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Brandenburg/Havel Auf dem Weg zum ehrenamtlichen Richter
Lokales Brandenburg/Havel Auf dem Weg zum ehrenamtlichen Richter
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10:46 27.03.2018
Ronald Andersen aus Damsdorf bewirbt sich als Jugendschöffe für das Amtsgericht. Quelle: Frank Bürstenbinder
Damsdorf

Für Ronald Andersen (68) ist das Ehrenamt eine Bürgerpflicht. Und weil der pensionierte Bundeswehrsoldat seine Pflichten immer ernst nimmt, legt der Damsdorfer im Ruhestand nicht die Füße hoch. Andersen ist Mitglied im ortsansässigen Seniorenverein, hat einen Sitz im Kreiskirchenrat, kümmert sich um Flüchtlinge und gehört seit 20 Jahren dem Jugendhilfeausschuss des Kreistages an. Diese Auflistung ist nicht vollzählig. Außerdem freut sich der gebürtige Schleswig-Holsteiner bereits auf eine neue Aufgabe.

Andersen will Recht sprechen. Und zwar als Jugendschöffe. Seine Bewerbung hat er bereits dem Jugendamt der Kreisverwaltung übergeben. Die Amts- und Landgerichte Potsdam und Brandenburg suchen gerade Bürger, die in der neuen Amtsperiode von 2019 bis 2023 den hauptamtlichen Richtern als gleichberechtigte Mitglieder zur Seite stehen. Ehrenamtliche haben nämlich das gleiche Stimmrecht, egal ob es ums Strafmaß oder die generelle Frage nach Schuld oder Unschuld geht. „Für den Urteilsspruch ist eine Zwei-Drittel-Mehrhheit erforderlich“, weiß Andersen aus Erfahrung.

Juristische Kenntnisse nicht erforderlich

Wer als Jugendschöffe tätig sein will, muss älter als 25 und jünger als 70 Jahre alt sein. Die Bewerber dürfen nicht vorbestraft sein und sollten Erfahrung im Umgang mit Jugendlichen haben. Eine weitere Voraussetzung ist die deutsche Staatsbürgerschaft.

Schöffen brauchen keinerlei juristische Kenntnisse. Dafür gehören Unvoreingenommenheit, Menschenkenntnis, eine eigene Meinung und Verantwortungsbewusstsein zu den Eigenschaften, die ein Bewerber für das Ehrenamt haben sollte.

Ehrenamtliche Richter müssen mit etwa zehn Verhandlungen im Jahr rechnen. Interessenten können sich an folgende Adresse wenden: Landkreis Potsdam-Mittelmark, Fachdienst Kinder/Jugend/Familie, z.h. Frau Richter, Niemöller Straße 1, 14806 Bad Belzig.

Acht Jahre schon konnte der Bewerber die Arbeit der Gerichte auch hinter den Kulissen kennenlernen. Denn Andersen hat zwei Amtsperioden als Schöffe am Amtsgericht Brandenburg hinter sich. Damals saßen jedoch Volljährige auf der Anklagebank. Junge Erwachsene ohne Perspektive, die geklaute Autos zu Ersatzteilspendern machten. Oder die Frau, die bestellte Ware aus den Katalogen nie bezahlte. Andersen entschied mit über knifflige Fälle, in denen sich Obdachlose gegenseitig des Diebstahls bezichtigten. Was ihn wurmt: „Oft dauert es zu lange, bis es zur Anklage kommt. Das macht die Sache vor Gericht auch für die Zeugen nicht einfacher.“

Gesunder Menschenverstand gefragt

„Schöffe zu sein ist ein faszinierendes Ehrenamt. Aber auch eines mit hoher Verantwortung“, berichtet Andersen, der an bislang rund 80 Verhandlungen in einer dreiköpfigen Richterrunde teilgenommen hat. Die Termine der Verhandlungen stehen in der Regel lange fest. Nur Krankheit gilt an diesen Tagen als Entschuldigung. Ein gesunder Menschenverstand, Berufserfahrung und Einfühlungsvermögen in bestimmte Situationen und soziale Gegebenheiten sollten Bewerber unbedingt mitbringen.

Jugendschöffen sollen außerdem Erfahrungen in der Jugendarbeit mitbringen. Andersen war viele Jahre Ausbilder beim Bund. Die Arbeit mit dem Nachwuchs gehörte zu seinem Job. Doch die Kompetenz, die Welt der Jugend mit all ihren möglichen Irrungen und Wirrungen auch heute noch zu verstehen, schöpft der mehrfache Vater und Großvater vor allem aus der eigenen Familie.

Seit vielen Jahren nehmen Ronald Andersen und seine ein Jahr ältere Ehefrau Roswitha Pflegekinder in ihrem 160 Quadratmeter großen Haus in Damsdorf auf. Für das mittelmärkische Jugendamt sind die Andersens längst ein wichtiger Partner in der Bereitschaftspflege, wenn es um die zeitweilige Aufnahme von Kindern geht, deren Erziehungsberechtigte plötzlich ausfallen. Neben zwei leiblichen Töchtern hat das Ehepaar zwei adoptierte Kinder großgezogen.

Gericht hat das letzte Wort

Gerade erst haben Ronald und Roswitha Andersen ein 18 Monate altes Mädchen im Auftrag des Jugendamtes in Obhut genommen. Und das in einem Alter, in dem Großeltern ihren erwachsenen Enkeln zum Führerschein gratulieren. „Ein Antrieb ist der christliche Glaube, aber auch die beglückende Erfahrung, dass Kinder etwas zurückgeben“, findet Ronald Andersen. Über seine Bewerbung als Jugendschöffe muss erst noch entschieden werden. Und zwar mit einer Abstimmung im Jugendhilfeausschuss. Das letzte Wort über die Bewerberliste hat am Ende das Amtsgericht. Doch die Chancen, dass der Damsdorfer seiner „Bürgerpflicht“ als Ehrenamtler treu bleiben kann, stehen gut. Das hat nicht nur mit dem tadellosen Leumund zu tun. Für die Amtsgerichtsbereiche Brandenburg und Potsdam fehlen immer noch jeweils 30 Jugendschöffen.

Von Frank Bürstenbinder

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