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Brandenburg/Havel Gefängnis für kriminellen Märchenerfinder
Lokales Brandenburg/Havel Gefängnis für kriminellen Märchenerfinder
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00:28 17.01.2016
Dreieinhalb Jahre Haft für Benjamin M. lautet das Urteil der Brandenburger Richter. Quelle: dpa
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Brandenburg/H

Dreieinhalb Jahre muss Benjamin M. (29) ins Gefängnis, Immer wieder hat er Autohändler, Bootbesitzer und andere Menschen in Brandenburg und Zossen um den Finger gewickelt und übers Ohr gehauen, ist er mit fremden Autos ohne Führerschein durch die Gegend gebraust. Nebenbei hat er sich an eine 15-Jährige herangepirscht, die gerade Stress mit ihren Eltern hatte. Mit ihr hatte der Betrüger Sex: im Hotelbett, für das er nicht bezahlte.

Der Staatsanwalt bezeichnet den wegen rund zwanzig Betrügereien und illegalen Autofahrten angeklagten Benjamin M. am Mittwoch in seinem Plädoyer vor dem Schöffengericht Brandenburg als einen Märchenerfinder mit hoher Manipulationskraft. Allerdings auch als dumm, weil seine Masche irgendwann habe aufliegen müssen. Immerhin schaffte es der vorbestrafte Mann aber etliche Jahre, dem Gefängnis zu entgehen.

Hohe Manipulationskraft

Der gebürtige Berliner, der im Gericht weitgehend geständig war, hat wenig gearbeitet in seinem Leben. Nach der 10. Klasse hatte er sich an einer Ausbildung versucht, diese aber abgebrochen. Er berichtet dem Gericht von psychischen Problemen. Tatsächlich hatte er sich in Behandlung begeben und sogar einen Betreuer an die Seite gestellt bekommen, also eine Art Vormund.

Zwischen Mai 2013 und August 2014 richtete er einen Schaden an, den der Staatsanwalt auf 140 000 Euro beziffert. Der Hartz-IV-Leistungsempfänger, der sich gern als smarter Geschäftsmann ausgab, tankte ohne zu bezahlen, fuhr immer wieder Auto ohne Führerschein. Den hatte er schon 2012 verloren, weil er wiederholt wie ein Henker gefahren war.

Dreimal bestellte Benjamin M. in Autohäusern in Zossen und Brandenburg teure Autos, die er weder bezahlen wollte noch konnte. Ihm ging es darum, auf diesem Weg an Mietwagen zu gelangen, zum Beispiel einen Audi A 8. Die Masche klappte – mal direkt, mal mit Umwegen.

Drei teure Autos bestellt

Zwischen Oktober und November 2013 mietete sich der Mann, der seinerzeit in Brandenburg wohnte, gut zwei Wochen im Hotel „Weißer Schwan“ in Zossen ein, wo er auch tafelte. Die Rechnung über gut 1300 Euro blieb er schuldig. Vielfältige Ausreden hielt der redegewandte Ganove für alle Mitmenschen bereit, in deren Vertrauen er sich geschlichen hatte.

Sein Meisterstück in Sachen Manipulation legte er bei einer Familie aus der Nähe von Zossen ab. Er brachte die Eltern eines damals 15-jährigen Mädchens mit seiner zuvorkommenden Art so weit, dass sie ihm ihre heftig pubertierende Tochter anvertrauten. Mit ihr verbrachte er einvernehmlich einige Wochen in besagtem Hotel und im heimischen Schlafzimmer, er kümmerte sich umfassend um sie.

Mit Unterstützung der Mutter meldete er das Mädchen sogar erfolgreich in der Nicolaischule an. Er reagierte gut, als die junge Frau erneut Selbstmordgedanken äußerte, brachte sie in die Klinik und schaffte es dann, dass er sie in der geschlossenen Jugendpsychiatrie in Brandenburg besuchen durfte. Nebenbei erleichterte er die Jugendliche allerdings um ihre Spiegelreflexkamera und ihre Eltern um Geld.

Mädchen in der Schule angemeldet

Benjamin M. schloss zwei Kaufverträge für teure Motorboote ab, bezahlte sie aber nicht. Trotzdem überließen ihm die Eigentümer ihre Boote schon vorab. Eines davon verkaufte er prompt weiter. Mehrere Zeugen berichteten, wie sie eigentlich glaubten, Menschenkenntnis zu besitzen. Bis sie Benjamin M. kennenlernten und auf ihn reinfielen.

Krank oder schuldunfähig ist der geschickte Verführer nicht, wie die psychiatrische Gutachterin dem Gericht versichert. Sie sieht daher auch keinen Grund, dass er einen Betreuer benötigt.

Das Schöffengericht äußert sich überzeugt, dass Benjamin M. seine Straftaten beging, nicht weil er krank ist, sondern weil er ein schönes Leben führen wollte. Mit dem Strafmaß gingen die Richter um sechs Monate über die drei Jahre hinaus, die der Staatsanwalt gefordert hatte.

Benjamin M. sitzt seit drei Monaten in Untersuchungshaft. Vor ihm liegen weitere Strafverfahren.

Von Jürgen Lauterbach

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