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Brandenburg/Havel Aufklärung in neuem Tempel
Lokales Brandenburg/Havel Aufklärung in neuem Tempel
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19:15 19.03.2018
Hans-Günther Fischer mit dem 140 Jahre alten Leuchter. Quelle: André Wirsing
Brandenburg/H

Das traf sich gut, dass der aktuelle Meister vom Stuhl, Achim Lengler, gerade eine kleine Villa in der Bauhofstraße 4 erworben hat: Ein neues Zuhause hat die Brandenburger Freimaurerloge „Friedrich zur Tugend“ so gefunden. Ende vorigen Jahres musste sie nach 14 Jahren in der Kirchhofstraße ihr angestammtes Domizil verlassen, weil der Arbeiter-Samariter-Bund das Gebäude verkauft hat.

Nun gibt es im Erdgeschoss des neuen Heimes einen Versammlungsraum und einen liebevoll eingerichteten Tempel auf insgesamt 100 Quadratmetern, im Keller einen so genannten dunklen Raum für die Aufnahmerituale.

Seit ihrer Wiederzulassung 1993 nach 60 Jahren Zwangspause hat der Johannisloge der Freimaurer „Friedrich zur Tugend“ ständig wechselnde Tempel- und Versammlungsorte gehabt. Jetzt soll es dauerhaft sein – in einer sanierten Villa in der Bauhofstraße 4.

Auch der Versammlungsraum ist bereits dekoriert, ein Hingucker ist ein geschnitztes Büffet, ein Geschenk von Berol Kaiser-Reka. „Er hat uns vor Urzeiten mal eine kleine Orgel geschenkt, doch konnte niemand von uns darauf spielen. Wir haben dann vorgeschlagen, das Instrument für die historische Sammlung des Musikschulleiters Markus Angelstein herzugeben. Darüber war er glücklich“, erzählt Hans-Günther Fischer, selbst ein Altmeister und heute Öffentlichkeitsdarbeiter der Johannesloge, deren Schutzpatron der Täufer ist.

Die obligatorische Büste von Friedrich II. darf natürlich nicht fehlen und ebenfalls aus Porzellan die drei stilisierten Weltkugeln, die vom Bande der Brüderlichkeit zusammengehalten werden. „Friedrich zur Tugend“ ist eine der Tochterlogen der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin.

Das Patent für die Loge ist ebenso ausgestellt wie ein silberner Kerzenleuchter – ein Geschenk an die Loge zu deren 100. Geburtstag 1879. Da begann die Blütezeit der Brandenburger Loge, im Jahr 1933 gab es zur Zwangsauflösung bereits 180 Mitglieder.

Ständig wechselnde Tempelorte

Erstmalig Licht eingebracht wurde in die Johannisloge „Friedrich zur Tugend“ in Brandenburg an der Havel im Jahr 1779.

Seit 1819 war das Domizil in der Neustädtischen Heidestraße, heute Caritas-Generationshaus.

1933 wurden die Logen aufgelöst, in Brandenburg gab es danach die erste Lichteinbringung im Jahr 1993.

Zunächst gab es wechselnde Domizile – im Altstädtischen Rathaus, in Wohnungen oder im Fontaneklub. Der Tempel musste jedes Mal neu aufgebaut werden.

Ab Dezember 2003 bis Ende 2017 gab es einen Versammlungsort in der Kirchhofstraße.

Jetzt sind es zwischenzeitlich nur noch 17, weil einige Mitglieder verstorben sind. Allerdings stehen auch schon wieder drei „Suchende“ kurz vor ihrer Aufnahme in den elitären Kreis, der nach wie vor nur Männern vorbehalten ist, und der sich den fünf Grundidealen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität verschrieben hat. Ihr Grundprinzip: Durch ständige Arbeit an sich selbst gelangt man zu einem menschlicheren Verhalten. Dazu zählen naturwissenschaftliche, musische und humanistische Bildung. So will Fischer beispielsweise interne Vortragsreihen zu Bildender Kunst oder zu Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ organisieren, die sagenumrankt ob irgendwelcher freimaurerischer Codes seit eh und je ist. Geheimnisumwoben scheint die Freimaurerarbeit, die eigentlich aus der klassischen Aufklärung rührt, wegen ihrer Rituale und wegen des Grundsatzes, über die Arbeit der Loge nach außen nicht zu sprechen. Gleichwohl gibt es in Zeiten des Internets genug Wissen über die vermeintlichen „Geheimrituale“.

Der Tempel dient weniger der Religionsausübung, vielmehr ist es ein Ort, in dem in so genannter Tempelarbeit beispielsweise Vorträge gehalten werden, im Raum herrscht eine eher meditative Atmosphäre. Den offenen Gedankenaustausch pflegen die Logenbrüder meist in der anschließenden Tafelloge.

Dennoch erscheint der Tempel wie ein mystischer Ort. An der Decke leuchten in einer Himmelsscheibe 240 kleine Dioden – Torsten Hiller hat in akribischer Kleinarbeit die Sternenkonstellation an jedem 24. Juni auf der nördlichen Halbkugel dargestellt – das ist der Johannistag, der Ehrentag des Schutzheiligen. Überall im Tempel sind die freimaurerischen Symbole Winkel und Zirkel zu finden – die besten Beispiele für die Weltzugewandtheit der Freimaurer, die ansonsten augenscheinlich immer noch mit dem Nimbus des Sagenhaften und Geheimnisvollen spielen. Das können sie noch lange tun – Lengler hat ihnen ein beglaubigtes wie dauerhaftes Nutzungsrecht eingeräumt.

Von André Wirsing

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