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Bilderrätsel aus dem Mittelalter ist freigelegt

Brandenburg an der Havel Bilderrätsel aus dem Mittelalter ist freigelegt

Bilderrätsel, Memory, Puzzle und Geduldsspiel – von allem ein bisschen. Vor allem ist das schrittweise Freilegen der mittelalterlichen Wandmalereien in den Chornischen der Kirche Sankt Johannis in Brandenburg an der Havel Entdeckerarbeit für Restauratorin Susanne Nitsch und die Denkmalpflegerinnen Katrin Witt und Anja Castens. Sie haben viele Fragen.

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Die Malereien in den freigelegten Chornischen ziehen die Betrachter in ihren Bann, auch wenn manche Darstellung rätselhaft bleibt.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Bilderrätsel, Memory, Puzzle und Geduldsspiel – von allem ein bisschen. Vor allem ist das schrittweise Freilegen der mittelalterlichen Wandmalereien in den Chornischen der Kirche Sankt Johannis Entdeckerarbeit für Restauratorin Susanne Nitsch und die Denkmalpflegerinnen Katrin Witt und Anja Castens.

So wird beispielsweise aus einem vermeintlichen Baldachin erst im Kontext des ganzen Bildes ein offener Sarkophag. „Die Wandmalerei erschloss sich erst nach und nach, etliche Aspekte bedürfen noch der weiteren Erforschung. Vielleicht schließt sich das Puzzle, bei der Freilegung der nächsten Wandnischen weiter“, sagt Anja Castens. Die ersten drei Chornischen mit ihren unterschiedlichen Motiven ergeben noch keinen schlüssigen Kontext (siehe Infokasten).

Die Restauratorin Susanne Nitsch kümmert sich um die Malereien in den Chornischen von Sankt Johannis

Die Restauratorin Susanne Nitsch kümmert sich um die Malereien in den Chornischen von Sankt Johannis.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Die nun freigelegte Wandmalerei in der dritten Chornische bringt in zwei gleichberechtigt nebeneinander stehenden Szenen ein übergeordnetes Thema zum Ausdruck – die Hoffnung auf Erlösung der Gläubigen durch den Opfertod Christi.

Erstmalig ist hier Johannes der Täufer dargestellt, unter dessen Patrozinium (Schutzherrschaft) die Franziskanerklosterkirche steht, gemeinsam mit den Stiftern der Wandmalereien. „Sollte es sich hierbei tatsächlich um die Brandenburger Kurfürst, Friedrich I. gehandelt haben, wäre die Entdeckung seines Bildnisses ebenfalls von großer Bedeutung“, sagt die Denkmalschützerin.

Experten rätseln über Entstehungszeit

Sollten die Wandmalereien noch zu Lebzeiten Friedrichs I. entstanden sein, wären sie vor 1440 zu datieren. Die Anzeichen passen zusammen, dann wäre die dargestellte Dame Elisabeth von Bayern, der grün gewandete junge Mann vermutlich ein Sohn des Kurfürsten. In der Szene daneben gibt es eine Interpretation der Auferstehung Christi aus dem Markus-Evangelium mit der Botschaft des Engels am leeren Grab: Maria von Magdala, Maria (Mutter des Jakobus) und Salome gehen am Ostersonntag zum Grab Christi, um seinen Leichnam zu salben.

Hintergrund

Mit der Sanierung der Johanniskirche zur Buga 2015 wurde 2012 die nördliche Chornische geöffnet.

Die hierbei entdeckten mittelalterlichen Wandmalereien konnten 2013 durch die Restauratorin Susanne Nitsch freigelegt und konserviert werden. Sie zeigen eine »Marienkrönung zwischen Engeln« in floralen Ornamenten.

Die zweite Nische wird von einer farbenprächtigen Darstellung »Christus als Weltenrichter« zwischen den Evangelistensymbolen eingenommen, Posaune blasende Engel rufen die Verstorbenen zum Jüngsten Gericht während sich am unteren Bildrand der Höllenschlund erahnen lässt.

Sie finden das Grab geöffnet vor und sehen dort einen jungen Mann in einem langen weißen Gewand sitzen. Er sagt zu ihnen: „„Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier.“

Zugemauert in der Reformationszeit

Ob diese Engelsbotschaft tatsächlich auf dem Schriftband in dem Bild steht, war bislang nicht herauszufinden. So strahlend wie die Malereien sich heute präsentieren, waren sie lange Zeit nicht. Zur Reformationszeit waren die Nischen zugemauert worden, Susanne Nitsch entfernte in jeder zwischen 450 und 600 Ziegelsteine.

Die Malereien waren unter einigen Lagen Kalktünche versteckt. Zudem hatte sich der be,malte Putz teilweise bis auf eine Spaltbreite von 15 Millimetern von der Wand gelöst. Mit Kalkmörtel, Japanpapier und Injektionsmörtel musste die Restauratorin erst einmal Notsicherung betreiben.

Sie ist genauso gespannt wie die Denkmalpfleger auf die Malereien in den anderen Nischen. In die fünfte wurden schon einmal Probebohrungen gesetzt. Es deutet alles darauf hin, dass dort nachträglich eine Grabplatte (Epitaph) eingebaut wurde – vermutet wird, dass es die des Dichters Friedrich de la Motte Fouqué ist. Es ist und bleibt ein Ratespiel – bis zur letzten Nische.

Von André Wirsing

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