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Berlin wirbt Brandenburgs Lebensretter ab

Mehr Geld in der Hauptstadt Berlin wirbt Brandenburgs Lebensretter ab

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat ein Problem – viele Mitarbeiter der Rettungsdienste wandern ab. Nach Berlin oder in die benachbarten Landkreise. Der Grund ist oft die bessere Bezahlung. Noch können die Rettungsdienste ihre Aufgaben erfüllen. Doch die Verwaltung ist alarmiert.

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Den Fachkräftemangel bekommen auch die Rettungsdienste zu spüren.

Quelle: dpa

Mittelmark. Johanniter, Deutsches Rotes Kreuz und Promedica: Mit ihren Gesellschaften erbringen diese drei Dienstleister den Rettungsdienst zwischen Bollmannsruh und Niemegk sowie zwischen Michendorf und Ziesar. Und zwar im Auftrage des Landkreises. Das könnte sich mit dem Ablauf der Vertragszeit Ende 2018 ändern.

So hat der bündnisgrüne Kreistagsabgeordnete Henry Liebrenz aus Kleinmachnow im Finanzausschuss mit einem überraschenden Vorstoß für Aufsehen gesorgt. Er könne sich vorstellen den Rettungsdienst als einen Kern der Daseinsvorsorge auf andere Füße zu stellen. Statt Dienstleister zu beauftragen, schwebt Liebrenz eine Kommunalisierung des Rettungsdienstes vor. Die politischen Weichen dafür müssten schon Mitte 2017 gestellt werden.

In der Konsequenz würde dies bedeuten, dass der Landkreis die 14 Rettungswachen in Potsdam-Mittelmark über eine eigene Gesellschaft mit Personal besetzt. Derzeit handelt es sich um rund 215 Mitarbeiter. Fachbereichsleiterin Debra Reußner erinnerte an die Entscheidung des Kreistages den Rettungsdienst auszuschreiben und nicht selbst zu betreiben. Dazu wäre der Landkreis als Aufgabenträger berechtigt. Doch müssten dann höhere Kosten als auf dem freien Markt der Dienstleister in Kauf genommen werden, gibt Reußner zu bedenken.

14 Rettungswachen

Auch in Potsdam-Mittelmark wurde der Bestand an Rettungsmitteln und Wachen über die Jahre dem gestiegenen Bedarf angepasst. Die Kosten für den bodengebundenen Rettungsdienst werden sich in diesem Jahr auf etwa 16 Millionen Euro belaufen.

Grundlage für die Abrechnung mit der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen ist die landeseinheitliche Kosten- und Leistungsabrechnung. Eine Gebührensatzung des Kreises regelt die konkreten Preise für den Einsatz der Rettungsdienste.

Die 14 Rettungswachen teilen sich drei Dienstleister im Auftrag des Landkreises. DRK: Michendorf, Teltow und Brück. Johanniter: Bad Belzig, Beelitz-Heilstätten, Dahlen, Jeserig (Fläming), Niemegk, Treuenbrietzen und Ziesar. Promedica: Groß Kreutz, Kloster Lehnin, Bollmannsruh und Werder.

Hintergrund für die jüngste Debatte sind Stellungnahmen der Johanniter-Dienste gGmbH und der Rettungsdienst Potsdam-Mittelmark gGmbH des DRK an Landrat Wolfgang Blasig (SPD). In ihren Schreiben informierten beide Organisationen den Verwaltungschef über die angespannte Personalsituation im Rettungsdienst. Zahlreiche Mitarbeiter wechselten nach Berlin, Potsdam und in den Nachbarkreis Teltow-Fläming. Dort wurden nicht nur zusätzliche Rettungswachen und Rettungswagen etabliert. Entscheidend ist eine andere Entgeltstruktur durch die Anlehnung des Tarifvertrages an den öffentlichen Dienst.

Aufgaben werden noch erfüllt

„Diese Entwicklung war zum Zeitpunkt der Ausschreibung 2013 weder bekannt noch vorhersehbar“, teilte Ralf Boost, Geschäftsführer der Johanniter-Dienste Berlin/Brandenburg gGmbH auf Nachfrage mit. Als Reaktion auf den Fachkräftemangel wurden in Absprache mit der Fachbereichsleitung Sicherheit, Ordnung und Verkehr des Kreises ein verändertes Dienstsystem bei Massenanfällen von Verletzten und Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation festgelegt. Auf die entscheidende Frage, ob und in welchem Umfang Personalkostensteigerungen refinanzierbar sind, gibt es bisher noch keine Aussage. Nach Aussagen der Johanniter sind derzeit alle Stellen der Qualifikation entsprechend mit Rettungssanitätern und Rettungsassistenten beziehungsweise Notfallsanitätern besetzt. Dies sei einem momentanen Personalaufwuchs zu verdanken. Damit verbunden sei aber auch eine höhere Personalfluktuation, so Geschäftsführer Boost.

Auf schwierige Lage hingewiesen

Über eine „mehr als übliche Fluktuation“ klagt auch der Geschäftsführer der Rettungsdienst Potsdam-Mittelmark gGmbH des DRK, Wolfgang Klamt. Für viele junge Leute sei der Rettungsdienst nur eine Zwischenstation, bevor sie zur Berufsfeuerwehr, zur Polizei oder zum Studium abwandern würden, berichtet Klamt. Zwar könne das DRK seine vertraglichen Pflichten im Rettungsdienst erfüllen, doch sei die Personalplanung mit der heißen Nadel gestrickt. Der Brief an Landrat Blasig sei nicht als Hilferuf zu verstehen gewesen. „Wir sind unserer vertraglichen Pflicht nachgekommen, um auf die schwierige Lage hinzuweisen“, sagte Klamt der MAZ. „Wir prüfen derzeit, welche Möglichkeiten es gibt, um die Personalsituation bei den Dienstleistern in der laufenden Vertragszeit zu entspannen“, teilte Fachbereichsleiterin Reußner mit. Mehrkosten müssen sich in einer veränderten Gebührensatzung für den Rettungsdienst niederschlagen.

Einzig der seit 2009 in Potsdam-Mittelmark tätige private Rettungsdienstleister Promedica hat nach eigenen Angaben keine Probleme mit Abwanderungen. Hubertus Harrandt von der Zentralen Wachleitung kann den wichtigsten Grund schnell erklären – die Bezahlung. „Unser Haustarif ist an den öffentlichen Dienst angelehnt. Da kommt es sicher auch in diesem Jahr zu einer Weiterentwicklung.“

Von Frank Bürstenbinder

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