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Brandenburg/Havel Baugrund statt Idylle: Pächter verlieren ihre Parzelle
Lokales Brandenburg/Havel Baugrund statt Idylle: Pächter verlieren ihre Parzelle
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06:15 15.10.2016
Nicole und Maik Neubert mit ihren Töchtern Hannah (11) und Viviiane (14, l.) auf ihrem Pachtland in schönster Seelage am Kessel in Lehnin. Quelle: Marion von Imhoff
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Lehnin

Familie Neubert aus Zerbst in Sachsen-Anhalt muss bis zum 31. Dezember ihr Grundstück am Kessel in Lehnin räumen. Seit 14 Jahren hat die Familie den 500 Quadratmeter großen Garten gepachtet, die Datsche darauf ausgebaut und jede Ferien dort verbracht. „Wir haben uns nie etwas zu Schulden kommen lassen, die Pacht und Zweitwohnungssteuer immer pünktlich gezahlt und jetzt müssen wir unsere Parzelle räumen“, klagte Nicole Neubert in der Einwohnerfragestunde während der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Es ist ein Idyll, das die Neuberts dort an dem See besessen haben, samt Slippanlage für ein Motorboot. Kessel wird der See genannt am Ende des Klostersee-Kanals. Dort war einst ein Hafen für die Kähne angelegt, die Ziegelsteine aufluden und bis nach Berlin schipperten.

Ortsvorsteher kennt Situation der Pächter

An der ausgebauten Straße Am Kessel soll nun Bauland entstehen. Schon jetzt ist die Nachfrage nach den Grundstücken größer als das Angebot, berichtet Ortsvorsteher Frank Niewar: Aus dem See-Areal mit schönstem Blick werden „lukrative Baugrundstücke. Dass das die Pächter mit Widerwillen sehen, kann ich verstehen“, sagt Niewar. Kein Wunder: Seine Mutter hatte bis vor Jahren ein Grundstück in nächster Nachbarschaft der Neuberts gepachtet. Auch ihr wurde damals gekündigt, als die Gemeinde am Kessel den Wasserwanderrastplatz anlegte.

„Wir haben einen Bedarf an Bauland“, begründet auch Bürgermeister Uwe Brückner (SPD) die Kündigung der Pachtverträge. Neben den Neuberts sind acht weitere Pächter betroffen. Da Lehnin keine Zentrumsfunktion habe, habe der Ort nicht die Entwicklungsmöglichkeiten wie Werder oder Beelitz. „Deswegen müssen wir den Innenbereich verdichten.“

Vorsichtige Gesprächsbereitschaft, nicht mehr

Die Neuberts haben nun mit ihren beiden Töchtern die wohl letzten Ferien auf ihrer Parzelle verbracht. Nun hoffen sie auf eine Entschädigung. Maik Neubert, Fußboden- und Parkettverleger, hält 20 000 Euro für angemessen. „Wir haben ja alles neu gemacht.“ Die Fenster des 30 Quadratmeter großen Schrebergartenhäuschens seien maßgefertigt.

Brückner zeigt vorsichtige Gesprächsbereitschaft, mehr aber auch nicht. Er könne sich vorstellen, „dass man sich auf einen vernünftigen Stand einigt“. Die Gemeinde sagt, die Pächter könnten ihre Parzellen ja auch käuflich erwerben. Doch daran hat Familie Neubert mit eigenem Haus in Sachsen-Anhalt kein Interesse. Entstehen sollen am Kessel auf einer Fläche von 1,2 Hektar Einzel- und Doppelhäuser. Im südlichen Teil ist auch Wohn- und Gewerbe geplant. Das Ufer soll weiter begehbar bleiben. Die Rede ist von „Sicherung der Erlebbarkeit der öffentlichen Gewässerkanten“.

Im Sommer wurden die Pläne ausgelegt und Träger öffentlicher Belange angehört. Nun soll noch ein Schallschutz-Gutachten zum Busunternehmen Behrend erarbeitet werden, das dort sein Firmengelände hat. Danach wird der Plan erneut ausgelegt. Bis Mitte 2017 rechnet Bürgermeister Brückner mit Abschluss des Verfahrens.

Von Marion von Imhoff

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