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Brandenburg/Havel Paulikloster: Ausstellung zur Backsteingotik eröffnet
Lokales Brandenburg/Havel Paulikloster: Ausstellung zur Backsteingotik eröffnet
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17:32 08.02.2019
Kurator Dirk Schumann führte durch die Ausstellung zur spätgotischen Backsteinarchitektur. Quelle: Christine Lummert
Brandenburg/H

„Die ganze Ausstellung ist ein bisschen, wie Eulen nach Athen zu tragen“, sagte Dirk Schumann mit einem kleinen Schuss Ironie. Der Kurator der Foto-Ausstellung „Innovation und Tradition“, die jetzt im Archäologischen Landesmuseum gestartet ist und sich mit der spätgotischen Backsteinarchitektur des Baumeisters Hinrich Brunsbergs befasst, meinte damit nicht nur den besonderen Rahmen der Ausstellungsräume im Paulikloster.

Überall Backstein, wohin die über 50 Besucher der Vernissage den Blick auch wendeten. Noch mehr prunkvolle Backsteinarchitektur gibt es wenige hundert Meter vom Ort der Schau entfernt. Mit der Katharinenkirche und dem Mühlentorturm finden sich Wahrzeichen der Stadt zudem an prominenter Stelle in der Ausstellung wieder.

Baumeister Brunsberg an Katharinenkirche verewigt

Eine Inschrift an der Nordkapelle der Katharinenkirche nennt Hinrich Brunsberg (um 1350 bis nach 1428), einen der wenigen namentlich bekannten Baumeister der Backsteingotik im südlichen Ostseeraum, als den Architekten des Kirchenbaus und schafft den Anknüpfungspunkt für die Ausstellung, die sich mit seinen Bauwerken befasst.

Direkt aus dem Paulikloster stammt das Blendmaßwerk, das einst im Innenraum verbaut war. Quelle: Christine Lummert

Brunsberg stammt aus dem Ostseeraum, hat in Danzig und Stettin gelebt und nicht nur dort mit verschiedenen Kirchen- und Rathausbauten viele Spuren in Stein hinterlassen. Seine spätgotische Backsteinarchitektur, die sich besonders durch aufwendige Dekorgestaltungen an den Fassaden auszeichnet, fußt auf den Backsteinbauten, die wiederum zuerst in der Mark Brandenburg auftauchten.

Architektonische Migration

Hinrich Brunsberg ist quasi Teil einer architektonischen Migrationsbewegung. „Im 12. Jahrhundert sind die ersten herrschaftlichen Stiftungen der Askanier in der Mark in Backstein ausgeführt worden“, erklärte Dirk Schumann. Die Klosterbauten in Lehnin und später in Chorin sind Beispiele. „Das Rot der Backsteine als Symbolfarbe der Herrschaft hat den Askaniern wohl gefallen“, meinte der Kurator.

Abgeschaut haben sie sich diese Art zu Bauen in Oberitalien. „Die große Innovation liegt in der Standardisierung der Ziegel“, sagte Schumann. Mit dem Aussterben der askanischen Linie brachen für die spezialisierten Bauleute aber die Auftraggeber weg und so wandern sie weiter nach Osten, in das Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens. Im Ostseeraum entwickelt sich die Backsteinarchitektur weiter. „Und auf einem technisch höheren Level kommt diese Architektur mit Brunsberg dann wieder zurück in die Mark Brandenburg und zeigt sich etwa in der Katharinenkirche“, sagte der Kurator.

Prunkvolle Verzierungen sind stilprägend

Beeindruckend sei vor allem der relativ kurze Zeitraum, in dem das Gotteshaus, dank der neuen Bautechniken, errichtet werden konnte. Untersuchungen haben gezeigt, dass die damaligen Bauexperten nur etwa 20 Jahre für den großartigen Neubau gebraucht haben. Und dass trotz all der prunkvollen Verzierungen an der Fassade, die stilprägend für den Baumeister sind.

Die verzierten Formsteine sorgten für die prächtige Ausgestaltung der Backsteinarchitektur. Quelle: Christine Lummert

Zur Blütephase dieser spätgotischen Backsteinarchitektur unter Brunsberg gehören auch die Marienkirche in Stargard, Rathaus und Jakobikirche in Stettin sowie die Marienkirche und der Schwedter Torturm in Königsberg in der Neumark, heute Chojna. Zum Konzept der Ausstellung gehört deshalb auch die deutsch-polnische Zweisprachigkeit, mit der alle Fototafeln beschrieben sind. Die Schau ist somit vergleichbar mit dem Thema und seinem Hauptdarsteller auf Migration ausgelegt.

Heilige Katharina als Tonskulptur

Klaus Haake, der Vizepräsident der Brandenburger Ingenieurskammer zeigte sich auf der Vernissage begeistert. „Es ist hervorragend, dass auch mal die Vorfahren von Schinkel und Knobelsdorff genannt und mit ihrem Werk gezeigt werden.“ Als Zugabe für die Brandenburger Ausstellung sind zudem die originalen Tonskulpturen der Heiligen Katahrina und Amalberga zu sehen, die einst Nischen in der Außenfassade der Katharinenkirche schmückten. „Da Skulpturen aus Ton sich nicht sehr wetterbeständig zeigen, sind das die beiden einzigen erhaltenen Backsteinfiguren aus den den Bauten von Hinrich Bunsberg“, erklärte Kurator Schumann.

Die Ausstellung ist im Archäologischen Landesmuseum noch bis zum 28. April, täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Von Christine Lummert

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