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Auf der Jagd nach virtuellen Monstern

PokémonGo in Brandenburg Auf der Jagd nach virtuellen Monstern

Am Rosenbrunnen, am Aufgang zum Brandenburger Marienberg, ist seit vier Wochen jeden Abend was los. Stundenlang sitzen, liegen und stehen junge Menschen um den Brunnen herum und starren auf ihre Smartphones. Das Pokémon-Go-Fieber hat die Havelstadt längst erreicht. Die Menschen treffen sich, um kleine, virtuelle Monster zu jagen – an ganz realen Orten.

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Brandenburger Pokémonspieler mit ihren Smartphones.
 

Quelle: Annika Jensen

Brandenburg/H.  Am Rosenbrunnen, gleich am Aufgang zum Brandenburger Marienberg, ist seit etwa vier Wochen jeden Abend etwas los. Stundenlang sitzen, liegen und stehen junge Menschen um den Brunnen herum und starren auf ihre Smartphones. Das Pokémon-Go-Fieber hat die Havelstadt längst erreicht. Die Menschen treffen sich, um kleine, virtuelle Monster zu jagen – an ganz realen Orten. Per GPS und Handyortung gelangt die Karte ihrer Umgebung auf ihr Handy und los geht’s mit der Jagd. Sie können sich an Pokémonstops und in Arenen aufhalten. Der Platz an den Bismarck-Terrassen ist allabendlicher Pokémontreff.

Viele Spieler sind zwischen 20 und 30 Jahren alt. Für sie ist Pokémon Go wie eine Reise in ihre Kindheit. „Ich bin mit Pokémon aufgewachsen“, sagt der 24-jährige Dennis Beierke. 1996 war das Gameboy-Spiel veröffentlicht worden und hatte Millionen von Kindern und Jugendlichen in seinen Bann gezogen. „Ich habe das Spiel auf dem Gameboy gespielt, die Serien geguckt und die Karten gesammelt. Es ist eine absolute Kindheitserinnerung.“

Der Krankenpfleger ist mit einer Freundin gekommen. Auch sie sitzt mit dem Smartphone in der Hand auf der Bank. „Ich habe Pokémon gehasst als ich klein war. Konnte überhaupt nichts damit anfangen“, erzählt Angelique Kostic (20). Als allerdings ihr Partner das neue Spiel auf dem Handy hatte, wurde sie doch neugierig. „Ich habe angefangen zu spielen und es sehr schnell auf mein eigenes Handy geladen. Seitdem bin ich süchtig“, sagt sie und schmunzelt. Die frischgebackene Mutter gehe aber verantwortungsbewusst mit dem Spiel um. „Ich bin nur zwei oder drei Mal in der Woche hier. Aber mit meinem Kind bin ich häufig ohnehin draußen.“

Begeistert erklären die Spieler, wie es funktioniert und zeigen dazu auf ihren Handybildschirm. Dort stupsen, tippen und wischen sie wild umher. Das Fangen ist offenbar gar nicht so einfach.

Das ist Pokémon Go

Pokémon Go ist ein Spiel für Smartphones und Tabletcomputer.

Das Spiel nutzt eine Spielumgebung auf dem Prinzip der so genannten erweiterten Realität.

Mittels GPS und Mobilfunkortung werden die Standortdaten des Spielers ermittelt und auf eine virtuelle Landkarte positioniert.

Wahrzeichen , Sehenswürdigkeiten und auffällige Objekte der materiellen Welt nutzt Pokémon Go zur Gestaltung einer virtuellen Spielwelt.

In den Arenen können sie dann, wenn sie durch die Jagd genug gesammelt haben, gegeneinander antreten – in gelben, roten und blauen Teams. Sie brauchen für ihr stundenlanges Spiel viel Strom. Viele Spieler haben drei bis vier Extraakkus dabei, damit sie ihrem Spielvergnügen ungestört frönen können. Lachend deuten sie auf ihre Ladestationen. Manchmal erscheint es ihnen offenbar doch absurd. Und dennoch: Sie haben Spaß, kommen mit Menschen zusammen und an die frische Luft.

Die Spieler merken auch, dass sie ihre Stadt, in der sie aufgewachsen sind, plötzlich in einer ganz anderen Perspektive sehen. Sie erzählen, dass sie durch das Spiel Orte in Brandenburg sehen, die sie zuvor nie aufgesucht hätten.

Neben Dennis Beierke und Angelique Kostic sitzt eine junge Frau. Auch sie tippt wie in Trance auf ihrem Smartphone. Sie kennt die beiden nicht und doch entsteht schnell ein Gespräch. „Wir unterhalten uns darüber, welche Pokémon man gefangen hat und in welchem Team man ist“, sagt Laura Schulze. Die 20-jährige Einzelhandelskauffrau aus Gelsenkirchen ist an diesem Abend erst das zweite Mal dabei. „Zu Hause spiele ich aber jeden Tag“, sagt sie und lacht. „Das ist ein schöner Nebeneffekt, wenn man ein Spiel mit erweiterter Realität spielt: man lernt Leute kennen.“

Und ihre Daten? Haben sie keine Angst, dass sie vollkommen ungeschützt freigegeben werden? Tatsächlich reichte der Bundesverband der Verbraucherzentrale eine Abmahnung gegen Niantic ein, den US-amerikanischen Entwickler des Spiels. Nach Meinung der Verbraucherschützer verstoßen insgesamt 15 Klauseln in den Datenschutz- und Nutzungsbedingungen gegen deutsches Recht. „Ich habe da überhaupt keine Bedenken“, sagt Dennis Beierke. Er wolle sich den Spielspaß nicht verderben lassen. „Ich habe keine Angst um meine Daten. Ich vertraue darauf, dass sie nicht an Dritte weitergegeben werden“, sagt er und richtet seinen Blick wieder auf den kleinen Bildschirm in seinen Händen.

Von Annika Jensen

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