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Bedrückende Fotos aus dem Kindergefängnis

Ausstellung in Lehnin Bedrückende Fotos aus dem Kindergefängnis

Fotojournalist Sascha Montag aus Lehnin zeigt im Institut für Kunst und Kultur am Klostersee eindrückliche, teils auch verstörende Bilder von Kindern, die in Uganda in der Besserungsanstalt Kampiringisa leben müssen. Er berichtet aber auch über eine engagierte Frau, die einige von ihnen aus diesem Kindergefängnis holt.

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Im Black House müssen bis 20 Jungs in einem Raum schlafen. Dass es dort inzwischen Betten gibt, ist dem Hilfsprogramm Foodstep zu verdanken.

Quelle: Sascha Montag

Lehnin. Fotojournalist Sascha Montag (39) aus Lehnin hält am Freitag in Lehnin wieder einen Bildvortrag. Vor einem Jahr ging es um syrische Flüchtlinge in Jordanien, diesmal um ein Kindergefängnis im ostafrikanischen Uganda und eine Frau, die Kindern hinaus hilft.

MAZ: Menschenkinder, so der Titel ihrer Fotoreportage. Was erwartet die Besucher?

Sascha Montag: Sehr eindrückliche, teils auch verstörende Bilder von Kindern und Jugendlichen zwischen zwei und 19 Jahren, die in Uganda in der Besserungsanstalt Kampiringisa leben müssen, die eigentlich ein Kindergefängnis ist. Im zweiten Teil des Vortrags geht es um Nathalie Seliffet, eine Belgierin, die sich seit 2008 um diese Kinder kümmert. Inzwischen leben 85 von ihr Gerettete in der Hauptstadt Kampala in ihrem Hilfsprogramm Foodstep und bekommen regelmäßige Mahlzeiten und eine Schulbildung. Ich habe etwa 100 Fotos ausgesucht und hoffe auf intensive Gespräche. Der Eintritt ist frei, Spenden sollen Foodstep zugute kommen.

Wann waren Sie in Kampiringisa und was ist das für ein Ort?

Montag : Im Sommer vorigen Jahren waren Autorin Andrea Jeska, eine Afrikaspezialisten aus Hamburg, und ich für eine Reportage im Auftrag des Elternmagazins „Nido“ zehn Tage in Kampala. Zwei Autostunden von der Hauptstadt entfernt befindet sich das Kindergefängnis. Die staatliche Besserungsanstalt wurde im Jahr 2000 in einer leerstehenden ehemaligen Kaserne der Briten eingerichtet. Anfangs gab es noch Sozialarbeiter und medizinische Versorgung. Doch als immer mehr Menschen vor den Konflikten im Norden flüchteten, waren die Kinder irgendwann sich selbst und der Gnade einiger prügelnder Aufpasser überlassen. Das Ganze ist deshalb so unglaublich, weil die Regierung Ugandas 2006 die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet hat. Und dann gibt es einen solchen Ort, wo man Kinderrechte mit Füßen tritt.

Hinter Gittern

Hinter Gittern: Im Black House müsse Junges für ihre „Untaten“ büßen.

Quelle:

Warum sind die Kinder dort?

Montag: Hauptsächlich aus zwei Gründen. Zum einen sind es Straßenkinder aus der Hauptstadt, von denen es Tausende gibt, die nicht mehr versorgt werden können, weil eine Familienplanung fehlt. Zum andern sind es Kinder, die nach dem Tod eines Elternteils und neuer Heirat verstoßen werden.

Welche Eindrücke aus der Anstalt haben sich bei Ihnen eingebrannt?

Montag: Eine Traube von 200 Kindern mit teils offenen Wunden, barfuß und zerfetzter Kleidung, die sich nach Wärme und Berührung sehnen, an einem deprimierenden Ort. Und dann noch dieser beißende Geruch, das schockt für einen Moment. Aber bei der Arbeit versuche ich alles auszublenden und konzentriert nach Motiven zu suchen. Viel Zeit haben wir mit dem 17-jährigen Yvan verbracht, einem ehemaligen Kampiringisa-Jungen, den Nathalie als einen der ersten aus der Anstalt holen konnte. Schön zu sehen, dass er trotz schrecklicher Erlebnisse auf einem guten Weg ist, reflektieren kann, zur Schule geht, Tagebuch schreibt und studieren will.

Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Montag: Über einen Bekannten, der längere Zeit in Afrika unterwegs war und in einem Webblog über dieses Kindergefängnis geschrieben hat. Das war der Auslöser, aber es hat ein Jahr gedauert, Kontakt zu Nathalie aufzunehmen, sie zu überzeugen, zu recherchieren und eine Redaktion zu finden. Wir mussten uns in Kampiringisa als Mitglieder ihrer Hilfsorganisation einschleusen. Mich interessieren soziale Themen, weil ich selbst drei Kinder habe und zehn Jahre lang als Erzieher in Berlin in Jugendhilfeeinrichtungen gearbeitet habe.

Fühlen Sie sich als Künstler, Journalist oder Weltenbummler?

Montag: Ich bin kein Künstler, sondern Fotojournalist. Mit meinen Bildern möchte ich auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen, aber auch Geschichten über Menschen erzählen, die vor Ort helfen. Weltenbummler bin ich schon seit Jahren, meine erste längere Auslandsreise führte mich 1998 nach China, um nach einem abgebrochenen Sportstudium herauszufinden, was ich beruflich will. Inzwischen war ich in zwei Dutzend Ländern auf verschiedenen Kontinenten unterwegs. Von Brasilien bis West-Papua.

Sie sind ausgebildeter Erzieher, warum haben Sie den sichern Job aufgegeben?

Montag: Die Entscheidung war als Familienvater natürlich nicht einfach, aber ich habe sie keine Minute bereut, obwohl ich gern Erzieher war. Bis 2013 fuhr ich zweigleisig. Schon nach der Chinareise bin ich vom Reisefieber gepackt worden und habe mein ganzes Geld dafür ausgegeben. Erst habe ich Reisefotos geschossen, sie Freunden gezeigt, später einige verkauft. 2008 besuchte ich in Berlin einen Reportagefotografiekurs und machte meine erste Sozialreportage über einen Landarzt aus Niemegk. Dann hatte ich ein Praktikum bei der Reportageagentur Zeitenspiegel, wo ich seit 2009 Mitglied bin, und war total fasziniert. Inzwischen habe ich als freier Fotograf für Entwicklungshilfeorganisationen und verschiedene Printmedien gearbeitet _ von Spiegel und Stern bis zur Berliner Zeitung.

Sie sind gebürtiger Hallenser, haben lange in Berlin gewohnt. Wie sind Sie nach Lehnin und zu dem Veranstaltungsort gekommen?

Montag: Durch Zufall. Als das erste Kind da war, wollten meine Frau und ich raus aus Berlin. In Kloster Lehnin wurden wir fündig. Erst haben wir zwei Jahre zur Miete im alten Pfarrhaus in Rädel gewohnt, seit acht Jahren leben wir am Klostersee drei Häuser neben dem Institut für Kunst und Handwerk. für mich ist das Ensemble mit Galerie, Café und engagierten Leuten um Eckhart Haisch ein idyllisches Plätzchen, wo es viel zu entdecken gibt und wo man Sachen ausprobieren kann, die woanders keinen Raum und keinen Platz haben.

Von Claudia Nack

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