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Brandenburg/Havel Betreuer kümmern sich um junge Flüchtlinge
Lokales Brandenburg/Havel Betreuer kümmern sich um junge Flüchtlinge
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02:15 07.03.2016
Sie leben in Wohnheimen und erhalten Hilfe und Orientierung von Pädagogen und Sozialarbeitern: minderjährige Flüchtlinge, die ohne Angehörige in Deutschland angekommen sind. Quelle: dpa
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Brandenburg/H

Langes, langes Duschen. Als wollten sie sich den Staub ihrer oft monatelangen Flucht vom Leibe spülen. So hat für 23 Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern oder andere Verwandte in Deutschland angekommen sind, das Leben in Brandenburg an der Havel begonnen. Davon berichtet Uwe Silbermann. Er ist der Geschäftsbereichsleiter des VHS Bildungswerkes, das im Auftrag der Stadt Brandenburg für die Betreuung minderjähriger alleinreisender Flüchtlinge zuständig ist.

Die jungen Geflüchteten, 21 sind Syrer, zwei kommen aus Eritrea, leben in einer Wohngruppe am westlichen Stadtrand Brandenburgs. Der Jüngste ist zwölf Jahre alt, die ältesten sind gerade 18 geworden. In Zwei- bis Vierbettzimmern wohnen sie auf einer Etage mit Gemeinschaftsküche, Bädern und Fernsehraum. Nichts würde diesen Flur von einer Jugendherberge unterscheiden.

Potsdam, Brandenburg und zwei Landkreise arbeiten zusammen

An diesem frühen Nachmittag kommen einige der Jugendlichen gerade von ihrem Deutschunterricht zurück. Der Ton mit dem 27-jährigen Teamleiter des VHS Bildungswerkes ist locker und freundschaftlich. Als unkompliziert und entspannt, ohne größere Reibereien beschreibt Uwe Silbermann das Zusammenleben der Jungen. Für Mädchen, die ohne eine ihnen bekannte Gruppe ankommen, gibt es eine entsprechende Wohngruppe in Potsdam. Die Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark und die kreisfreien Städte Brandenburg und Potsdam arbeiten zusammen.

Betreuerteam für die Jungen

Für die 23 in Brandenburg derzeit lebenden minderjährigen Flüchtlinge, die ohne Angehörige in Deutschland zurecht kommen müssen, hat sich ein 21-köpfiger Betreuerstab gebildet. Dieser besteht aus 15 Pädagogen, einem Psychologen, einem Sozialarbeiter, zwei Sprachlehrern und zwei Dolmetschern. Finanziert wird all das vom Land.

Noch für keinen der Jungen hat sich ein Angehöriger gemeldet. Das teilte das Jugendamt mit. Auch hat man keinen Angehörigen über eine deutschlandweite Ämterauskunft in Erfahrung bringen können.

„Uns war wichtig, dass wir schnell einen normalen Alltag einführen“, sagt Ina Lübke, zuständige Sachgebietsleiterin im Jugendamt. Auch wenn die Jugendlichen anfangs von ihrer strapaziösen Flucht noch sehr erschöpft waren, galt für sie sofort die Regel: Aufstehen, Frühstück, zur öffentlichen Bushaltestelle spurten, um zum Deutschunterricht zu kommen. Nachmittags verbringen sie ihre Zeit mit ehrenamtlichen Helfern beim Fußball oder mit anderen Sportarten auch in Vereinen.

Von den Eltern auf die Flucht geschickt worden

Schulpflichtig sind die Jugendlichen drei Monate zunächst nicht. Es läuft das so genannte Clearingverfahren. Silbermann zufolge wird in dieser Zeit nach Angehörigen gesucht, die vielleicht irgendwo sonst in Deutschland angekommen sind. „Drei Monate sind unrealistisch dafür, wir gehen von vier bis fünf Monaten aus“, sagt Ina Lübke. „Einen Monat braucht man allein schon für die erste Orientierung.“ Auch die individuelle Situation des jungen Menschen wird von den Sozialarbeitern geklärt, ob schon Schulabschlüsse vorliegen etwa.

Es sind zwei Gründe, warum die Jungen ohne Angehörige sind. Einige haben ihre Eltern im Bürgerkrieg verloren. Andere Jungen sind von ihren Eltern auf die Flucht geschickt worden, um der Gefahr zu entkommen. Das berichtet der Teamleiter des VHS-Bildungswerkes. Keiner der Jungen hat auf der Flucht seine Eltern verloren. Dieses Schicksal ist ihnen erspart geblieben.

Sie bleiben in Obhut des Jugendamtes

In der ersten Märzwoche hat nun der erste Umzug stattgefunden. Knapp ein Dutzend der jungen Flüchtlinge sind in Wohngruppen gezogen, in denen auch deutsche Jugendliche betreut werden, die nicht mehr bei ihren Eltern leben können. Dafür hat das Betreuerteam eine Gruppe von Neuankömmlingen aufgenommen. Auch wenn sie das 18. Lebensjahr vollendet haben, bleiben die Jugendlichen zunächst in Obhut des Jugendamtes. „Weil sie sehr jung sind, gibt es Anschlusshilfen in Wohngruppen, Pflegefamilien oder ein Einzelwohnungen“, sagt Ina Lübke.

Von Marion von Imhoff

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