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Bei den Malern wird der Nachwuchs knapp

Minister besucht Azubis Bei den Malern wird der Nachwuchs knapp

Wer will noch Maler werden? Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber wollte es genau wissen. Zu Beginn des Ausbildungsjahres besuchte er am Montag die Firma Temps im Gewerbegebiet Grebs (Kloster Lehnin). Auch dort wird der Berufsnachwuchs langsam knapp.

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Wirtschaftsminister Gerber schaut zu, wie Stuckleisten für die Verarbeitung auf Länge gebracht werden.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Grebs. Bevor Constantin Karl zu Temps kam, hatte der Azubi schon ein paar Jahre auf dem Bau hinter sich – als Hilfsarbeiter. „Dann habe ich mich doch für eine Lehre entschieden. Wegen der besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, berichtete er beim Besuch von Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) am Montag im Grebser Gewerbegebiet. Dort hatte die Temps GmbH Brandenburg vor drei Jahren einen neuen Standort für ihren Lehniner Malereibetrieb errichtet.

Von Robinson bis Marriott

Die Malerfirma Temps wurde 1952 in Neustadt am Rübenberge (Niedersachsen) durch Fritz Temps mit drei Gesellen gegründet. Heute gibt es drei weitere Standorte in Magdeburg, Grebs (Kloster Lehnin) und Hamburg. Geführt wird die Unternehmensgruppe mit rund 450 Mitarbeitern seit 2011 durch Ulrich Temps.

Die in Grebs ansässige Temps GmbH Brandenburg hat sich auf die Realisierung von exklusiven Hotelprojekten spezialisiert. Beteiligt war die Firma unter anderem am Robinson Club Fleesensee, dem Dorint Hotel in Potsdam und an mehreren Berliner Luxus-Hotels wie Maritim, Marriott und The Ritz-Carlton.

Seit der Firmengründung 1993 bildet das Unternehmen seinen eigenen Nachwuchs aus. Derzeit sind von den 100 Mitarbeitern in Grebs neun Auszubildende. Darunter Jennifer Riesche, die vor wenigen Tagen in ihre Lehre als Bürokauffrau startete. Der Beginn des Ausbildungsjahres war für den Minister Grund dem langjährigen Ausbildungsbetrieb einen Besuch abzustatten. „Ich gratuliere ihnen zu der Entscheidung eine Lehre bei Temps zu absolvieren. Damit sind sie Teil einer Unternehmensgruppe, die zu den zehn größten Malereibetrieben in Deutschland gehört“, sagte Gerber den Auszubildenden.

Temps-Azubis üben verschiedene Anstriche

Temps-Azubis üben verschiedene Anstriche.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Übernahmechancen nach erfolgreicher Berufsausbildung sehen sehr gut aus. Denn über Arbeit kann sich die Branche nicht beklagen. „Wir kommen mit der Realisierung der Aufträge kaum hinterher“, sagte Geschäftsführer Volker Wenzel der MAZ. Der gelernte Maler ist ein Beispiel dafür, dass man auch in diesem Handwerk Karriere machen kann. „Vorarbeiter, Meister, Selbstständiger oder Chef – alles ist möglich“, meinte Wenzel. Doch in der Realität verliert der Malerberuf an Anziehungskraft. Noch bis vor drei Jahren hatte Temps kaum Probleme Bewerber für die Ausbildungsplätze zu bekommen. Inzwischen hat sich der Wind gedreht. Die Interessenten werden knapper und die schulischen Leistungen lassen immer mehr zu wünschen übrig. So jedenfalls die Erfahrungen in Grebs.

Maler müssen heute mehr können als den Pinsel halten und Tapete an die Wand kleistern. Die Materialvielfalt ist unendlich und die Kundschaft anspruchsvoll geworden. Es wird geschliffen, gespachtelt, gespritzt, geputzt und geklebt. Stuckelemente sind gerade wieder in. Glasgewebe mit Anstrich oder mehrlagige Akustikputze gehören mittlerweile zum handwerklichen Standard. Manche Betriebe verlegen Bodenbeläge gleich mit. Der Maler ist für den Laien zum Raumausstatter des Vertrauens geworden.

Vorarbeiter Andreas Georges hilft Azubi Erik Nicolai (l) beim Kleben einer Bahn  Vinyltapete

Vorarbeiter Andreas Georges hilft Azubi Erik Nicolai (l.) beim Kleben einer Bahn Vinyltapete.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Temps renoviert auch Omas Wohnzimmer. Doch hauptsächlich konzentriert sich das Unternehmen auf exklusive Hotelprojekte in ganz Deutschland. „Es macht einen stolz, wenn man sagen kann, man war beim Ritz-Carlton in Berlin dabei“, findet Andreas Georges. Als Vorarbeiter bringt Georges den angehenden Malergesellen alle Kniffe des Handwerks bei. Da kam selbst Wirtschaftsminister Gerber auf den Geschmack, als ihm vorgeführt wurde, wie hochwertige Vinyltapete verarbeitet wird. Nicht Stoß an Stoß wie bei Raufaser- oder Vliestapete. „Jede Bahn muss geschnitten werden. Das macht die Sache so aufwendig. Dafür ist Vinyltapete robust. Da kann man schon mal mit dem Koffer langscharren“, erklärte Ulrich Temps, Chef der Unternehmensgruppe. Ein Vorteil, den sich der Minister durchaus für seinen heimischen Flur vorstellen kann. Überhaupt sei Maler ein schöner und ehrbarer Beruf befand Gerber: „Als Minister weiß man nicht jeden Tag, was man eigentlich bewegt hat. Aber ein tapeziertes Zimmer ist dagegen eine vorzeigbare Leistung.“

Von Frank Bürstenbinder

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