Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Baustelle Klinikum: Beton-Kühe im Dauerstress

Brandenburg an der Havel Baustelle Klinikum: Beton-Kühe im Dauerstress

Allein die Bodenplatte des neuen Klinikgebäudes am Brandenburger Marienberg ist ein mächtiges Bauwerk. 24 mal 66 Meter groß, zwischen 60 und 120 Zentimetern stark. In nur 14 Stunden haben Bauleute am Mittwoch die Platte aus 1100 Kubikmetern Beton gegossen. Dazu waren 16 Fahrzeuge im Einsatz – eine logistische Meisterleistung.

Brandenburg/H Marienberg 52.4166667 12.55
Google Map of 52.4166667,12.55
Brandenburg/H Marienberg Mehr Infos
Nächster Artikel
Schlimmer Ausraster im Amtsgericht

Die riesige Betonpumpe muss aus den Fahrmischern in 14 Stunden rund 1100 Kubikmeter Beton auf der Bodenplatte verteilen.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Allein die Bodenplatte ist ein mächtiges Bauwerk. 24 mal 66 Meter groß, zwischen 60 und 120 Zentimetern stark. Im vorderen Bereich zur Straße Am Marienberg hin ruht sie zudem auf 81 mächtigen Betonpfählen, weil der Baugrund dort schwammig und mit Torf versetzt ist.

In nur 14 Stunden ist am Mittwoch die Platte mit einem Volumen von 1100 Kubikmetern Beton gegossen worden. Auf ein Fahrmischer-Fahrzeug – liebevoll auch „Beton-Kuh“ genannt – passen gerade acht Kubikmeter. So pendelten zwischen dem Standort von Berger-Beton am Rietzer Berg und dem städtischen Klinikum erst zwölf, ab mittags 16 Fahrmischer ständig hin und her.

„Wir müssen es an einem Tag schaffen, es gibt keine zweite Chance“, sagt Bauleiterin Nadine Kummer von der Hoch-, Tief- und Industriebau Gesellschaft HTI aus dem thüringischen Greußen. Sie habe schlecht geschlafen und sei zu Tagesbeginn recht aufgeregt gewesen, als ab sechs Uhr noch im grellen Scheinwerferlicht ein Lkw nach dem anderen vorfuhr und den breiigen Inhalt an die riesige Pumpe übergeben hatte, wurde sie schon deutlich ruhiger. In den vergangenen Tagen ist praktisch durchgearbeitet worden auf der Baustelle, selbst am Sonnabend und am Sonntag hob der Kran Stahlgeflechtmatten für die Bewehrung auf den Baugrund. Ganze 179 Tonnen Stahl halten die neue Bodenplatte zusammen.

HTI hatte bereits Anfang Januar den Zuschlag erhalten, den kompletten Rohbau für das neue Klinikumsgebäude mit Apotheke, Pathologie und Laborräumen für die Medizinische Hochschule zu errichten. Der Zeitplan ist ambitioniert: Bis zum 31. Juli soll die Hülle stehen. Zum Teil wird das Gebäude wie vor Jahren auch das Bettenhaus in den Marienberg hinein gesetzt. Zwischen Hang und Stirnwand entsteht auch noch eine Extra-Rückkühlungsanlage. Die muss von der übrigen Haustechnik separiert werden. In den fensterlosen Erdgeschosstrakt direkt am Hang kommt der sensible Teil der Klinikumsapotheke. Hier werden die Zytostatika (Chemotherapie-Cocktails) gemixt, die zum Teil aus hochgiftigen Einzelsubstanzen bestehen. Deshalb braucht es einen eigenen Lüftungskreislauf.

Auf der Baustelle steht auch ein unscheinbarer Kastenwagen, an dem ein Mitarbeiter scheinbar wahllos wie sorgsam Betonproben in Würfel von 15 Zentimetern Kantenlänge gießt, diese wiegt und aushärten lässt. „Wir verarbeiten Beton der Überwachungsklasse 2. Das bedeutet, dass ein unabhängiges Prüfbüro die Chargen entnimmt, überprüft und sie nach dem Trocknen speziellen Druck- und Bruchtests aussetzt“, erläutert Georg Riethmüller. Der Technikchef des Klinikums leitet auch diesen Bau wie zuvor schon den des Gesundheitszentrums am Bahnhof oder des Bettenhauses, das quasi über der neuen Baustelle auf dem Berg steht. Alle Vorhaben sind bislang in Kosten- und Zeitplan beendet worden.

Deshalb pocht er unerbittlich aufs Einhalten der Bauablaufpläne. An diesem Donnerstag kommt der Vermesser, um die Fluchtlinien zu bestimmen. Und ab Freitag geht es weiter, dann entstehen die Betonwände für den dreigeschossigen Bau mit bis zu 15,50 Metern Höhe.

Alle Wände und Decken werden vor Ort gegossen, eine „Plattenbauweise“ ist nicht vorgesehen. „Wir werden dann auch mit mehr als elf Bauarbeitern von HTI am Start sein“, sagt Nadine Kummer. Sämtliche Außenwände werden in Schalungen gegossen. Fertigteile aus dem Betonwerk gibt es lediglich für zwei Treppenhäuser. Im Inneren des neuen Gebäudes werden einige Wände gemauert, sie haben allerdings keine tragende Funktion, können jederzeit versetzt werden.

Derzeit laufen nach Riethmüllers Angaben bereits die Ausschreibungen für die Gewerke Heizung und Sanitär, in zwei Wochen gehen die Ausschreibungen für das Elektrohandwerk raus, in drei Wochen die für die Fassadenherstellung. Im Laufe des kommenden Jahres sollen die Abteilungen übergeben werden. Die Fertigstellung erfolgt stufenweise – die Hochschullabore werden Mitte 2018 fertig, die Pathologie im Herbst und die Apotheke zu Jahresbeginn 2019. Das neue Haus wird etwa 20,4 Millionen Euro kosten. Davon stellt die Stadt mit 1,8 Millionen Euro den größten Teil der Eigenmittel von 2,1 Millionen Euro.

Von André Wirsing

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg