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Behandlungsfehler? Kardiologe wird verklagt

Klinik wehrt sich Behandlungsfehler? Kardiologe wird verklagt

In einem Gerichtsverfahren soll geklärt werden, ob der frühere Brandenburger Stadtverordnete Hanns-Peter Müller vor rund dreieinhalb Jahren wegen grober ärztlicher Behandlungsfehler im städtischen Klinikum gestorben ist. Die Witwe klagt gegen das Klinikum und seine Ärzte. Das Krankenhaus bestreitet deren Verschulden. Sie hätten standardgerecht behandelt.

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Der frühere Kommunalpolitiker Hanns-Peter Müller war vor dem Ruhestand als Diplom-Ingenieur im Weichenwerk tätig gewesen.

Quelle: privat

Brandenburg/H. In einem Gerichtsverfahren soll geklärt werden, ob der frühere Brandenburger Stadtverordnete Hanns-Peter Müller vor rund dreieinhalb Jahren wegen grober ärztlicher Behandlungsfehler im städtischen Klinikum gestorben ist. Die Witwe klagt gegen das Klinikum und seine Ärzte. Das Krankenhaus bestreitet deren Verschulden.

Der in früheren Jahren kommunalpolitisch aktive Diplom-Ingenieur Hanns-Peter Müller, seinerzeit 72 Jahre alt, bekam am frühen Nachmittag des 5. Dezember 2012 daheim in Kirchmöser Brustschmerzen und Luftnot. Seine Ehefrau alarmierte den Notarzt. Hanns-Peter Müller wurde bald darauf mit dem Hubschrauber ins städtische Klinikum geflogen.

Wie gut oder schlecht ihm dort geholfen wurde, ist zwischen den vor Gericht streitenden Parteien strittig. Klar ist nur, dass der Patient in der zweiten Nacht nach seiner Einlieferung starb, am 7. Dezember 2012 kurz nach 2.30 Uhr.

Für die Angehörigen war dieser Tod vermeidbar. Aufgrund von Krankenunterlagen, die ihnen vorliegen, sehen sie ihr Misstrauen bestätigt. Die Witwe weiß, dass sie ihren Mann nicht zurückbekommen kann, es geht ihr um eine lückenlose Klärung und Aufklärung.

Mit Hilfe ihres Rechtsanwaltes richtete die Witwe des Verstorbenen zunächst Schadensersatzansprüche an das Klinikum und den seinerzeitigen Chefkardiologen. Deren Haftpflichtversicherung hat die Ansprüche zurückgewiesen.

Begutachtung ist zentral

In Arzthaftungsprozessen geht es nicht um strafrechtliche Schuld. Geklärt werden soll dort, ob Ärzte womöglich ihre Sorgfaltspflichten gegenüber einem Patienten verletzt oder Behandlungsfehler begangen haben, für die sie zivilrechtlich verantwortlich gemacht werden können.

Der Ausgang eines Arzthaftungsprozesses hängt maßgeblich vom Ergebnis der Begutachtung ab.

Im Falle einer Verurteilung zu Schadensersatz oder Schmerzensgeld müsste die Haftpflichtversicherung zahlen, in diesem Fall der Kommunale Schadensausagleich, bei dem das städtische Klinikum seine Ärzte versichert.

Daraufhin hat Sibylle Müller Zivilklage beim Landgericht Potsdam wegen Arzthaftung und Schadensersatz eingereicht. Sie erkennt schuldhafte Behandlungsfehler zu Lasten ihres Mannes.

In der Klageschrift sind mutmaßliche „grobe Behandlungsfehler“ benannt. So habe der Patient in der Klinik Arzneimittel erhalten, die in seinem Zustand schädlich gewesen seien. Der Anwalt der Familie bemängelt, dass die Klinik nicht schon am Tag der Einlieferung, sondern erst tags darauf eine Herzkatheteruntersuchung vornahm. Aus Sicht der Angehörigen hätten die Brandenburger Hanns-Peter Müller aufgrund seiner drei stark verengten Herzkranzgefäße rechtzeitig zur Operation in ein Herzzentrum nach Cottbus oder Berlin verlegen müssen, was nicht geschah.

Massive Kritik äußert die Klägerin am ärztlichen Vorgehen, nachdem sich der Gesundheitszustand ihres Mannes in der Nacht des 7. Dezembers dramatisch verschlechtert hatte, er Herzrasen bekam und sein Atem stillstand.

„Die Reanimation wurde entgegen den Regeln der ärztlichen Kunst nicht unverzüglich bei Auftreten von Apnoe und Bewusstlosigkeit, sondern erst mit minutenlanger Verzögerung begonnen“, behauptet der Klägeranwalt. Zudem sei die Reanimation nicht effektiv durchgeführt worden.

Die Klinik und der damalige Chefarzt möchten sich zum laufenden Verfahren nicht äußern. Ihr Anwalt weist in seiner Klageerwiderung alle Vorwürfe zurück. „Die Behandlung erfolgte standardgerecht“, betont er. „Es war weder eine frühere Herzkatheteruntersuchung geboten noch bestand Anlass, eine Dilatation (Gefäßerweiterung), die mit eigenen schwerwiegenden Risiken verbunden ist, früher durchzuführen. Die Reanimation erfolgte zeit- und fachgerecht.“ Den Ärzten tue der Tod des Patienten leid, doch seien sie dafür „in rechtlicher Hinsicht nicht verantwortlich“. Zudem könne die Klägerin nicht nachweisen, dass andere ärztliche Entscheidungen den Tod hätten verhindern können. Ein Prozesstermin im Landgericht ist noch nicht anberaumt.

Von Jürgen Lauterbach

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