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Brandenburg/Havel Auf dem Solarboot die Havel entlang
Lokales Brandenburg/Havel Auf dem Solarboot die Havel entlang
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17:18 26.06.2015
Sänger Lüül bei seinem Konzert im Schloss Plaue. Quelle: P. Rißling
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Brandenburg an der Havel

So schippert der Berliner derzeit gemeinsam mit seiner dreiköpfigen Band per Solarboot über die Havelseen. Im Gepäck lediglich minimale Bühnentechnik, Geige, Akkordeon, Kontrabass, Gitarre und Ukulele.

Und ganz viel Lust auf Heimat und Musik. „Was uns am meisten an dieser etwas anderen Tour reizt, ist die Improvisation, das Abenteuerliche“, sagt der 62-Jährige. Und improvisiert werden muss auf einer derartigen Reise des Öfteren, das hat Lüül schnell bemerkt.

So müssen die nur 25 Konzertbesucher im Schloss Plaue vor wenigen Tagen einige Geduld mitbringen, bevor der weit gereiste Künstler samt Gefolge auf die Bühne tritt. „Wenn man mit dem Solarboot unterwegs ist, schadet ein bisschen Sonne nicht“, erklärt sich der Sänger mit dreiviertelstündiger Verspätung. „Wenn die Solarzelle aufgebraucht ist, bleibt man nun mal stehen.“ Echte Improvisation eben für einen echten Städter, der den Großteil seines Lebens im aufregenden Westberlin verbrachte und dieses seit jeher auch vertont.

Tourabschluss

„Lüül & Band“ sind bereits seit acht Tagen auf den hiesigen Gewässern unterwegs.
Ihre Auftritte führten sie unter anderem nach Potsdam, Caputh, Werder, Brandenburg und Havelsee.
Samstag spielt die Band noch einmal in der Region: um 20 Uhr beim Sommerfest in Strodehne.

Lüül, wenn auch kein Star, dann doch in den letzten Jahrzehnten ein wesentlicher Teil der Westberliner Avantgarde-Szene, hat seine neue CD „Wanderjahre“ genannt. Der Songwriter, der ebenso wie seine drei Kollegen auch Teil der Genremix-Kombo „17 Hippies“ ist, besingt darauf natürlich die Erlebnisse eines langen Musikerlebens. Darunter verflossene Liebschaften, lebenslange Leidenschaften und das besondere Lebensgefühl damals in Westberlin, dieser „Insel mitten im Osten“.

Das sind dann auch die stärksten Momente des Konzerts. Auch, wer auf der anderen Seite der Mauer aufwuchs, kann sich bei Stücken wie „Westberlin“ oder „Morgens in der U-Bahn“ in diese ganz besondere Zeit hinein versetzen, „in der wir einen Höllenspaß hatten“, wie Lüül heute ganz ohne Wehmut sagt.

Und doch: Bei aller Nostalgie, vorbei ist vorbei, die Mauer längst gefallen, der Künstler auch nicht mehr der Jüngste. „Höchste Zeit“ sei es daher gewesen, „die so nahe, aber doch unbekannte Heimat zu erforschen.“ Die Idee zu einer Tour entlang der Havelseen ist dem Künstler gekommen, als ihm eine alte Wasserkarte seines Vaters in die Hände fiel. „Da kam mir der Gedanke, das neue Album erstmals auf diese Weise zu präsentieren“, sagt Lüül. „Wir haben schon die ganze Welt gesehen, jetzt ist es Zeit für das Naheliegende.“

Schade nur, dass so wenige den Weg nach Plaue fanden, um den lustigen, traurigen, dabei immer spannenden Geschichten Lüüls zu lauschen.

Von Philip Rißling

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