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Bahnbrechende Erfindung

Sonderführung im Domstiftsarchiv Bahnbrechende Erfindung

Papier gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten Erfindungen der Menschheit. In der antiken Welt wurden Informationen nach der Erfindung der Schrift zunächst auf anderen Materialien gespeichert – Hieroglyphen wurden in Stein gemeißelt, Keilschriften in Tontafeln geritzt und Papyrus mit Tinte beschriftet.

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Diese Bücher haben Wasser- und Schimmelschäden.

Quelle: Domstiftsarchiv

Brandenburg an der Havel. Am Donnerstag, 28. Mai, veranstaltet das Domstiftsarchiv erneut eine Sonderführung im Rahmen des 850. Domjubiläums. Thema dieser Führung ist das Medium Papier, mit dem Archivare und Bibliothekare tagtäglich umgehen.

Als Ursprung des Papiers gilt China, wo älteste Funde auf die Papierherstellung bereits um 200 vor Christus hinweisen. Über den Orient wurde das Papier im 10. Jahrhundert in Europa eingeführt und im 11./12. Jahrhundert hier auch produziert. Seit dem späten Mittelalter hat es das kostspielige Pergament als Schreibmedium zunehmend verdrängt.

Auch im elektronischen Zeitalter ist das Papier als Informationsträger unentbehrlich geblieben. Akten oder Bücher in klassischer Form haben nämlich immer noch den großen Vorteil, dass sie ohne technische Hilfsmittel lesbar sind und aller Wahrscheinlichkeit nach einige Jahrhunderte überdauern werden.

Allerdings gab es im Laufe der Zeit gravierende Veränderungen bei der Herstellung des Papiers: Ursprünglich dienten ausschließlich Lumpen als Rohmaterial für die Papierproduktion. Da sie ein begrenzter Rohstoff waren und in einem aufwändigen Prozess verarbeitet werden mussten, machten sie das Papier relativ teuer. Die Mechanisierung der Papierproduktion ab dem 13. Jahrhundert ermöglichte sowohl qualitative als auch quantitative Verbesserungen der Papierherstellung. Dies begünstigte unter anderem im 15. Jahrhundert die Entwicklung und Verbreitung des Buchdrucks. Ohne diese Innovationen wären weder die Reformation noch die vielfältigen Entwicklungen der europäischen Neuzeit denkbar gewesen.

Info

 Sonderführung zum Thema Papier im Rahmen des Domjubiläums. Am Donnerstag, 28. Mai, ab 18.30 Uhr am Eingang des Domes. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Der steigende Papierbedarf hatte Rohstoffmangel zur Folge. Auf der Suche nach Alternativen begann man in der Mitte des 19. Jahrhunderts, Holzschliff zu verwenden. Etwa zeitgleich wurden Verfahren entwickelt, Holzschliff auf chemischem Wege zu Zellulose zu verarbeiten. Durch die Verwendung dieser Rohstoffe wurde das Papier billiger, so dass unter anderem Bücher und Zeitschriften massenhaft produziert werden konnten.

Die reichen Bestände des Domstiftsarchivs an Archivalien und Büchern weisen neben zahlreichen Beispielen verschiedener Papiersorten auch Dokumente aus Pergament auf. So umfasst die Überlieferung eine Vielzahl von mittelalterlichen Urkunden, die auf Pergament verfasst wurden. Darüber hinaus werden am Dom auch drei mittelalterliche Pergamenthandschriften verwahrt, die zu den besonderen Kostbarkeiten der Buchkunst zählen. Das Evangelistar, das aus der Zeit um 1240 stammt und neben den Evangelientexten prachtvolle Miniaturen enthält, ist derzeit in der Jubiläumsausstellung des Dommuseums zu sehen.

Besonderes Kirchenbuch

Ab dem 1. Juni wird in einer Vitrine im Dom das Kirchenbuch von Großwoltersdorf bei Gransee gezeigt. Es enthält die Trauungen für die drei Orte Großwoltersdorf, Zernikow und Neulögow für die Jahre 1828 bis 1871. Da die standesamtlichen Personenregister erst 1874 eingeführt wurden, gehört es zu den unverzichtbaren Quellen für die Familienforschung. Der Band war aber (eventuell durch Kriegseinwirkung) durch einen starken Wasserschaden so sehr zerstört, dass eine Benutzung nicht mehr möglich war.
Das Kirchenbuch konnte jedoch im Jahr 2013 mit Mitteln der Evang. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz aufwändig restauriert werden. Um die Lesbarkeit der Traueintragungen nicht zu beeinträchtigen, wurden sämtliche Seiten im Papierspalt- und Anfaserverfahren bearbeitet. Der Band steht damit stellvertretend für zahlreiche Kirchenbücher, die im Domstiftsarchiv treuhänderisch verwahrt werden.

Die Führung zeigt sowohl wunderbar erhaltene Pergamente und Papiere, die inzwischen 500 Jahre überdauert haben, als auch säurehaltige Papiere jüngeren Datums, die ihrem Zerfall entgegengehen. So kann anhand von konkreten Objekten die Beschaffenheit der Papiere aus verschiedenen Jahrhunderten betrachtet werden. Auch wird das ein oder andere Stück zu sehen sein, dem Alter und Umwelteinflüsse zu schaffen gemacht haben.

Die Ursachen für den Zerfall wertvoller Quellen sind vielfältig: Mechanische Schäden am Schriftgut sind meistens verursacht durch unsachgemäßen Umgang oder unzureichende Lagerungsbedingungen. Nicht weniger abträglich ist die Einwirkung von Sonnenlicht, das gerade bei Zeitungspapier innerhalb kürzester Zeit zu einer sichtbaren Verbräunung führt. Ein sehr spezielles Schadensbild ist Tintenfraß, bei dem sich aggressive Bestandteile alter Tinten durch das Papier hindurchfressen. Nur unschön sind Stockflecken, die sich bei hoher Luftfeuchte bilden. Gefährlich sind Schimmelpilze, weil sie das Papier durch ihren Stoffwechsel zersetzen.

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