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Biber bringt Litzenbach zum Überlaufen

Wasser reicht bis an Landesstraße Biber bringt Litzenbach zum Überlaufen

Eigentlich ist der Litzenbach ein harmloser Flämingfließ. Doch Biber stauen den Bach immer wieder an. Das Wasser ist bei Glienecke weit über die Ufer getreten und hat die Böschung der L 93 erreicht. Nun will der Wasser- und Bodenverband die komplette Entnahme des Biberdammes beantragen. Ein nicht einfaches Vorhaben.

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Der harmlose Litzenbach ist durch Biberbauten über seine Ufer getreten. Das Wasser hat die Böschung der Landesstraße 93 erreicht.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Glienecke. Der Landkreis sucht einen ehrenamtlichen Bibermanager. Am Litzenbach zwischen Steinberg und Glienecke hätte der Freiwillige ein weites Betätigungsfeld. Dort liefert sich das Nagetier seit Monaten ein Wettrennen mit dem Wasser-und Bodenverband Plane-Buckau. Immer wieder staut der Biber unweit der ehemaligen Molkerei den Litzenbach an. Im Gegenzug startet Verbandsgeschäftsführer Ronald Hoffmann Vergrämungsaktionen – ohne Erfolg.

Die streng geschützten Tiere machen sich nicht viel aus einem Bagger, der ab und an das eingebaute Baum- und Pflanzenmaterial abträgt. „Dann fängt er eben wieder von vorne an“, berichtet Hoffmann. Es scheint, als hätte der Biber tatsächlich die besseren Nerven. Doch für den Wasser-und Bodenverband ist inzwischen Gefahr im Verzuge. Zu beiden Seiten der Landesstraße 93 hat sich der Litzenbach in Seenlandschaften verwandelt.

Durchgängigkeit behindert

Der Biber ist zwar eine streng geschützte Tierart, doch seine Dämme beeinträchtigen die biologische Durchgängigkeit von Fließgewässern. Auch der Litzenbach war nach der Wende renaturiert worden, um wieder als Laichgewässer für Forellen dienen zu können.

In Potsdam-Mittelmark sind bislang zwei Dutzend Biberburgen bekannt. Schwerpunkte ihrer Verbreitung sind die Havel, Erdelöcher und Grabensysteme. In ganz Brandenburg gibt es wieder an die 3500 Biber. Vor 25 Jahren galt die Art als nahezu ausgerottet.

Die Folge sind vernässte Ackerflächen, der Wasserabfluss wird behindert. Der zwischen Steinberg und Buckau entspringende Litzenbach hat eigentlich eine wichtige Entwässerungsfunktion in Richtung Norden, wo er nordwestlich von Glienecke in den Strepenbach mündet. Danach wird sein Wasser über die Buckau in die Havel abgegeben. Inzwischen hat sich das Wasser durch die Biberbauten bis an die nördliche Böschung der Landesstraße ausgedehnt. Bei Baumpflegearbeiten stehen die Mitarbeiter der Straßenmeisterei mit den Füßen im Wasser. Langfristig dürfte die Durchfeuchtung dem Fahrbahnunterbau eher schaden. „Weil der Verband für die Unterhaltung des Litzenbaches zuständig ist, wollen wir jetzt die komplette Entnahme des Biberdammes beantragen“, kündigte Verbandsgeschäftsführer Hoffmann gegenüber der MAZ an.

Einen Lokaltermin mit Christian Kurjo von der Naturschutzbehörde des Landkreises und der Biberbeauftragten des Landes, Undine Schubert, fand bereits statt. „Es gibt nahe der alten Molkerei ein Problem über das wir reden müssen. Allerdings sollten alle Maßnahmen zur Vergrämung des Bibers mit Augenmaß angegangen werden“, sagte Artenschützer Kurjo auf Nachfrage. So lange das Wasser nicht noch höher steige, sehe er keinen Grund für ein massives Vorgehen gegen den Biber. Die Menschen müssten lernen mit kleinen Beeinträchtigungen umzugehen. Allerdings werde man die Entwicklung im Auge behalten, so Kurjo.

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Quelle: Joachim Ribbe

Die Untere Naturschutzbehörde würde auf Antrag über einen Rückbau des Biberdammes in Abstimmung mit dem Landesumweltamt entscheiden. Außerdem hätten der Naturschutzbeirat des Landkreises und verschiedene Naturschutzverbände ein Wort mitzureden. Denn nicht nur der Biber ist streng geschützt. Der fast sieben Kilometer lange Litzenbach ist als Bestandteil des als besonders wertvoll angesehenen FFH-Gebietes Buckau und Nebenfließe ausgewiesen. Ob ein Antrag auf vollständige Beseitigung eines Biberdammes in diesem sensiblen Bereich Aussicht auf Erfolg hat, bleibt abzuwarten.

Wie der Biber im Falle eines Dammrückbaus reagieren würde, bleibt freilich Spekulation. Sollte er nicht freiwillig den Rückzug antreten, wäre eine Umsiedlung denkbar. Wegen der Trockenheit geht es den vor einigen Jahren wiedereingewanderten Bibern 2016 nicht so gut. „Einige Bereiche wurden sogar verlassen. Es kamen Tiere im Straßenverkehr und bei Revierkämpfen ums Leben“, berichtet Artenschützer Kurjo. Die Zahl der Biber-Baustellen, die vom Wasser- und Bodenverband Plane-Buckau immer wieder geöffnet werden müssen, hat sich bei zehn stabilisiert.

Von Frank Bürstenbinder

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