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Brandenburg/Havel „Baustellen erfordern volle Konzentration“
Lokales Brandenburg/Havel „Baustellen erfordern volle Konzentration“
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13:51 22.03.2018
Peter Meyritz leitet die Polizeidirektion West. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Mittelmark

Baustellen, Staus, Umleitungen – und keinen Tag ohne Unfälle auf den Autobahnen in Potsdam-Mittelmark. Die Folge sind chaotische Verkehrsverhältnisse auf den Ausweichrouten. Besonders schlimm ist die Situation auf dem südlichen Berliner Ring, wo die A 10 achtspurig ausgebaut wird. Im ersten Halbjahr 2017 gab es dort bei Unfällen 28 Verletzte. Was sagt Peter Meyritz, Leiter der Polizeidirektion West, dazu?

Herr Meyritz, wann haben Sie zuletzt im Stau gestanden?

Peter Meyritz: Erst kürzlich bei Wollin. Mir geht es nicht anders, als vielen Kraftfahrern. Vor allem wenn sich zwei Stunden nichts bewegt, wird der Stillstand belastend.

Was bedeutet der tägliche Wahnsinn im Verkehr für Ihre Kollegen auf der Autobahn? Müssen Retter und Helfer um Leib und Leben fürchten?

Was Feuerwehren und Rettungsdienste zu spüren bekommen, gilt auch für die Autobahnpolizei. Mehr Unfälle bedeuten zunächst mehr Arbeit. Wenn unsere Funkwagen eintreffen, steht der Verkehr in der Regel schon. Unberechenbar sind Folgeunfälle, wenn Einsatzkräfte noch im Anmarsch sind. Zum Glück ist bisher kein Beamter bei einer Unfallaufnahme zu Schaden gekommen.

Rund 200 Kilometer Autobahn

Die Polizeidirektion West erstreckt sich über eine Fläche von 6800 Quadratkilometer und umfasst die Landkreise Potsdam-Mittelmark, Havelland, Teltow-Fläming sowie die Städte Brandenburg und Potsdam. Leier Peter Meyritz ist Vorgesetzter von rund 1500 Bediensteten.

Die Beamten der Polizeidirektion West sind für rund 200 Kilometer Autobahnen (A 2, A 9, A 10, A 115) sowie knapp 300 Kilometer Wasserstraßen zuständig. Für die Autobahnen gibt es ein eigenes Revier mit Sitz in Michendorf.

Die Zuständigkeit verteilt sich auf die A 2 vom Autobahndreieck Werder bis zur Landesgrenze Sachsen-Anhalt; die A 9 zwischen dem Autobahndreieck Potsdam und der Landesgrenze Sachsen-Anhalt; die A 10 vom Autobahndreieck Werder bis Rangsdorf beziehungsweise Spandau; die A 115 vom Autobahndreieck Nuthetal bis zur Landesgrenze Berlin.

Im Baustellenbereich der A 10 im Raum Michendorf gab es im ersten Halbjahr 2017 über 570 Verkehrsunfälle. Ist diese Entwicklung für die Polizei noch beherrschbar?

Am achtspurigen Ausbau der A 10 und an Betonkrebsschäden auf der A 2 oder A 9 kann die Polizei nichts ändern. Wer neue Straßen haben will, muss mit Belastungen leben und sein eigenes Fahrverhalten auf Verkehrsbehinderungen einstellen. Die Polizeidirektion West hat ihre Kräfte wegen der vielen Baustellen auf den Autobahnen verstärkt. Die mindestens vier Funkwagen, die rund um die Uhr unterwegs sind, werden von Kräften aus anderen Direktionen unterstützt. Unter anderem mit Videowagen. Wir haben Kollegen auf Krädern im Einsatz, knöpfen uns Lastwagen vor, lassen bei Tempokontrollen nicht nach. Natürlich stoßen auch wir an stressigen Tagen mit Unfällen in Serie an unsere Grenzen.

Die Menschen empfinden die vielen Baustellen als Zumutung. Sie klagen über Stress und Nerverei. Sind Kraftfahrer auf Autobahnen mit Staus, Stop-and-Go, Einengungen und Schilderwäldern überfordert?

Überfordert kann ich nicht sagen. Gefordert sind die Verkehrsteilnehmer mit Sicherheit. Vor allem Baustellen mit nur zwei eingeengten Spuren erfordern volle Konzentration. Ein winziger Moment der Unaufmerksamkeit kann zu schlimmen Folgen führen. Deshalb drängt die Polizei unermüdlich auf die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit und der Sicherheitsabstände. Außerdem haben wir noch Ferien. Es sind eine ganze Menge Leute unterwegs, die sonst eher wenig die Autobahnen nutzen. Ihnen fehlt vielleicht eine gesunde Routine.

Ist aus polizeilicher Sicht bei der Zumutbarkeit der Baustellendichte das Ende der Fahnenstange in Sicht?

Ob und wann gebaut wird, entscheidet immer der jeweilige Straßenbaulastträger. Die Polizei kann sich mit Ideen und Bedenken in die Planung und Realisierung einbringen. Das tun wir auch. Die Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Straßenwesen beziehungsweise mit der bundeseigenen Planungsgesellschaft Deges, wenn es um den achtstreifigen Ausbau der A 10 geht, funktioniert gut. Ich bin guter Hoffnung, dass sich die Lage zwischen den Autobahndreiecken Nuthetal und Potsdam nach dem vollständigen Abschluss des Verkehrsprojektes 2020 deutlich entspannen wird.

Dann dürften auch die Kommunen entlang der Ausweichrouten wieder aufatmen.

Kommt es auf der A 10 nach Unfällen richtig dicke, hat das Folgen für die A 2 und die A 9. Lehnin und Beelitz sind solche Nadelöhre, die es mit Lärm und verstopften Straßen schlimm trifft. Das ist schon bei Unfällen vor der Haustür so. Autofahrer sollten Verkehrsfunk hören und sich überlegen, ob es in jedem Fall lohnt, die Autobahn bei einem Stau zu verlassen.

Vor ein paar Tagen mussten Feuerwehrleute auf der A 2 bei Wollin die Mittelschutzplanke wegflexen, um einen Unfallort zu erreichen. Laufen die Kampagnen der Polizei zum Thema Rettungsgasse ins Leere?

Offenbar ist in einigen Köpfen die lebensrettende Bedeutung einer Rettungsgasse noch immer nicht verankert. Trotzdem müssen wir dran bleiben. Das betrifft die Öffentlichkeitsarbeit, aber auch die Maßnahmen unserer Beamten vor Ort. Rettungsgassenverweigerer müssen mit Verwarngeldern rechnen.

In engen zweispurigen Baustellenbereichen mit Lkw-Verkehr sind Rettungsgassen kaum zu realisieren.

Deshalb ist die Alarmierungsplanung der Feuerwehren zu begrüßen, wonach die Leitstelle die Einsatzkräfte auf der Gegenseite alarmiert. Die Autobahnpolizei kann in solchen Fällen die Gegenfahrbahn zügig sperren, um den Helfern Platz zu verschaffen.


Von Frank Bürstenbinder

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