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Auf einen Schlag 300 Einwohner mehr

Netzen: Eigenheime statt Datschen Auf einen Schlag 300 Einwohner mehr

Eigenheime statt Datschen: So könnte die Zukunft des Naherholungsgebietes am Netzener See einmal aussehen. Die Weichen dafür hat die Gemeinde Kloster Lehnin gestellt. Weite Teile des Areals werden mit einem Bebauungsplan überzogen. Das Projekt löst nicht nur Jubel aus.

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Der Netzener See mit Wald und Badestrand ist seit Jahrzehnten ein bekanntes Naherholungsgebiet.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Netzen. Schöner Wohnen am Netzener See. Nicht nur den Sommer über oder an den Wochenenden. Sondern dauerhaft. So schwebt es der Gemeinde Kloster Lehnin vor. Die Kommune will deshalb das vor 50 Jahren entstandene Naherholungsgebiet „Am See“ in ein allgemeines Wohngebiet umwandeln. Sollte dieser planerische und genehmigungsbürokratische Kraftakt gelingen, würden etwa 120 Wochenendgrundstücke zu Bauland werden. Weitere Folge wäre ein vorsichtig geschätzter Zuwachs von rund 300 dauerhaft in Netzen und damit in Kloster Lehnin lebenden Einwohnern.

Die Weichen für eine Umwidmung des weitläufigen Datschenareals haben die Gemeindevertreter in dieser Woche gestellt. Sie beschlossen die Aufstellung eines Bebauungsplans „Am See“. Nur die Mitglieder der Fraktion Die Linke/Bürgernähe enthielten sich der Stimme. Für den Bauausschussvorsitzenden Manfred Meske ist das Ja zum B-Plan die logische Konsequenz aus vorhergehenden Beschlüssen; nämlich die Neuausweisung von Bauland und die Stärkung der Einwohnerzahl voranzutreiben. Auch Bürgermeister Bernd Kreykenbohm drückt auf die Tube: „Wir sollten die Sache jetzt angehen, bevor weitere gesetzliche Einschränkungen auf die Kommune zukommen.“ Harry Grunert von der CDU-Fraktion verwies auf den jüngsten Demografiebericht des Landkreises. „Das Areal am Netzener See ist ein lukrativer Standort. Wenn wir dort die Entwicklung verpassen, geht die Zukunft an uns vorbei.“

Wohnen auf Dauer

Für das Erholungsgebiet „Am Netzener See“ besteht seit dem Jahr 2003 eine Entwicklungs- und Ergänzungssatzung, die den Bereich als Innenbereich mit der Zweckbindung „Wochenendhausgebiet“ festsetzt. Die Satzung wurde 2012 angepasst, um die Erschließungswege planerisch zu sichern.

Problematisch sind immer wieder die Diskrepanzen zwischen Melderecht und Baurecht. Die Anmeldung eines Hauptwohnsitzes beim Einwohnermeldeamt bedeutet nicht, dass ein ständiges Wohnen im Bungalow rechtmäßig ist. Mit der Überplanung will die Kommune ein verlässliches Dauerwohnrecht für alle Eigentümer erreichen.

In Netzen selbst wird diese Euphorie nur bedingt geteilt. Der Ortsbeirat lehnt die großflächige Überplanung des Naherholungsgebietes ab. Ortsvorsteherin Doris Triebsch sieht in Lückenbebauungen oder dem Ausbau der ehemaligen Schule andere Potenziale, um Wohnraum zu schaffen. Der Ortsbeirat hatte die abgespeckte Variante eines B-Plans empfohlen. Und zwar ausschließlich für das frühere Leuna -Ferienobjekt am Lerchenweg. Dort gibt es 16 privatisierte Bungalows samt Nebenanlagen. Die meisten Datschen wurden zu illegalen Wohnsitzen umfunktioniert. 16 mit Hauptwohnsitz angemeldete Bewohner sind aktuell von Nutzungsuntersagungen durch die Bauaufsicht des Landkreises betroffen.

Der Netzener See ist durch seine Badestelle, das Hotel und die vielen Bungalows bekannt

Der Netzener See ist durch seine Badestelle, das Hotel und die vielen Bungalows bekannt.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Verwaltung hält es jedoch für sinnvoller den Geltungsbereich des Bebauungsplans größer zu fassen. „Dadurch würde verdeutlicht, dass die Gemeinde ein größeres städtebauliches Entwicklungsziel verfolgt und nicht nur eine Schadensbegrenzung betreiben will“, heißt es in der Beschlussvorlage, der sich die große Mehrheit der Gemeindevertreter entgegen der Empfehlung des Netzener Ortsbeirates anschloss. Deshalb fallen auch die Bereiche Am See, Drosselweg und Finkenweg unter die Beplanung.

Das ehemalige Leuna-Ferienobjekt mit seinen privatisierten Bungalows im Lerchenweg

Das ehemalige Leuna-Ferienobjekt mit seinen privatisierten Bungalows im Lerchenweg.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Skeptisch sieht Klaus-Peter Patzwald die Zukunftspläne der Gemeinde. Der Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft Ost vertritt 61 Bungalowbesitzer:„Die Hälfte davon ist im Rentenalter, die Jüngeren arbeiten irgendwo außerhalb. Ich sehe keine Mehrheit, die auf ihren Erholungsgrundstücken tatsächlich bauen und dauerhaft wohnen will.“ Unsicherheit bei den Bungalowbesitzern herrscht vor allem über die Last der künftigen Kosten. Der Bereich ist nicht an das zentrale Trink- und Abwassernetz angeschlossen, die Straßen sind schmal. Thema dürften die Planungsabsichten der Gemeinde bei der Mitgliederversammlung der Siedlungsgemeinschaft am 12. Juni sein.

Von Frank Bürstenbinder

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