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So schön klingt die Steinzeit

Brandenburg an der Havel So schön klingt die Steinzeit

Wie klingt die Steinzeit? Dies kann man ab dem 18. Januar im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg erfahren – in der bundesweit einzigartigen Ausstellung „Archaeomusica“. Aus 40.000 Jahren europäischer Musikgeschichte sind zahlreiche Instrumente zu sehen und auszuprobieren.

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Ein faszinierendes Instrument: Vorführung einer Aulos (Doppelschalmei) in der Archaeomusica in Ljubljana im Sommer 2017.

Quelle: Landesmuseum Brandenburg

Brandenburg/H. Musik bestimmt unser Leben. Nahezu überall ist Musik. Wie war das vor 40000 Jahren? In der vermeintlichen finsteren Vorzeit? Dank archäologischer Feinarbeit wissen wir, dass es Instrumente gab – Hörner, Flöten, Saiteninstrumente, Trommeln, Rasseln. An vielen Orten auf der Welt haben die Fachleute Instrumente, meist Fragmente, entdeckt und konserviert. Doch wie klangen sie? Das kann man ab kommender Woche im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel erleben. Am 18. Januar öffnet die „Archaeomusica – 40.000 Jahre Musikgeschichte Europas“.

Ein Teil der Schau wandert durch Europa, startete im Sommer 2016 in Ystad (Schweden), war in Spanien, Slowenien und zuletzt in Rom zu sehen und kommt nun nach Deutschland. Brandenburg an der Havel ist der fünfte und letzte Ausstellungsort. Über mehrere Jahre und mit Förderung der Europäischen Union haben Fachleute anhand der Funde verschiedene Instrumente rekonstruiert. „Das war unglaublich spannend“, sagt Arnd Adje Both. Der Berliner Musikarchäologe ist Kurator der Ausstellung.

Goldenes Horn aus Schweden

Goldenes Horn aus Schweden

Quelle: Landesmuseum Brandenburg

Wie die Instrumente klingen, können die Besucher der „Archaeomusica“ jetzt mit eigenen Ohren hören. „Ausgewählte Repliken dürfen die Besucher auch berühren und ausprobieren“, kündigt Michael Schneider, Pressesprecher des Landesmuseums, an. Bei Sonderführungen und Veranstaltungen werden einige dieser Exponate von Fachleuten gespielt.

Aus diesen frühen Abschnitten der Menschheitsgeschichte haben sich fast nur Materialien wie Knochen, Muscheln, Zähne oder Geweihteile erhalten, aus denen eine Vielzahl von Instrumenten gefertigt wurde. Neben den Flügelknochen von Vögeln oder Mammutstoßzähnen, die sich hervorragend zum Fertigen von Flöten und anderen Blasinstrumenten eigneten, nutzte man Zähne, Muscheln und Geweihe für die Herstellung von Rasseln und Raspeln. In der Jungsteinzeit kamen Schneckenhörner und vor allem tönerne Instrumente wie Hörner, Trommeln, Rasseln und Flöten in Gebrauch.

Soundgate - Vorführung von Cornyx-Hörner aus der Keltenzeit

Soundgate - Vorführung von Cornyx-Hörner aus der Keltenzeit

Quelle: Landesmuseum Brandenburg

Über die Musik, davon ist Kurator Both überzeugt, erreiche die Archäologie ein sehr breites Publikum. „Musik hören alle Leute.“ Auch deshalb sei es wichtig, den Besuchern die Möglichkeit zu geben, anhand der rekonstruierten Stücke die Urgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.

Fast drei Jahre haben die Experten aus Europa die originalen Funde untersucht, nach Rekonstruktionstechniken gesucht und die Instrumente schließlich nachgebaut. „Das Coole ist: Die Instrumente sind spielbar“, schwärmt Both. In der Ausstellung gebe es 500 spielbare Exponate.

Als Zugabe zur europäischen Wanderausstellung steuert das Landesmuseum ein Bonbon bei: In 15 Vitrinen kann der Besucher über 70, in Deutschland gefundene Musikinstrumente bestaunen. Auch ausgewählte Artefakte aus der Dauerausstellung des Archäologischen Landesmuseums Brandenburg werden in dieser Schau zu sehen sein. Von den 43 Stücken, die noch in der Dauerausstellung des Landesmuseums zu finden sind, wandert etwa die Hälfte in diese Sonderschau, erläutert Michael Schneider.

Restaurator Thomas Mattern vor dem Fragment eines Pilgerhorns aus Keramik, gefunden in Jüterbog

Restaurator Thomas Mattern vor dem Fragment eines Pilgerhorns aus Keramik, gefunden in Jüterbog

Quelle: Heiko Hesse

Die Instrumente in der Zusatzausstellung stammen aus der Mittleren Steinzeit und belegen, dass man bereits vor mehr als 7000 Jahren nördlich der Alpen mit Schwirrhölzern und Schneckenhäusern Geräusche und Klänge zu erzeugen wusste. Tönerne Rasseln und Trommeln aus der Jungsteinzeit, imposante Hörner und formschöne Rasselbleche aus der Bronzezeit oder die ältesten bekannten Exemplare einer Holzblockflöte und einer Leier nördlich der Alpen gehören dazu. Neun Bundesländer haben Exponate dazu gegeben.

Was Both überdies begeistert, ist eine wesentliche Erkenntnis der jahrelangen Forschung an den Instrumenten. „Griechen, Etrusker und Kelten waren drei sehr eigenständige Kulturen. Ihre Musik und die Instrumente zeigen jedoch, dass sie in einem ganz intensiven Austausch gestanden haben.“ Über die Musik standen diese unterschiedlichen Kulturen Europas in Verbindung.

Zu den Bonbons der „Archaeomusica“ gehört die „European Whistle Map“. Diese Installation zeigt die Bandbreite traditioneller Tonpfeifen, die heutzutage in allen Teilen Europas gefertigt werden und deren Vorgänger bis zu 9000 Jahre alt sein können. Im „Soundgate“, einer halbkreisförmigen Projektionswand, kann der Besucher in vergangene Klangwelten und Landschaften eintauchen.

Von Heiko Hesse

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