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Bäckermeister zittert weiter um seinen Lehrling

Wirtschaftsminister in Götz Bäckermeister zittert weiter um seinen Lehrling

Er hat einen Ausbildungsvertrag und einen Meister, der voll mit ihm zufrieden ist. Und doch: Am 3. November soll der aus Kamerun stammende Bäcker-Azubi Julio Kengne aus Götz (Potsdam-Mittelmark) abgeschoben werden. Die Handwerkskammer kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. Die Brandenburger Politik scheint machtlos.

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Wirtschaftsminister Gerber (Zweiter von rechts) besuchte am Mittwoch die Bäckerei von Heino Fischer (r.). Kammerpräsident Wüst zeigte wenig Verständnis für die drohende Abschiebung des Azubi Julio Kengne (ganz rechts).

Quelle: Rüdiger Böhme.

Götz. Die Zitterpartie um die drohende Abschiebung von Julio Aurelien Kengne (29) dauert an. Brandenburgs Wirtschaftsminister Albecht Gerber (SPD) sagte am Mittwoch bei einem Besuch in der Bäckerei von Heino Fischer in Götz: „Es gibt enge Gespräche mit allen Behörden, um für diesen Einzelfall eine rechtskonforme Lösung zu finden. Ziel sollte sein, dass Julio seine Ausbildung abschließen kann.“ Wie diese Lösung im Detail aussehen könnte, ließ der Minister offen. Auch könne er nichts versprechen, betonte Gerber.

Handwerkskammer-Präsident hat kein Verständnis für drohende Abschiebung

Das Brandenburger Wirtschaftsministerium ist nicht Herr des Verfahrens. Der Asylantrag des jungen Afrikaners wurde unlängst vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der aus Kamerun stammende Flüchtling längst seine Ausbildung zum Bäcker bei Heino Fischer begonnen – mit ausdrücklicher Genehmigung der Ausländerbehörde der Stadt Brandenburg.

Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, äußerte in Götz sein Unverständnis über die angeordnete Abschiebung des Bäcker-Lehrlings. „Wenn ein von der Ausländerbehörde genehmigter Ausbildungsvertrag nachträglich in Frage gestellt wird, ist das inakzeptabel“, so Wüst. Der Kammerpräsident befürchtet eine verheerende Signalwirkung auf andere Handwerksfirmen, die bereit sind, Flüchtlinge auszubilden oder beruflich zu qualifizieren. Julio drohe zu einem Präzedenzfall mit abschreckender Wirkung zu werden. Wüst sicherte Bäckermeister Fischer jegliche Unterstützung zu, um die Abschiebung seines Azubis doch noch abzuwenden. Darum kümmert sich auch der auf Asylrecht spezialisierte Berliner Anwalt Ralf Fischer, der eine Duldung des Lehrlings erreichen will.

Viele Bäckerkunden stehen dem Azubi bei

Julio Kengne soll am 3. November nach Mailand überführt werden, weil nach Ansicht der Behörden Italien für die Bearbeitung des Asylantrages zuständig ist. Der Kameruner hatte die italienische Küste über das Mittelmeer mit einem Schlauchboot erreicht.

Seit der Fall Julio der Öffentlichkeit bekannt wurde, ist in der Götzer Bäckerei an der Bundesstraße 1 nichts mehr wie es war. Fernsehteams belagerten am Dienstag die Backstube von Heino Fischer. „Viele unserer Kunden wollen wissen, was los ist. Sie äußern ihr Unverständnis und hoffen auf eine positive Nachricht“, berichtete seine Ehefrau Monika. Ihr Gatte Heino ist mit der Situation mehr als unglücklich: „Für uns ist Julio ein Glücksfall. Wir brauchen junge Leute für den Bäckernachwuchs. Aber darum geht es mir nicht allein. Wenn dieser junge Mann gehen muss, wird ihm zum zweiten Mal die Heimat genommen. Er verliert Freunde und eine neue Familie. Das würde mir unendlich leid tun.“

Von Frank Bürstenbinder

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