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Brandenburg/Havel Bäckerei ist letzter Handwerksbetrieb in Rädel
Lokales Brandenburg/Havel Bäckerei ist letzter Handwerksbetrieb in Rädel
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20:15 08.06.2016
Zwei Generationen: Lutz (l.) und Walter Kirstein Quelle: Christine Lummert
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Rädel

Während sich andere Menschen des Nachts gemütlich in ihren Betten drehen, geht bei Familie Kirstein das Licht wieder an. Seit 1878 wird an gleicher Stelle im Rädeler Bäckerweg gerührt, geknetet und gebacken. „Wir sind mit meinem Sohn Lutz jetzt in der fünften Generation angekommen, und feiern in zwei Jahren das 140. Geschäftsjubiläum“, sagt Walter Kirstein, der längst in Rente sein könnte und trotzdem immer noch jeden Tag in der Backstube steht.

Auf alten Fotos ist zu sehen, das zu Kaisers Wilhelms Zeiten nicht nur Brot und Kuchen in Rädel über die Verkaufstheke gingen. Damals stand auf dem Schild über der Ladentür noch Bäckerei & Kolonialwaren. „Für die Kunden, die es nicht mehr in die Supermärkte schaffen, haben wir auch heute noch eine kleine Auswahl an Waren im Angebot, die mit dem Bäckergeschäft eigentlich nichts zu tun haben“, sagt Walter Kirstein.

Während der Laden am Stammsitz in Rädel, an dem die gesamte Produktion beheimatet ist, noch alten Charme versprüht, sind die im Laufe der Jahre dazugekommenen Filialen in Werder, Groß Kreutz und Lehnin auf die neuen Kundenwünsche ausgerichtet.

„Um nach der Wende erfolgreich zu sein, musste man die Ärmel hochkrempeln und neue Ideen entwickeln“, erinnert sich Walter Kirstein, der das Geschäft 2004 in die Hände seines Sohnes Lutz und dessen Frau Stephanie übergab. Unter der Regie des Seniors entstand schon 1990 eine Filiale in Werder und 2001 kam der Standort in Lehnin dazu. Lutz Kirstein hat das Filialnetz dann noch einmal mit zusätzlichen Geschäften in Werder und Groß Kreutz erweitert. Vor allem die gemütlichen Cafés, in denen die Gäste entspannt frühstücken oder ihre Kaffeezeit genießen können, haben sich als erfolgreiche Geschäftsidee herausgestellt. „Wir sind außerdem mit zwei Bäckerwagen auch auf den Wochenmärkten in Brandenburg und Bad Belzig unterwegs und drehen auch die Runden über viele kleine Dörfer“, sagt Lutz Kirstein.

Für den Erfolg der Bäckerei Kirstein, die noch als einziger Handwerksbetrieb in Rädel verblieben ist, arbeiten insgesamt über 50 Mitarbeiter. „Allein in der Backstube sind wir jeden Tag mit zehn Leuten bei der Arbeit, um bis zu 5000 Brötchen zu produzieren und jedem unserer Cafés an die 20 verschiedenen Torten anbieten zu können“, erklärt Kirstein, der inzwischen Schwierigkeiten geeignete Lehrlinge für eine Ausbildung in seinem Betrieb zu finden.

Obwohl viele Stammkunden für den leckeren Hefekuchen und das duftende Brot immer wieder kommen, darf Kirstein auch in der Backstube keinen Trend verpassen. „Inzwischen arbeiten wir viel mit nicht alltäglichen Zutaten, wie Dinkel, Kamut und Amarant und den Kunden schmeckt es.“

Von Christine Lummert

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