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Brandenburg/Havel Bis 2021 rast das Giga-Netz in 21 Schulen
Lokales Brandenburg/Havel Bis 2021 rast das Giga-Netz in 21 Schulen
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16:41 18.10.2018
Glasfaserleitungen werden in derartige Leerrohre geblasen und sollen bald 21 Brandenburger Schulen mit dem städtischen Rechenzentrum verbinden und von dort mit Highspeed-Internet versorgen. Quelle: Foto: DPA
Brandenburg/H

Der Breitbandausbau im ländlichen Raum ist eine „Schlacht, die wir wirklich noch schlagen müssen“, meinte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Mai 2018. Doch dieses Gefecht scheint zumindest in der Region in und um Brandenburg in Zeitlupe ausgekämpft zu werden. Und das, obwohl die städtische Wirtschaftsförderung die Digitalisierung mit zum wichtigsten Thema der Zeit erklärt hat. Doch in den zurückliegenden Jahren kam das Rathaus allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz, noch nicht auf die Siegerstraße: Im „Digitalisierungskompass 2018“ des Instituts Prognos liegt Brandenburg/Havel deutschlandweit im Schlussdrittel auf Platz 298 von 401 Städten und Landkreisen.

Stadt erweitert ihr Intranet

Aber nun soll alles besser werden: Zumindest was die Versorgung der Schulen mit einem hochleistungsfähigen Breitbandkabelanschluss betrifft. Wie Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) bestätigt, werden ab dem 1. Januar 2019 die Brandenburger Schulstandorte mit schnellen Glasfaserleitungen angebunden. „Wir werden dabei 21 Schulstandorte in kommunaler Trägerschaft mit Glasfaser als geschlossenes sicheres Netz an das zentrale Rechenzentrum am Nicolaiplatz 30 anschließen“, sagt Steffen Scheller.

Es ist ein ebenso spannendes wie ungewöhnliches Projekt, dass die Stadtspitze jetzt hier verfolgt und mit dem sie neue Wege geht. Denn die Stadt kauft oder mietet das Breitbandvolumen für das superschnelle Netz nicht von der Telekom, Vodafon oder dem lokalen Anbieter RFT. Die Stadt setzt vielmehr auf das eigene Rechnenzentrum, das nun über ein gemietetes Glasfasernetz mit den Schulstandorten von Kirchmöser bis nach Nord verbunden wird. „Damit erweitern wir unser Intranet und schließen daran unsere Schulen an“, so Scheller zur MAZ.

„Passive Infrastruktur“ durch die Stadt gemietet

Die Versorgung aller Schulen mit Glasfaser hatte die Stadt ausgeschrieben und nun vergeben. Den Zuschlag bekam der dem Vernehmen nach einzige Bieter: Die Stadtwerke Brandenburg.

Die Stadtwerke sind kein Netzbetreiber im Sinne der Telekom. Deshalb benötige man auch keine Lizenz nach dem Telekommunikationsgesetz, sagt Stadtwerkegeschäftsführer Gunter Haase.

Sein Unternehmen biete nur die „passive Infrastruktur“, also die Hardware an. „Man muss sich das vereinfacht so vorstellen, als würden wir nur die Straße für die Daten vom Rechenzentrum in jede einzelne Schule bauen. Wer und was darauf fährt, liegt nicht in unserer Verantwortung“, erklärt der Geschäftsführer.

Leerrohre sind in fast allen Straßen

Dafür muss das städtische Unternehmen aber gar keine Gräben buddeln um Glasfaserkabel zu verlegen. Das haben die StwB längst getan: Wann immer Stadtwerke oder Brawag in den Vorjahren Gräben aushoben, sind auch Leerrohre verlegt worden. „In die Rohre, die in die Nähe von Schulen führen, werden wir nun etwa 4000 Lichtwellenleiter (LWL) einblasen“, sagt Haase. In der Tat werden die LWL – wie ein Faden im Wind – durch das Rohr gepustet und am Ende nur verknüpft.

LWL sind aus Lichtleitern bestehende Kabel zur Übertragung von Licht und damit Daten. Da vom Rechenzentrum der Stadtverwaltung am Nicolaiplatz jede Schule vereinfacht mit einem eigenen LWL angesteuert wird, sind Übertragungsraten im Giga-Bereich möglich. Nun müssen die Stadtwerke in den Schulen noch einzelne Anschlussstellen (Patchfelder) aufbauen und auch 1000 Meter an Leerrohren sind insgesamt noch in die Erde zu bringen, um alle Schulen bis zu deren Kellern zu erfassen.

Überschaubarer Aufwand für Stadtwerke und den Stadthaushalt

Doch das sei, so Hasse, ein überschaubarer Aufwand für die Stadtwerke. Dem Vernehmen nach belaufen sich die Kosten auf höchstens 400.000 Euro. Die vollständige Erschließung aller Standorte soll innerhalb von drei Jahren abgeschlossen sein. Die Stadt zahlt für die Netzinfrastruktur bis zum 31. Dezember 2031 eine Miete in Höhe von 3.450 Euro netto monatlich.

Das sei, so Haase, für die Stadtwerke ein interessantes Geschäftsmodell. Allerdings wolle es das städtische Unternehmen bei der Bereitstellung des Netzes belassen und nicht in Konkurrenz zu jenen Unternehmen treten, die selbst Telekommunikation, Fernsehen und Internet – also Bandbreite anbieten. Gleichwohl scheint das Geschäftsmodell für Großkunden, die wie die Stadt ihre Standorte miteinander verbinden wollen, durchaus zukunftsträchtig zu sein, da die Stadtwerke ja in fast allen Straßen der Stadt Leitungen und Rohre haben und über ihre Partner wie die Edis auch weite Entfernungen überbrücken können.

Modell kann Schule machen

Das Brandenburger Modell könnte Schule machen. Denn das Arbeiten mit Tablets und anderen Mobilgeräten sowie die Nutzung von Cloud-Inhalten wird für Schüler immer selbstverständlicher, Jahr für Jahr werden höhere Übertragungsraten benötigt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Bereitstellung eines zentralen und schnellen gemanagten Internetzuganges für alle wird vor Ort in den Schulen eine separate Server- und Backuptechnik unnötig machen. Über die zentrale Schullösung können alle Computer und mobilen Endgeräte von einer Stelle aus gewartet und mit neuer Software versehen werden. An den Endpunkten wird die eigene Netzwerktechnik von der Auftragsdatenverarbeitung (ADV) der Stadt angeschlossen. So kann gewährleistet werden, dass das Netz auch noch in zehn Jahren den Stand der Technik abbildet. Würde zudem die Telefonanlage der Verwaltung erweitert, könnten die Sekretariate der Schulen auf die Zentrale umgeschaltet werden, falls die Schulbüros nicht besetzt sind.

Entlastung für die Schulen vor Ort

In den 21 Schulen der Stadt wird man die Signale aus dem Rathaus gerne hören. Vor Ort kümmern sich häufig Lehrer um die veraltete Technik und müssen sich die Klagen der Kollegen und Schüler anhören, die nicht mit den Programmen und digitalen Hilfsmitteln arbeiten können, die sie längst nutzen müssten.

Vielleicht rutscht die Stadt, wenn diese Schlacht 2021 nun geschlagen ist, im nächsten Digitalisierungsatlas weit nach vorn. Brandenburgs ehemalige Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann dürfte sich freuen. Erst Mittwoch besuchte die heutige Bundestagsabgeordnete in Berlin ein Fachgespräch des Bildungsausschussses, bei dem es um die „Digitalisierung in der Schule“ und damit im Zusammenhang stehende Probleme ging.

Von Benno Rougk

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