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Brandenburg/Havel So sieht der Notfallplan der Stadt bei einem Stromausfall aus
Lokales Brandenburg/Havel So sieht der Notfallplan der Stadt bei einem Stromausfall aus
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17:19 10.01.2019
Egal, ob Naturkatastrophe oder Cyberangriff auf Kritische Infrastruktur, auf längerfristige Stromausfälle sollten Kommunen und Bürger vorbereitet sein. Quelle: dpa
Brandenburg/H

Was ist, wenn plötzlich mehrere Tage oder gar Wochen kein Strom da ist? „Für unsere Großeltern wäre das nicht dramatisch gewesen. Sie hatten Kartoffeln im Keller, die Pumpe im Garten und für zwei Jahre einen Vorrat an Früchten und Gemüse eingeweckt“, sagt der für Ordnung und Sicherheit zuständige Beigeordnete Michael Brandt (CDU).

Fast alle Lebensbereiche von Stromversorgung abhängig

Heute sei das ganze Leben so gebaut, dass alle auf Strom angewiesen sind: Bargeld, Trink- und Abwasser, Kochen, Heizen, medizinische Versorgung, Pflege- und Altenheime sowie die komplette Kommunikation – alles hängt irgendwie am Strom.

Ordnungsbeigeordneter Michael Brandt (CDU). Quelle: JACQUELINE STEINER

Der sei bislang immer zu jeder Zeit verfügbar gewesen, deshalb lebten alle nach dem Just-in-time-Prinzip. Und nicht nur Verbraucher denken an Vorsorge für den Fall, dass es mal keinen Strom gebe, auch Versorgern ginge es so. „Hinzu kommt eine Vollkasko-Mentalität der Bürger, die für ihre Steuern erwarten, dass der Staat für sie Lösungen in lebensbedrohlicher Situation findet.“ DFas könne die Stadt aber nicht für jeden leisten. Sie arbeitet nun bereits seit mehreren Jahren an einem so genannten Blackout-Konzept, das in diesem Jahr fertig werden soll.

Länger andauernder Stromausfall

Als Blackout bezeichnet man den plötzlichen, überregionalen und länger andauernden Stromausfall großer Stromnetze.

Besonders populär wurde der Begriff mit dem großen Stromausfall 2003 in den USA und dem Stromausfall in Europa im November 2006.

Ein solcher Ausfall führt im Gegensatz zu lokalen Ausfällen auch zu weitreichenden Infrastrukturausfällen (Telekommunikations-, Wasser-, Abwasser-, Geld-, Lebensmittel-, Gesundheitsversorgung) beziehungsweise zu erheblichen Einschränkungen auch nach dem unmittelbaren Stromausfall.

Wichtige Infrastruktur soll gesichert werden

Bereits 2015/16 wurde eine Machbarkeitsstudie begonnen zum Aufrechterhalten der Stromversorgung der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sowie weiterer Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) und wichtiger Unternehmen. Kritische Infrastrukturen haben natürlich Unternehmen wie die Stadtwerke, aber auch Krankenhäuser. Ende vorigen Jahres wurden noch einmal an alle Firmen und Behörden umfangreiche Fragebögen zu deren „eigenen Verwundbarkeit und Widerstandsfähigkeit“ versendet. Gebündelt werden alle gewonnenen Erkenntnisse bei der Katastrophenschutzbehörde, die im Fachbereich Feuerwehr angesiedelt ist.

Das mündet dann in konkrete Pläne, welche Notstromanlagen und Unabhängigen Stromversorgungen betrieben werden können, an welcher Tankstelle Treibstoff-Vorräte gelagert werden, um die Aggregate zu versorgen und die Sicherheitsbehörden mobil zu halten. Es geht beispielsweise um Gespräche mit großen Einzelhandelsketten wegen Lebensmitteldepots. Auch Hilfsorganisationen wie das THW oder das Deutsche Rote Kreuz haben beschränkte Vorräte an Decken, Betten oder Zelten. Für die Behörden geht es um Kommunikation, damit sie die Bevölkerung über mögliche Hilfen informieren können. So sollen beispielsweise die Ortsteilverwaltungen erste Anlaufpunkte sein.

Viele können sich Ernstfall nicht vorstellen

„Es ist beispielsweise zu klären, welche Rolle das Städtische Klinikum hat, wenn es der einzige Leuchtturm im wahrsten Sinne in der Stadt ist. Sperren die Verantwortlichen alles zu und kümmern sich nur um die Kranken, die schon da sind, oder wird es zu einer zentralen Anlaufstelle?“ Brandt berichtet von komplizierten Gesprächen mit verschiedenen Institutionen, weil sich viele einen solchen Ernstfall kaum vorstellen können.

Mit seinem Katastrophenstab gab es erst zwei praktische Übungen: Eine bei der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Bad-Neuenahr-Ahrweiler sowie eine im Lagezentrum der Feuerwehr in der Fontanestraße. Dabei ging es lediglich um regional begrenzte, keine flächendeckenden Stromausfälle.

Bürger sollten mit Vorräten vorbereitet sein

Das können viele Bürger erst recht nicht, weiß Brandt. Dennoch rät er dringend dazu, elemantare Vorkehrungen zu treffen und sich beispielsweise zu bevorraten. Dazu müsse man noch lange kein „Prepper“ sein. Das sind Menschen die sich auf jegliche Art von Katastrophe penibel vorbereiten, große Vorräte anlegen, Bunker und Schutzbauten errichten, Schutzkleidung, Waffen, Funkgeräte und Werkzeuge horten. Das sei übertrieben. „Ich empfehle ein Bevorraten für zehn Tage, das ist die maximale Zeit, bis unsere Maßnahmen greifen, die wir gerade im Hintergrund vorbereiten.“

Wer sich nicht bevorratet habe, werde dies im Ernstfall auch nicht mehr schaffen. Entsprechende Checklisten hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe online beziehungsweise als Broschüren veröffentlicht. So wird beispielsweise empfohlen pro Person und pro Woche 14 Liter Getränke zu bunkern. „Auch für die Kommunikation wird es – selbst wenn diese dann einseitig ist – nötig sein, beispielsweise ein kleines Transistorradio im Haus zu haben.“

Von André Wirsing

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