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Brandenburg/Havel Dohme will Bio-Pilze in Bensdorf abschaffen
Lokales Brandenburg/Havel Dohme will Bio-Pilze in Bensdorf abschaffen
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13:00 04.12.2015
Bei Altbensdorf werden seit 2006 Bio-Champignons produziert. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Bensdorf

25 Champignonzüchter in Bensdorf sollen ihre Arbeit verlieren. Die Firma Bio Champignon Max F. Dohme will die Produktion des Standortes eigenen Angaben zufolge ins Weserbergland verlagern und zieht als Begründung den Mindestlohn heran. Änderungskündigungen sind ausgesprochen. Rund ein Dutzend Beschäftigte klagen dagegen. Ihr Rechtsanwalt macht geltend, dass der Geschäftsführer die Arbeitnehmer „arglistig getäuscht“ habe.

Fast zehn Jahre ist es her, dass die aus dem Weserbergland stammende Dohme-Unternehmensgruppe begonnen hat, in Bensdorf Bio-Champignon zu produzieren, um die stetig wachsende Nachfrage nach Bio-Pilzen zu decken. Damit soll zum Jahresende Schluss sein, wie die Beschäftigten in einem Aushang am 9. November erfuhren.

Im Januar 2016 will das Unternehmen nach Darstellung der Geschäftsführer Waldemar Schuller und Max F. Dohme die Champignon-Produktion „räumlich verlagern“, „um die mit Einführung des Mindestlohns eingetretene Beeinträchtigung unserer Wettbewerbsfähigkeit am Champignon-Markt zu kompensieren“ (auszugleichen, d. Red.).

Am 11. November erschien Geschäftsführer Schuller auf dem Betriebsgelände bei Altbensdorf zur Betriebsversammlung. Schnell ging es ums Eingemachte, um 8.15 Uhr lagen, Änderungsverträge, Änderungskündigungen und Aufhebungsverträge auf dem Tisch.

Stundenlohn von 7,20 Euro

Die Unternehmensgruppe Weser Champignons, zu der die Firma Bio Champignon Max F. Dohme gehört, ist nach eigenen Angaben mit einer Jahresproduktion von knapp 15 000 Tonnen einer der größten Champignon-Erzeuger Deutschlands.

Neben der Weser Champignon Dohme GmbH & Co. in Höfingen im Weserbergland hat die Unternehmensgruppe 1995 in Tietzow die Dohme Pilzzucht GmbH mit rund 200 Beschäftigten gegründet und 2006 die Bio-Champignon Dohme mit 25.

Zum zweiten Standbein hat sich nach den Unternehmensangaben die Herstellung der Kompostsubstrate entwickelt, auf denen die Pilze wachsen.

Der Stundenlohn in Bensdorf liegt nach Angaben von Rechtsanwalt Schmedes bei 7,20 Euro, das entspricht dem Branchen-Mindestlohn in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau. Schmedes zufolge müsste in Bensdorf aber der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro bezahlt werden.

Rechtsanwalt Simon Daniel Schmedes, der allein elf Biopilzzüchter vertritt, hält sämtliche Kündigungen und Versetzungen in die Produktionsstätte in Nauen-Tietzow aus mehreren Gründen für unwirksam und die bestehenden Arbeitsverhältnisse seiner Mandanten fortbestehen.

Schmedes legt dem Arbeitsgericht ein Protokoll über den Ablauf der Betriebsversammlung vor, das mehr als ein Dutzend Arbeitnehmer unterschrieben haben. Ultimativ habe Geschäftsführer Schuller die Mitarbeiter aufgefordert, den Erhalt durch Unterschrift der Duplikate zu quittieren. Dabei habe er den oberen Teil der Vertragsunterlagen „in Täuschungsabsicht verdeckt“.

Trotz mehrerer Nachfragen habe Schuller gesagt: „Die Unterschrift bestätigt nur den Erhalt der Verträge.“ In Wirklichkeit sollte aber der künftige Arbeitsort im weserbergländischen Hessisch Oldendorf vereinbart werden.

Rechtsanwalt Schmedes: „Trickreiche Vorgehensweise“

Durch die „trickreiche Vorgehensweise“ hätten die Beschäftigten nicht die Möglichkeit bekommen, den „Inhalt der ihnen untergeschobenen Papiere“ einzusehen. „Meine Mandanten fühlen sich behandelt wie ein Objekt und versichern, dass es so etwas in Zeiten des Seniorchefs Dohme nie passiert wäre“, berichtet Anwalt Schmedes.

Die MAZ wandte sich telefonisch und schriftlich an die Geschäftsführung des Pilzunternehmens, erhielt von dort aber keine Antworten

Die Kündigungsschutzklagen werden demnächst vor dem Arbeitsgericht Brandenburg verhandelt. Im Champignonbetrieb arbeiten auch etwa zehn Polen. Ob sie etwas gegen die Kündigungen unternommen haben ist nicht bekannt.

Von Jürgen Lauterbach

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