baustellen passieren – Wollin, Brandenburg, Lehnin, Dreieck Werder und Dreieck Nuthetal. Das ist für das Verkehrsaufkommen einfach zu viel. Dann hätte man nicht alle Baustellen gleichzeitig realisieren dürfen.“ Hinzu kommen die täglichen Falschhandlungen der Autofahrer, die oftmals große Wirkung zeigten. So müsse er sich manchmal auch im Stau anstellen, weil viele die Rettungsgasse nicht bilden. Wenn Autofahrer mit Pannen liegen bleiben, zeigen sie oft Verunsicherung, stellen das Warndreieck nicht 50 Meter hinter ihrem Auto auf, um Nachfolgende zu waren, sondern fünf Meter. „Ich bin immer schon froh, wenn sie sich selbst geschützt hinter der Leitplanke aufhalten und nicht über den Seitenstreifen irren.“

Eigensicherung muss Neumann natürlich großschreiben. Neben Leuchtkleidung, Verkehrskegeln und Rundumleuchten gibt es weitere Maßnahmen, etwa Arbeitsscheinwerfer und Blitzlampen am Heck seines Fahrerhauses, die auch den letzten Schläfrigen alarmieren. „Wenn ich ein Fahrzeug auflade, ermahne ich die Polizisten, dass sie nicht eher wegfahren, bevor ich das Fahrzeug und seine Insassen auf dem und im Auto habe und in Bewegung bin.“

Manche Autos auf seinem Hof erzählen den Unfallhergang ohne Worte – wie der BMW Z 4 mit 400 PS, der in der Caasmannstraße bei feuchter Fahrbahn durch den unkontrollierten Tritt aufs Gaspedal ausbrach, Baum und Straßenlaterne fällte und mit dem „Hintern“ beim Herumschleudern noch einmal in die Mauer krachte.

Von André Wirsing

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