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Brandenburg/Havel Behörde gräbt Kleingärtnern das Wasser ab
Lokales Brandenburg/Havel Behörde gräbt Kleingärtnern das Wasser ab
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12:25 24.06.2016
Holger Wahrmann, Dieter Thämlitz und Bernhard Herbst benötigen ausreichend Wasser für ihre Gärten in Kirchmöser. Doch die Wasserversorgung ist in Gefahr. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Die Brandenburger Stadtverwaltung gräbt Kleingärtnern in Kirchmöser das Wasser ab. Wasser, das die Kleingärtner dringend für ihre Pflanzen benötigen. Allerdings macht die Umweltverwaltung einen gewichtigen Grund geltend: Das fragliche Wasser ist schadstoffbelastet. Die Kolonie „Bergfrieden“ klagt inzwischen gegen die Stadt Brandenburg/Havel und damit gegen den Verpächter.

Seit mehr als 50 Jahren besteht der Kleingartenverein „Bergfrieden“ in der Wusterwitzer Straße in Kirchmöser. Er hat mehr als 200 Mitglieder und bewirtschaftet rund 120 Kleingärten. Die Flächen gehören der Stadt Brandenburg, die sie verpachtet.

Fast dreißig Jahre lang war die Wasserversorgung der Kolonie zwar ein Thema, doch nie ging es wie jetzt um die Existenz. Die Pächter beziehen ihr Wasser zum Gießen über die eigene Brauchwasserversorgungsanlage. In Ufernähe des südlichen Wendseespitze fördern sie mit der mehrmals verlängerten behördlichen Erlaubnis das Uferfiltrat über zwei Pumpen, um damit ihr Pflanzten zu bewässern. Etwa 9000 Kubikmeter im Jahr, zwei Drittel davon aus Brunnen 1.

Das Problem ist Brunnen 2, vielmehr das Brauchwasser, das die Pumpe dort fördert. Da die Kolonie nahe am früheren Stahlwerk gelegen ist, sind dort umwelt- und gesundheitsschädlichen Rückstände im Grundwasser festgestellt worden: Alkylphenole und Benzol.

Alle wissen darum, daher wird das Wasser ausschließlich zum Gießen und keineswegs zum Trinken oder Waschen benutzt. Im vergangenen Jahr, als die bis dahin letzte Genehmigung auslief, drehten die Bodenschutz- und die Gesundheitsbehörde der Stadt die Daumenschrauben enger.

Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 70 Jahren

1965 wurde der Verein Bergfrieden gegründet. In dieser Zeit wurden die Flächen urbar gemacht.

Der Rat der Stadt stimmte der Errichtung einer Wasserversorgungsanlage 1984 zu und stellte Geld dafür bereit. Die BHG Wusterwitz, die Gleisbaumechanik und das Walzwerk unterstützen das Projekt.

Wasserrechtliche Genehmigungen liegen seit 1997 vor. Eine Nutzung als Trinkwasser ist verboten. Die letzte Änderung sieht die Begrenzung auf 6000 Kubikmeter und die Stilllegung eines Brunnens vor. Dagegen klagt der Verein.

Das Durchschnittsalter der rund 200 Kleingärtner liegt bei mehr als 70 Jahren. Im fortgeschrittenen alter möchten die Pächter nicht mehr in eine teure neue Technik oder eine Trinkwasserleitung investieren.

Genehmigt sind seither nur noch 6000 Kubikmeter kaum belastetes Wasser aus Brunnen 1. Brunnen 2 soll stillgelegt werden. Dagegen wehrt sich der Vorsitzende Holger Wahrmann in Namen des Vereins. Denn den Kleingärtnern ist klar, dass sie mit 6000 Kubikmeter Wasser nicht über den Sommer kommen. Schließlich waren nach anderthalb Monaten im Frühjahr schon 2200 Kubikmeter vergossen.

Die Stadtverwaltung hat den Widerspruch des Vereins gegen die neugefasste wasserrechtliche Erlaubnis inzwischen zurückgewiesen. Daher gehen Wahrmann und seine Vereinskollegen vors Verwaltungsgericht. Sie berufen sich auf unzureichende Nachweise über die Schadstoffe und die damit verbundenen messbaren Gesundheitsrisiken. Die Kleingärtner aus Kirchmöser halten den Argumenten der Stadt andere Erkenntnisse entgegen und versichern, dass sie alle Schutzvorkehrungen treffen.

Die Beauftragung von 60- bis 80 000 Euro teuren Trinkwasserleitungen können sich die überwiegend älteren Vereinmitglieder nicht leisten, der Einbau von Filtern ist nach ihren Recherchen nicht effektiv und wirtschaftlich. Über den Vorschlag, weniger wasserintensive Pflanzen anzubauen, können die Kleingärtner allenfalls schmunzeln.

„Wir fühlen uns über den Nippel gezogen“, bringt Dieter Thämlitz das Vereinsgefühl auf den Punkt. Er fragt sich, warum die Gesundheitsgefährdung dreißig Jahre lang akzeptabel war, nun aber nicht mehr. Setzt die Stadt ihren Standpunkt durch, fürchtet der Verein um seinen Fortbestand. „Das wäre das Ende der Gartenkolonie, wir würden eingehen“, fasst Thämlitz die Perspektive in Gärtnersprache zusammen. Einige seien bereits abgesprungen.

Der Rentner aus Kirchmöser hat den Aufbau der 1965 gegründeten Kolonie selbst miterlebt. An seinem Garten hängen viele Erinnerungen. Ähnlich geht es anderen Mitgliedern. Dieter Thämlitz versteht nicht, warum die Stadt Bürger auf der einen Seite Gartenland, verpachtet, die ausreichende Bewässerung aber auf der anderen Seite verhindert.

Diese und andere Fragen hat die MAZ Verwaltung bereits vor anderthalb Wochen gestellt, ohne eine Antwort zu erhalten. Der SPD-Stadtverordnete Carsten Eichmüller versucht, dem Verein Gehör zu verschaffen und zu vermitteln. Fred Schenk, Kreischef der Gartenfreunde, bezieht keine Position. Der Kleingartenbeirat sei bei diesem „diffizilen Problem involviert“, sagt Schenk nur.

Von Jürgen Lauterbach

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