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Betonwände fallen bei 1500-fachem Überdruck

Jahrelang Baustelle Betonwände fallen bei 1500-fachem Überdruck

48 Jahre lang hat der Beton den riesigen Wassermassen standgehalten, bei 240 Kubikmetern Durchfluss in jeder Sekunde. Doch nun bröckelt’s unter Wasser am Havel-Wehr in Brandenburg an der Havel. Bei laufendem Betrieb wird die Anlage nun fit für die nächsten Jahrzehnte gemacht.

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Betonarbeiten im wasserdichten Süllkasten.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel. Das Große Havel-Wehr an der Krakauer Straße ist marode, schließlich wurde es bereits 1963-67 errichtet und hat bis jetzt gehalten. Doch nun braucht es eine Generalüberholung, sie soll länger als zwei Jahre dauern. „Wir können das Wehr nicht einfach stilllegen, schließlich rauschen in Spitzenzeiten bis zu 240 Kubikmeter Wasser in der Sekunde durch. Eine Hälfte muss immer offen sein, damit wir wenigsten 120 Kubikmeter hindurch bekommen“, sagt Jens Knuth. Er leitet im hiesigen Wasser- und Schifffahrtsamt den Sachbereich Bau, Betrieb und Unterhaltung.

Das ganze Wehr ist 36,88 Meter breit – 16 Meter auf jeder Seite, getrennt vom 4,88 Meter breiten Maschinenhaus. Begonnen wurde auf der linken Seite (in Fließrichtung), das Vorhaben ist kompliziert, weil eine komplett trockene Baustelle gebraucht wird. Zuerst werden die Nischen für die Revisionsschächte erneuert, dazu sind vier wasserdichte Süllkästen aus Stahl gebaut worden. Nachdem Taucher diese montiert haben, kommt ein Roboter zum Einsatz. Dieser birgt einen Hochdruckstrahler, der mit 1500 bar Druck den maroden Beton „abfräst“, bis er auf tragfähige Schichten trifft. Kernbohrungen haben erste Anhaltspunkte dafür ergeben, wie weit die bröckeligen Wände abzutragen sind. Endgültige Daten wird es aber erst in der Praxis geben.

Rund 1,6 Millionen Kosten

Bauwerksinspektionen beim Wasser- und Schifffahrtsamt WSA gibt es alle sechs Jahre. Dabei werden diese kurzzeitig trockengelegt und überprüft.

Gravierende Mängel am Großen Wehr sind bereits 2007 festgestellt worden.

Ein Gutachten der Bundesanstalt Wasserbau BAW Karlsruhe hat die Sanierungsbedürftigkeit bestätigt.

1,6 Millionen insgesamt kostet das gesamte Vorhaben bis 2017 den Bund. Es eine reine Instandsetzungsmaßnahme, sie hat nichts mit dem Verkehrsprojekt 17 Deutsche Einheit zum Havelausbau zu tun.

Das WSA Brandenburg ist unter anderem zuständig für 450 Kilometer Bundeswasserstraßen von Berlin bis zur Elbe.

14 Wehranlagen, 10 Schifffahrtsschleusen, vier Bootsschleusen. 70 Brücken und 37 Leuchtfeuer liegen an dieser Strecke.

Dann werden neue Betonmauern aufgebaut. Sind die Schächte fertig, wird auch künftig die Arbeit für die WSA-Mitarbeiter einfacher: Sie müssen die Nadeln zum zeitweiligen Verschließen nicht mehr mühselig und gefährlich mit Spindeln eindrehen, sondern können die komplette Nadellehne einheben, erläutert Experte Knuth.

Danach kommen die restlichen Mauern der so genannten Wehrwangen dran, sie gaben der Anlage bislang mit ihrer schieren Masse Halt, nun werden die neuen Mauern auch noch bewehrt. Überarbeitet werden müssen die mit 2,73 Höhe riesigen stählernen Fischbauchklappen, welche die Durchflussmengen regulieren – nach dem Sandstrahlen erhalten sie einen neuen Korrosionsschutz. Zu überarbeiten ist auch das Maschinenhaus inklusive Stellmotoren und kompletter Mechanik.

Die Anlage an der Krakauer Straße

Die Anlage an der Krakauer Straße.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Nicht zuletzt wird die Betonwanne des Tosbeckens – wo das Wasser aus etwa 1,60 Meter Höhe aufschlägt im kommenden Jahr zu sanieren sein.

Auch wenn das Vorhaben Jahre dauert, für die Verkehrsteilnehmer hat Knuth gute Nachrichten: Die Krakauer Straße wird durchgehend geöffnet bleiben. „Es gibt höchstens mal stundenweise Einschränkungen, wenn wir wie beim Aufstellen des Krans schwere Technik bugsieren müssen.“ Doch hat das WSA extra im vorigen Jahr eine große Betonplatte als Aufstellfläche für Maschinen, Container und Material legen lassen, damit keine öffentlichen Flächen okkupiert werden.

Von André Wirsing

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