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Badesicherheit im Mini-Format

Die Stadt Brandenburg tut wenig für Sicherheit am Strand Badesicherheit im Mini-Format

Der Brandenburger Stadtverwaltung fällt wenig ein, die Sicherheit an den städtischen Badestellen zu erhöhen. Drei kleine Veränderungen will sie in Folge des tödlichen Badeunfalls im August 2014 und der jüngsten Tragödie vor Wochenfrist umsetzen. Ausführlicher ist die Liste von Dingen, die sie für nicht sinnvoll, machbar oder bezahlbar hält.

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Die Wasserretter helfen mit Bojen und Rettungsringen. Zumindest damit sollen die großen Strände der Stadt künftig ausgestattet sein.

Quelle: J. Steiner

Brandenburg an der Havel. Das 25-Seiten-Papier zur Badesicherheit, das Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) nach neun Monaten Bearbeitung ans Licht der Stadtverordnetenwelt bringt, beginnt mit einem Schwindel. Er behauptet, die SVV habe die Verwaltung beauftragt, die Betreibung öffentlicher Freibadestellen und deren Sicherheit zu analysieren.

Dabei lautete der Auftrag im August 2014, „ein Maßnahmenpaket“ vorzuschlagen, wie die Badesicherheit erhöht und das Schwimmvermögen besonders von Kindern verbessert werden kann. Die Verwaltung erfüllt seitenlang die selbst gestellte Aufgabe der Analyse.

Heraus kommt am Ende ein Maßnahmepäckchen:

1. Jede öffentliche Badestelle soll ein – nicht näher definiertes – Rettungsgerät als Erstausstattung bekommen.
2. Am Strand soll eine „Anlageordnung“ angebracht werden mit Piktogrammen und Hinweisen zum Verhalten in Notfällen.
3. Tonnen sollen den Badebereich so markieren, dass Sportboote dort nicht hineinfahren.

Aus der Vorlage herauszulesen sind mögliche Veränderungen, auf die die Verwaltung aber offenbar zu verzichten gedenkt:

1. „Die Besetzung von öffentlichen Badestellen mit Rettungskräften ist aus derzeitiger Sicht nicht zwingend notwendig und auch nicht zu leisten.“
2. Das Jobcenter kann nichts dafür tun, dass die Stadt mehr Rettungsschwimmer bekommt.
3. Den DLRG-Vorschlag, interessierte Bürger zu Rettungsschwimmern auszubilden, greift die Verwaltung nicht auf.
4. Das DLRG-Konzept der Ausbildung und das vorgeschlagene Pilotobjekt referiert die Verwaltung in Teilen, greift es aber nicht weiter auf.
5. Das Angebot des SV 2000, einen Sportfachmann auszubilden und in den Sommermonaten an einer Badestelle zu beschäftigen, wird erwähnt, aber als Idee nicht weiter verfolgt.
6. Über das Erreichte hinausgehende Ideen zu Schwimmkursen trägt die Verwaltung nicht vor.
7. Den Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich mit einer Bojenkette abzutrennen hält die Verwaltung für nicht erforderlich.

Keine wirkliche Auseinandersetzung mit Vorschlägen

Was die Verwaltung mit dem SPD-Antrag zur Badestellensicherheit angestellt hat, nennt die Autorin Nicole Näther (SPD) eine „Verhohnepipelung“. Sie sagt: „Mit dieser Fleißarbeit weiß ich nun um die Geschichte der Freibadestellen und auf welchem Flurstück sie sich befinden, aber leider nicht, wie man schneller und besser Leben retten kann.“

Viel Papier, ein Sturm im Wasserglas, aber mit Ausnahme des angekündigten Rettungsgerätes keine wirkliche Verbesserung, so Nicole Näthers Fazit. Sie vermisst eine wirkliche Auseinandersetzung der Verwaltung mit den Vorschlägen der sachkundigen Vereine. Immerhin sind diese bei allen Badeunfällen vor Ort im Einsatz und kennen ihr Revier in- und auswendig.

Interview

Ivonne Hofmeister, Geschäftsführerin der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Brandenburg an der Havel, fordert von der Stadt mehr echten Willen beim Thema Wasserrettung.

MAZ: Wie sähe ihre Idealvorstellung bei der Absicherung städtischer Badestellen aus?
Ivonne Hofmeister: Eigentlich gehört jeder gut besuchte Strand in der Stadt in den Sommermonaten permanent überwacht. Diese Vorstellung ist aber wohl utopisch, das haben wir leider schon nach dem schlimmen Badeunfall im letzten Jahr feststellen müssen.
Welche Alternativen gibt es?
Hofmeister: Sinnvoll wäre die Ausstattung der meist frequentierten Strände – Grillendamm, Regattastrecke, Malge und Autobahnsee – mit automatisierten Defibrillatoren (AED). Die sind auch für Laienhelfer geeignet. Wir sind aber schon froh, wenn die Stadt den Badestellen künftig Rettungsbojen und -ringe gönnt sowie eine ordentliche Beschilderung mit Verhaltensweisen im Notfall und wichtigen Telefonnummern.

Ihre personellen Ressourcen lassen eine Strand-Überwachung durch die DLRG nicht zu?
Hofmeister: Nein, das können wir Ehrenamtler beim besten Willen nicht leisten, da braucht es den Willen der Verwaltung. Wir sind die Wasserrettung, haben zwölf Pieper, die uns über Unfälle informieren. Dann eilen wir dort hin und helfen – gern, leidenschaftlich und im Rahmen unserer Möglichkeiten. Mehr geht einfach nicht. Ich werde das in der Einwohnerfragestunde der nächsten Stadtverordnetenversammlung auch noch mal deutlich machen.
Sind bereits kurzfristige Reaktionen auf das Unglück in der vergangenen Woche spürbar?
Hofmeister: Ja, die Menschen sind durch den Unfall noch mal sensibilisiert worden. Die Zahl der Anmeldungen für unsere Kinderschwimmkurse ist in den letzten Tagen merklich gestiegen. pri

Von Jürgen Lauterbach und Philip Rißling

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