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Brandenburg/Havel Bald keine Milch mehr aus Brielow
Lokales Brandenburg/Havel Bald keine Milch mehr aus Brielow
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16:50 02.09.2016
Gerd Ullrich gehörte zu den Mitgründern der Brielower Agrar GmbH. Für die Milchproduktion in Brielow sieht der Geschäftsführer keine Zukunft mehr. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Brielow

Nach der LPG kam in Brielow die GmbH. Der unternehmerische Neubeginn ist genau 25 Jahre her. Doch zum Feiern sieht Geschäftsführer Gerhard Ullrich keinen Grund. Der Landwirt musste in dieser Woche seinen vier Melkern die Kündigung übergeben. Kein leichter Gang für einen Mann der durchhalten wollte und lange auf eine Wende am Milchmarkt hoffte. Bei Real gibt es derzeit den Liter Milch für 42 Cent. Das ist so wenig wie noch nie. Bis zu 15 000 Euro Miese im Monat macht der Betrieb wegen der ruinösen Preisentwicklung seit fast zwei Jahren. Das konnte nicht ewig so weiter gehen.

Satter Markt

Die 1984 eingeführte Milchquote lief im März 2015 aus. Seither steigt die Milchmenge bei fallenden Preisen. Der Markt ist gesättigt. Das Russland-Embargo sorgt für zusätzliche Absatzprobleme.

Die Brielower Kühe geben täglich etwa 6500 Liter Milch am Tag. Die besten Schwarzbunten schaffen es auf bis zu 12 000 Liter im Jahr. Die Milch wird in einem Tank gesammelt, der alle zwei Tage von einem Tankfahrzeug im Auftrag der Berliner Milcheinfuhrgesellschaft (B.M.G.) geleert wird.

Jetzt ziehen der Chef und die Gesellschafter die Notbremse. Die Brielower Agrar GmbH steht vor einer Zäsur. Das Unternehmen steigt aus der Milchproduktion aus. Spätestens am 30. November rollt der letzte Milchtanker im Auftrag der Berliner Milcheinfuhrgesellschaft zu den Stallanlagen in der Hauptstraße. Bis Silvester soll die letzte von rund 300 Kühen verkauft sein. Ein Teil der Tiere wird für die Zucht neue Besitzer finden. Doch für etwa 200 Holstein-Friesian-Rinder bleibt am Ende nur der Weg zum Schlachthof.

Melken lohnt sich nicht mehr. Seit Dezember 2014 zahlen die Molkereien keinen kostendeckenden Preis. Dieser müsste für die Brielower mindestens 30 Cent je Liter betragen. „Das wäre ein Preis ohne Rücklagen für Investitionen, Reparaturen und Lohnerhöhungen“, stellt Geschäftsführer Ullrich klar. Doch selbst von dieser Mindestforderung ist die jüngste Abrechnung mit knapp 22 Cent weit entfernt. Eine durchgreifende Änderung ist nicht in Sicht. Es ist immer noch viel zu viel Milch auf dem Markt.

Blick in den Brielower Melkstand. Quelle: Volkmar Maloszyk

Angesichts der miesen Rahmenbedingungen ist an eine umfassende Modernisierung der Milchviehhaltung am Standort Brielow nicht zu denken. Der jetzige Melkstand ist Baujahr 1993. Auch die Ställe können mit dem heutigem Standard nicht mithalten. „Für einen neuen Kuhstall mit Melkrobotern bräuchten wir etwa drei Millionen Euro. Doch an eine Refinanzierung ist überhaupt nicht zu denken“, steht für Ullrich fest.

Um nicht den ganzen Betrieb samt 1700 Hektar Acker und Wiese mit in den Abgrund zu reißen, muss Ullrich retten, was zu retten ist. Nicht in einer Hauruck-Aktion. Es gibt einen geordneten Rückzug aus der Milch. Dazu gehört Hilfe für die betroffenen Mitarbeiter, um sie vielleicht bei Berufskollegen unterzubringen. Es rückt kein Abrissbagger an, um die Ställe kurz und klein zu machen. Die Aufbauten werden weiter gebraucht. Zum geordneten Rückzug gehören Vorstellungen, wie es nach der Umstrukturierung weiter gehen soll. Mutterkühe und Mastbullen will das Unternehmen auch in Zukunft halten. Von derzeit insgesamt 950 Rindern bleiben so etwa 450 Tiere übrig, die großzügig auf die Ställe verteilt werden. Mehr Fleisch statt Milch ist dann das Geschäftsmodell.

Außerdem ist mit der Tierhaltung die weitere Nutzung des Grünlandes sowie die Erfüllung der Verpflichtungen aus der Kultur- und Landschaftspflege sichergestellt. Dazu wird die einst ausgegründete Brielower Mutterkuh GmbH aufgelöst und der Tierbestand an die Brielower Agrar GmbH verkauft. Die Zahl der Charolais-Herden mit den weißen, kräftigen Tieren wird von derzeit zwei auf vier erhöht. Die Fleischrinder verteilen sich dann auf das Marzahner Fenn sowie auf den Raum Brielow/Radewege.

Der Abschied von der Milch und die damit verbundene Halbierung des Tierbestandes bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Feldbau zwischen Brielow und Marzahne. Die Futterfläche verringert sich zwangsläufig. Ansonsten bleibt es bei der Konzentration auf Marktfrüchte wie Getreide, Mais und Ölsaaten. Kooperationen mit Nachbarbetrieben sind kein Tabu, wenn sie betriebswirtschaftlichen Sinn machen. Erst kürzlich gab es einen Flächentausch mit Domstiftsgut-Pächter Heinrich Thiermann aus Mötzow, der auf diesem Wege neue Spargelreihen am Brielower Beetzseeufer anlegen konnte. „Nur nichts zu tun wäre schlimmer als das Problem des Milchpreises aussitzen zu wollen“, ist Brielows Agrar-Chef überzeugt.

Von Frank Bürstenbinder

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