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Ein bisschen Senioren-Luxus am Gallberg

Planung für Brache in Brandenburg-Nord Ein bisschen Senioren-Luxus am Gallberg

Dort wo Brandenburger einst ihre Kfz-Zulassung bekamen, sollen Ende nächsten Jahres alte, behinderte und andere Bürger wohnen, schwimmen, schwitzen und Kaffee trinken können. Stadtplanerin Elisabeth Giesecke stellte das Projekt am Gallberg am Dienstag vor. Vor allem Garagennutzer fürchten um ihre Bleibe, und das zu recht.

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Fast fünf Hektar in Nord sollen ab 2017 wieder bebaut werden.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Dort wo Brandenburger ihre Kfz-Zulassung bekamen, sollen Ende nächsten Jahres alte, behinderte und andere Bürger wohnen, schwimmen, schwitzen und Kaffee trinken können. Stadtplanerin Elisabeth Giesecke stellte das Projekt am Gallberg am Dienstag vor. Vor allem Garagennutzer fürchten um den Bestand. Zu recht.

Etwa 60 Bürger versammelten sich am Dienstagabend im „Elfmeter“, um mehr darüber zu erfahren, was auf dem ehemaligen Berufsschul- und Verwaltungsgelände geschehen soll, nachdem sämtliche alten Gebäude dort abgerissen sind. Den Stand der Planung erläuterte Stadtplanerin Elisabeth Giesecke, Geschäftsführerin des Berliner Büros Plan und Recht.

Drei Investoren und die Stadt Brandenburg möchten die 4,6 Hektar große Brache, die an die August-Bebel-Straße grenzt, zu einem Wohn- und Betreuungsstandort für alte Menschen und Menschen mit Behinderungen entwickeln. Sie wollen eine „Seniorenresidenz“, Wohnungen für Behinderte und eine Therapiezentrum aufbauen. Derzeit läuft das Bebauungsplanverfahren für das Mischgebiet.

60 Gäste versammeln sich zum Infoabend

„Die zweiseitige Erschließung erscheint am besten“, erläuterte Elisabeth Giesecke. Doch genau dieser Punkt bietet Konfliktstoff. Denn wenn neben der bestehenden Straße Am Gallberg eine weitere Zufahrt im Süden des Grundstücks geschaffen wird, fallen mit höchster Wahrscheinlichkeit mehr als 30 Garagen fort, die auf städtischem Grund stehen.

Die Planer wiesen darauf hin, dass Garagen seit 2007 keine schutzbedürftigen Bauten mehr sind und folglich abgerissen werden dürfen, wenn sie der Planung im Weg stehen. Lediglich in begründeten Ausnahmefällen, etwa wenn behinderte Menschen betroffen sind, will die Stadt Ersatz anbieten. Zeit, sich auf die Veränderung einzustellen, sei gegeben, denn vor 2017 rücke kein Bagger an.

Baubeginn wahrscheinlich 2017

15 000 Quadratmeter des Areals sind vorgesehen für die „Seniorenresidenz“ des Wohn und Pflegezentrums Brandenburg.

5300 Quadratmeter soll die Lebenshilfe nutzen für eine Behinderteneinrichtung mit Wohnen und Arbeiten.

7100 Quadratmeter sind vorgesehen für das Therapiebad der Brandenburger Firma Promnitz. Bewegungsbad, Sauna, Bistro und Dienstleisterangebote sollen allen Bürgern offen stehen.

Im Herbst 2016 könnte die Bebauungsplanung so weit sein, dass sie zur Beratung in die Gremien kommt. Baubeginn könnte 2017 sein.

Bürger warnten in der Versammlung am Dienstag vor dem Zorn der Garagenbesitzer, dem Knattern der Schredderanlage, dem Staub im Sommer und der „Rattenplage“.

Bei mehreren Gästen im Saal regt sich Widerstand gegen den Abriss. Mit einer hinter den Garagen gebauten Zufahrt würde man sich viel Zorn von Bürger ersparen, hieß es. „An den Garagen hängt Herzblut von mehr als 30 Nutzern“, sagte ein Bürger und bat um „Kulanz“, mit der er aber vermutlich nicht rechnen kann, auch wenn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Denn der Verkehrsplaner sieht derzeit den Abriss des ersten von zwei Garagenriegeln vor.

Sorgen macht sich auch die Kleingartensparte Abendrot, deren Nutzer um ihre Parkplätze vor allem an den Wochenenden fürchten.

Kleingärtner sorgen sich um Parkflächen

Hauptnutzer des künftigen Mischgebietes soll das Senioren- und Pflegezenturm Brandenburg sein, welche das Martha-Piter und das Clara-Zetkin-Heim in der Stadt betreiben. Entstehen soll nach den Worten von Einrichtungsleiter Holger Schult kein neues Heim, sondern ein „zukunftsweisender Wohn- und Pflegekomplex mit sieben komfortablen Zwei-Raum-Wohnungen zu 60 bis 80 Quadratmetern und fünf Drei-Raum-Wohnungen mit Flächen zwischen 75 und 90 Quadratmetern, alle mit Terrasse oder Balkon. Hinzu kommen Häuser für drei Wohngemeinschaften.

60 Menschen sollen künftig am Gallberg dort komfortabel wohnen und die Pflegeangebote in Anspruch nehmen können. Das Senioren- und Pflegezenturm Brandenburg will höherwertiges Wohnen schaffen für Menschen, die etwas mehr bezahlen können, und damit das Spektrum des eigenen Wohnangebots erweitern. Zu rechnen sei mit einem Quadratmeterpreis von acht bis zehn Euro Kaltmiete, sagte Schult.

„Schade, ich hatte mich gefreut, im Alter in der Nähe bleiben zu können“, sagt Waltraud Borkenhagen der MAZ. Doch einen solchen Mietpreis könne sie sich nicht leisten. „Ja, ich bin enttäuscht, dass es so ein Luxus werden soll“, stimmt Brigitte Kämer zu, die ebenfalls in der Nähe lebt.

Von Jürgen Lauterbach

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