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Barbara wird zur Ortsteil-Patin

Brandenburg an der Havel Barbara wird zur Ortsteil-Patin

Der Film „Barbara“ wurde zur 62. Berlinale 2012 uraufgeführt. Er wurde im August 2012 als offizieller Kandidat Deutschlands auf eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt. Der Film erhielt jedoch keine Nominierung. Doch im Ortsteil Kirchmöser erlebt er eine Renaissance, nun soll eine Straße nach der Filmheldin benannt werden.

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Der Weg zwischen Gartenstraße und Ebereschenweg hat noch keinen Namen, die Film-Barbara befuhr ihn immer mit dem Fahrrad.

Quelle: Carsten Eichmüller

Brandenburg/H. Wenn ein Film zum Zeitzeugnis für den Ortsteil wird, hat er auch eine ganz besondere Würdigung verdient.

„Barbara“ ist ein deutscher Spielfilm von Christian Petzold aus dem Jahr 2012 mit Nina Hoss und Ronald Zehrfeld in den Hauptrollen. Das Drama ist in der DDR im Jahr 1980 angesiedelt und stellt eine Ärztin in den Mittelpunkt, die an ein Provinzkrankenhaus versetzt wird, nachdem sie einen Ausreiseantrag gestellt hat. Der Film wurde von Florian Koerner von Gustorf und Michael Weber in Zusammenarbeit mit dem ZDF und Arte produziert. Uraufgeführt wurde er am 11. Februar 2012 im Wettbewerb der 62. Berlinale uraufgeführt. Deutscher Kinostart war am 8. März 2012.

Besagtes Krankenhaus steht heute noch in Kirchmöser, es war die HNO-Klinik des ehemaligen Bezirkskrankenhauses. Die Hauptdarstellerin hatte im Film eine Wohnung in Kirchmöser-West – und zwar inmitten einer heruntergekommenen Reichsbahnsiedlung, die in den 1920er Jahren für die Arbeiter und Angestellten des Reichsbahnwerkes Kirchmöser errichtet wurde.

„Das Filmteam wählte wohl Kirchmöser als Drehort, weil die heruntergekommene, eigentlich denkmalgeschützte Eisenbahnersiedlung wie ein Synonym für die Hoffnungslosigkeit und Leere steht, die den Alltag vieler Menschen in der späten DDR prägte“, schreibt der Historiker Udo Geiseler in seinem Konzept für das Umsetzen einer Idee, welche seit einigen Monaten engagierte Menschen aus Kirchmöser und Plaue gemeinsam verfolgen. Es soll ein Barbara-Weg ausgewiesen werden zwischen der Gartenstraße und dem Ebereschenweg. Im Film durchquert Barbara den Weg mit ihrem Fahrrad auf dem Weg vom Krankenhaus nach Hause.

Eine Filmvorführung und ein Barbara-Tag

Barbara wird zu einer Art Identifikationsfigur für den Ortsteil, sagt Udo Geiseler.

Der Film „Barbara“ soll am 3. Dezember zum 1. Advent in der West-Kirche Kirchmöser aufgeführt werden. Für das Erhalten und Sanieren des Gotteshaus hat sich ebenfalls ein Freundeskreis und Förderverein im Mai gegründet.

Einen Tag später ist wie in jedem Jahr der Barbara-Tag in der Kirche – zu Ehren der Heiligen Barbara von Nikomedien, eine Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert. Sie wollte sich dem Christentum anschließen und wurde deshalb von ihrem Vater in einen Turm gesperrt.

Nach einer alten Tradition werden am Barbara-Tag Zweige von einem Obstbaum oder einer Forsythie geschnitten und ins Wasser gestellt. Diese Barbarazweige sollen bis zum Heiligen Abend blühen und in der kalten und düsteren Winterzeit ein wenig Licht in die Wohnung bringen.

Der Abschnitt ist zwar nur gut 100 Meter lang, doch eben geschichtsträchtig. Und er hat noch gar keinen Namen. Zudem gibt es keine direkten Anwohner, so dass auch keine Bürokratie beim Meldewesen zu befürchten steht. Und für einen der Initiatoren – Carsten Eichmüller aus Kirchmöser – gibt es noch einen weiteren wichtigen Grund für das Erinnern an „Barbara“: „Salopp gesagt, der Film könnte heute hier gar nicht mehr gedreht werden.“ Die Eisenbahnersiedlung wurde nach 2012 denkmalgerecht saniert. Durch Vermittlung des ehemaligen Bundestagsabgeordneten und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier gab das zuständige Eisenbahnbundesamt umfangreiche Mittel zur Sanierung frei, mehr als 20 Millionen Euro. „Die gesamte Siedlung, mit ihren kleinen Straßen und vielen Gärten ist heute ein attraktives Wohnumfeld für ehemalige Eisenbahnerfamilien sowie langjährige und neue Kirchmöseraner“.

Dennoch sei die Zeit des Verfalls seit den 1970er bis Mitte der 2010er Jahre ein Teil der Geschichte der Siedlung und der Erfahrung beziehungsweise früherer Lebenswirklichkeit der Kirchmöseraner, die nicht vergessen werden sollte und dürfe.

Die Initiatoren haben Kontakte zur Produktionsfirma Schramm Film gesucht wegen des Nutzens der Namensrechte von „Barbara“, zudem sollen auf einer großen Tafel am Torbogen zur Siedlung Sequenzen aus dem Film und zur Geschichte des Ortsteils dargestellt werden – zumindest offene Ohren fanden Eichmüller und Geiseler bei Produzent Koerner von Gustorf und Regisseur Christian Petzold. Zwar ist alles noch in der Ideen- und Vorschlagphase, aber parallel laufen bereits die Verhandlungen, wie man bereits die Eröffnung des Barbara-Weges im kommenden Frühjahr inszenieren könnte. Das sei mehr als ein guter Anfang, sagen beide.

Von André Wirsing

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