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Bauruine an der Havel wird zum Firmensitz

Österreicher investiert in Briest Bauruine an der Havel wird zum Firmensitz

Mehrere hundert Hektar Wald nennt die Familie von Thomas Kreiner aus Österreich bei Briest ihr eigen. Hauptsächlich ehemalige Militärflächen der Sowjetarmee. Jetzt will der Investor aus der Alpenrepublik eine Bauruine mit Havelblick am Dorfrand zum Sitz seines Forstbetriebes umwandeln. Das ist nicht ganz einfach.

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Thomas Kreiner erklärte in Briest den Bürgern, was er mit dem Haus in der Parkstraße vor hat. Mit dabei Beetzsee-Bauamtsleiterin Silke Häberle und Havelsee-Bürgermeister Günter Noack.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Briest. „Bitte kommen Sie, schauen Sie sich um. Wir machen alles, damit Sie sich im Wald wohl fühlen.“ Ganz so uneigennützig hat die Familie von Thomas Kreiner die ehemaligen Militärliegenschaften am Rande von Briest nicht dem Bund abgekauft. Natürlich muss der in Wien lebende Österreicher mit seiner Forstwirtschaft Geld verdienen. Aber der Chef einer Immobilien- und Bauträgergesellschaft will den Wald nicht für sich allein.

Erstmals hatten die Briester in dieser Woche die Gelegenheit den Investor aus der Alpenrepubik auf einer öffentlichen Veranstaltung nach seinen Ambitionen in der Gemarkung zu befragen. Immerhin ist Kreiners Familie, die auch eine Rinderfarm in Paraguay ihr eigen nennt, in den letzten zehn Jahren unter die größten Grundbesitzer im Amt Beetzsee aufgestiegen. In ihrem Eigentum befinden sich unter anderem mehrere hundert Hektar Wald, darunter die früheren Übungsgelände sowjetischer Pionier- und Fahrschuleinheiten zu beiden Seiten der Landesstraße 962 sowie Teile des einstigen Flugplatzes Briest. Dazu gehören auch mehrere Kleingewässer.

„Wir ernten Holz, forsten aber auch auf. Und zwar 20 000 bis 30 000 Bäume im Jahr. Alles in Absprache mit der Landesforstverwaltung“, erklärte Kreiner den Briestern. Diese waren eigentlich aus einem ganz anderen Grund in das Dorfgemeinschaftshaus eingeladen worden. Thema waren nicht die wirtschaftlichen Aktivitäten des zurückhaltend und freundlich agierenden Österreichers. Vielmehr fand sein Auftritt im Rahmen einer „frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung“ statt. Kreiner lässt gerade einen Bebauungsplan aufstellen. „Dabei sollen die Briester im Ramen eines transparenten Verfahrens an Ort und Stelle ein Wörtchen mitreden dürfen“, so Amtsdirektor Guido Müller.

Für die seit vielen Jahren ungenutzte Neubauruine bahnt sich im Rahmen eines Planverfahrens eine neue Nutzung als Firmensitz an

Für die seit vielen Jahren ungenutzte Neubauruine bahnt sich im Rahmen eines Planverfahrens eine neue Nutzung als Firmensitz an.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Konkret geht es um die Reaktivierung einer legendären Neubauruine am Ende der Briester Parkstraße. Das villenartige und mit einem Turm versehene Gebäude mit Havelblick war in den Jahren nach der Wende nicht über das Rohbaustadium hinausgekommen. Die Baugenehmigung ist längst abgelaufen. Doch Kreiner muss als neuer Besitzer nicht nur eine neue Genehmigung beantragen. Der Landkreis will die Fertigstellung nur im Rahmen eines Bebauungsplans gestatten, was mit der Lage des über 8000 Quadratmeter großen Grundstücks im Außenbereich begründet wird.

Havelsee-Bürgermeister Günter Noack hat für die Auflage nur wenig Verständnis. Denn die Stadt muss ihren Flächennutzungsplan aktualisieren und das Grundstück zum Sondergebiet erklären. „Nur weil ein schon mal genehmigtes Objekt beendet wird, schlägt die Bürokratie mit voller Wucht zu“, ärgert sich Noack. Kreiner hatte die Immobilie dem Vorbesitzer abgekauft, um darin den Sitz seines Forst-und Fischereibetriebes einzurichten. „Entstehen sollen Büro- und Betriebsräume, aber auch zeitweilige Übernachtungsmöglichkeiten für Waldarbeiter, Jagdgäste und Familienangehörige“, informierte der neue Besitzer. Genutzt wird auch der Garagenbau. „Die vorhandene Kubatur bleibt unverändert. Auch als ständiger Wohnsitz ist das Haus nicht gedacht“, ergänzte Kreiners Planer Sebastian Rohde aus Berlin die Planungsabsichten. Mit einer Genehmigung durch den Landkreis wird in einem Jahr gerechnet.

Als irreführend wurde von den Briestern die vom ursprünglichen Bauherren übernommene Projektbezeichnung „Landhaus am See in Briest“ bezeichnet. „Wir leben doch an der wunderschönen Havel“, lautete ein Einwand. Doch es waren pragmatische Gründe, die den Investor zur Beibehaltung des Arbeitsnamen bewegten. „Mein Herz hängt nicht daran. Aber wir wollten im Planverfahren keine neuen Hürden aufbauen“, so Kreiner. Er stellte klar, dass keine schwere Forsttechnik auf dem Grundstück abgestellt wird. Die über das Privatgrundstück führende Trink- und Abwasserleitung bleibt, wo sie ist. Über einen Wanderpfad ist dagegen das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Besitzer würde ihn abtreten, wenn die Kommune die Verkehrssicherungspflicht übernimmt.

Kreiner fühlt sich nach eigenen Angaben in Briest offenbar sehr wohl: „Ich liebe die Gegend.“ Doch grämt ihn ein ständiges Ärgernis. Und das ist der Müll, der immer wieder vor der einstigen Einfahrt zum alten Fahrschulgelände oder direkt im Wald abgeladen wird. Dafür habe er kein Verständnis, so etwas gebe es in Österreich nicht. Was er für ein schöneres Straßenbild tun wolle, sei der schrittweise Abbau der grauen Betonmauerteile aus den Zeiten der Sowjetarmee. Dies werde jedoch noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen, so Kreiner.

 

 

Von Frank Bürstenbinder

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