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Blitzschlag brachte Schuke Arbeit

100-jähriges Orgeljubiläum der Ketzürer Kirchengemeinde Blitzschlag brachte Schuke Arbeit

Mit einer Konzertreihe begeht die Ketzürer Kirchengemeinde ihr 100-jähriges Orgeljubiläum. Seit einem Jahrhundert werden auf der Orgel Gottesdienste, Trauerfeiern und Trauungen begleitet. Aus Anlass des Orgeljubiläums hat sich die Gemeinde zu einer Konzertreihe entschlossen, die am Sonnabend der Brandenburger Kantor Fred Litwinski eröffnen wird.

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Johanna-Martina Rief und Klaus Jacob vor der Ketzür Orgel, die seit 100 Jahren ihren Dienst tut.

Quelle: V. Maloszyk

Ketzür. Mit dem berühmten Epitaph des Heino von Brösigke (1525-1609) schmückt sich jeder Kunstführer über die Mark Brandenburg. Doch die Ketzürer Kirche hat noch einen anderen Inventarschatz als das mit zehn knieenden Figuren geschmückte Grabdenkmal des Rittergutsbesitzers. Die Empore im mittelalterlichen und siebeneckigen Kernbau ist mit einer Orgel aus dem Hause Schuke ausgestattet. Firmengründer Alexander Schuke baute das Instrument 1915 persönlich ein.

Seit 100 Jahren werden auf der Orgel Gottesdienste, Trauerfeiern und Trauungen begleitet. Aus Anlass des Orgeljubiläums hat sich die Kirchengemeinde zu einer Konzertreihe entschlossen, die am Sonnabend um 17 Uhr der Brandenburger Kantor Fred Litwinski eröffnen wird. Orgelbaumeister Matthias Schuke, Inhaber der berühmten Potsdamer Werkstatt, berichtet zwischen den Musikstücken über den Aufbau und die Geschichte der unter den Händen seines Großvaters entstandenen Ketzürer Orgel (Opus 95).

Dabei kommt sicher die besondere Konstruktion des Instrumentes zur Sprache, die inzwischen für einige Unpässlichkeiten bei der Tonerzeugung sorgt. Der Erbauer verwandte vor 100 Jahren ein rein pneumatisches Traktursystem, das bei niedriger Luftfeuchte immer wieder zu Registerausfällen führt. Trockenheit schadet den Lederbälgchen, die dafür sorgen, dass der Tastendruck mittels Luftdruck zu den Pfeifen gelangt.

Konzert zum Mittsommer

Die Ketzürer Kirche ist eine Anlage aus verschiedenen Bauzeiten. Der älteste Teil ist ein kleiner Zentralbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Rittergutsfamilie von Brösigke erweiterte die Kirche 1599/1600 mit einem Chor nach Osten.
Das Orgelkonzert zum Mittsommer in Ketzür beginnt am Sonnabend um 17Uhr. An der Orgel Fred Litwinski, es singt Nora Pribbernow. Bis zum 12.September gibt es aus Anlass des Orgeljubiläums jeden Sonnabend um 16 Uhr halbstündige Orgelspiele.

Kirchennachbar Klaus Jacob, der einen Schlüssel für Führungen besitzt, hilft deshalb im Sommer nach, indem er etwas Wasser auf den Fußboden versprüht, um die Luftfeuchtigkeit im Kircheninnern künstlich zu erhöhen. Der Restaurator im Ruhestand spielt selbst die elf Register umfassende Orgel und wird sich mit einem Auftritt an der kommenden Konzertreihe beteiligen. Elektrische Trakturen wurden erst nach dem ersten Weltkrieg standardmäßig eingebaut.

Eigentlich hatten die Ketzürer vor 100 Jahren den Einbau einer neuen Orgel nicht geplant. Es war schließlich Krieg. Und in der Patronatskirche gab es ein spielfähiges Instrument. Doch am 22. Juni 1914 tobte sich ein heftiges Gewitter über dem Beetzseedorf aus. Ein Blitzschlag setzte den Turm in Brand. Dabei wurde auch die Orgel ein Raub der Flammen. So kam es zum Neuaufbau mit der Wiedereinweihung der Kirche am 6. Juni 1915.

Zwei Jahre später war die Firma Schuke wieder in Ketzür aktiv. Diesmal aus einem unerfreulichen Grund. Das Kaiserreich brauchte Zinn für die Produktion kriegswichtiger Güter. „Den Ausbau der Original-Zinnpfeifen musste die Kirchengemeinde sogar aus der eigenen Tasche zahlen“, berichtet Pfarrerin Johanna-Martina Rief. Seither müssen Pfeiffen aus billigerem Zink für die Tonerzeugung herhalten.

Wie heute Orgeln bei Schuke gebaut werden, haben sich Mitglieder der Kirchengemeinde erst vor wenigen Tagen am Firmensitz in Werder angeschaut. Pfarrerin Rief zeigte sich beeindruckt: „Es grenzt an ein Wunder, wie aus Zinnbarren und einem Stapel Holz die Königin der Instrumente entsteht.“

Von Frank Bürstenbinder

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