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Brandenburg/Havel Besonderer Klang für die Symphoniker
Lokales Brandenburg/Havel Besonderer Klang für die Symphoniker
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00:19 22.06.2017
So klingt das Havelfest aus: Die Brandenburger Symphoniker unter der Leitung von Hannes Ferrand. Quelle: Jacqueline Steiner
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Brandenburg/H

Tausend Leute können nicht irren. Etwa so viele Menschen hatten sich am Sonntagabend eingefunden, um den letzten großen Höhepunkt des diesjährigen Havelfestes, das traditionelle Abschlusskonzert der Brandenburger Symphoniker am Heineufer zu erleben. Lange bevor der erste Ton erklang, waren die aufgestellten Bänke schon alle dicht besetzt, Kenner haben sich ihre eigene Sitzgelegenheit mitgebracht.

So konnte man sich am Sonntagabend umfassend informieren, was der Markt an Klappsesseln derzeit zu bieten hat. Der Renner waren offenbar Faltsessel aus Segeltuch, die sich zusammengeklappt in einem langen, schmalen Futteral verstauen lassen, das bequem über der Schulter getragen werden kann. Aber auch die bewährten Campingsessel mit Stoffbespannung auf Alugestell waren zahlreich vertreten und wirkten sehr bequem. Junge Leute und Kinder lümmelten sich auf Picknickdecken, die sie auf dem staubigen Boden ausgebreitet hatten. Wer nicht so vorausschauend gewesen war, sich eine Sitzgelegenheit mitzubringen, der musste das Konzert in mehreren Reihen dicht gedrängt stehend genießen.

Dirigent Hannes Ferrand (3. von links) Quelle: Jacqueline Steiner

Das Abschlusskonzert der Brandenburger Symphoniker ist jedes Mal ein Publikumsmagnet. Da trifft sich natürlich das übliche Konzertpublikum. Doch es kommen auch Menschen quer durch die Bevölkerung, darunter viele junge Leute, aber vor allem ältere Brandenburger. Da das Konzert umsonst und draußen stattfindet, wird auch den Menschen der Konzertgenuss ermöglicht, die sich sonst eine Konzertkarte vielleicht nicht so ohne weiteres leisten könnten. .

Am Sonntagabend war der Konzertgenuss besonders schön. Für den Auftritt von Patrick Kelly, einer der beiden Stargäste auf der Bühne am Freitagabend, haben die Stadtwerke eine größere Licht- und Tontechnik aufgefahren als sonst üblich. Der Aufwand hat sich gelohnt. Indem Licht- und Ton getrennt eingespeist wurden, konnte der Sound so optimiert werden, dass das Orchester so toll klang, als würden die Symphoniker im Konzertsaal spielen und nicht open air.

Der Dirigent

Hannes Ferrand, Dirigent und Pianist, gehört zu den wenigen Dirigenten, die im Bereich der „ernsten Musik“ und Oper einen ebenso hervorragenden Ruf genießen wie bei der Interpretation der „heiteren Muse“, jubelt das Portal „theapolis.de“.

Geboren in Weimar, studierte er an der dortigen Musikhochschule „Franz Liszt“ unter anderem bei Wolf-Dieter Hauschild, Rolf Reuter und Hans-Jörg Leipold (Dirigieren).

Weiterführende Studien führten ihn zu Kurt Masur und Robert Hanell.

Danach wurde Ferrand zwölf Jahre an dem traditionsreichen Metropoltheater Berlin (bis zu dessen Schließung 1997) als 1. Kapellmeister engagiert, wo er die musikalische Leitung zahlreicher Operetten und Musicals inne hatte. Anschließend war er ein Jahr Gastdirigent am Staatstheater Cottbus.

Er folgte dem Ruf an das Theater an der Rott. Dort wirkte er als Musikdirektor und Chefdirigent. Er dirigierte das ganze Musiktheaterrepertoire, wobei er eine Vorliebe für die italienische Oper entwickelte.

Dirigent Hannes Ferrand, der bereits in den Vorjahren das Abschlusskonzert dirigierte, hat ein abwechselungsreiches Programm zusammen gestellt. Mit der Ouvertüre zur Rossini-Oper „Die diebische Elster“ sorgten die Musiker gleich zu Beginn für gute Laune. Der RBB-Redakteur Ulli Zelle wirkte mit seinen Moderationen ein bisschen fahrig. Gleich mit seiner ersten Anmoderation trat er in den Fettnapf. Er erzählte, dass Dirigent Ferrand in der Welt weit herum gekommen sei und zählte auf: Cottbus, Halle, Rostock... Aber Ferrand hat ihn für seine Lästerei nicht mit dem Taktstock verhauen, sondern dirigierte schwungvoll weiter.

Nach Ausflügen nach Spanien mit Josef Hellmesberger („Die Perle von Iberia“) und Geoges Bizet (Suite No. 1), spielten die Symphoniker Filmmusiken, unter anderem von Gerhard Daum. Ulli Zelle war sich sicher, dass der Berliner Komponist anwesend ist, aber Daum meldete sich nicht. Mit John Kander (New York, New York) und Leroy Anderson („The Trompeters‘ Holiday“) starteten die Symphoniker beschwingt nach Amerika. Beim „St. Louis Blues“ ließen sie es herrlich grooven, was ihnen Bravorufe aus dem Publikum einbrachte.

Das Konzert war gut besucht. Quelle: Jast

Doch als Konzertende akzeptierten die Brandenburger diesen Blues nicht. Noch nicht. In größter Einigkeit fingen 1000 Zuhörer an, rhythmisch zu klatschen. Und das hielten sie lange durch – beeindruckend. Und schließlich kam er dann auch, der beliebte Radedtzky-Marsch von Johann Strauss Vater. Doch danach klatschten die Leute einfach so lange weiter, bis der St. Louis Blues noch einmal gespielt wurde. Damit war dann aber endgültig Schluss, weil die Symphoniker eilig die Bühne verließen.

Von Ann Brünink

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