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Blues im Bücknitzer Gotteshaus

Sommerkonzerte in der Dorfkirche Blues im Bücknitzer Gotteshaus

Mit drei Gitarren und einer Mundharmonika holte Wolfgang Kalb Südstaatenflair ins Märkische. Der Musiker gastierte am Samstag bei den Sommerkonzerten in der Bücknitzer Dorfkirche. Neben Klassikern hielt der begeisterte Blueser noch einige Überraschungen bereit.

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Wolfgang Kalb bei seinem Auftritt in Bücknitz.
 

Quelle: Foto: Ina Schidlowski

Bücknitz.  „Step it up and go“, singt Wolfgang Kalb, die Mundharmonika vor dem Gesicht, die Stahlsaiten der Akustikgitarre in den Händen, bricht der Blues aus ihm heraus und ein in den Bücknitzer Sonnabendnachmittag. Als wäre eine ganze Bluesband anwesend, schwappt eine volle Ladung Musik in die gut gefüllte Dorfkirche und sofort hat der sympathische Franke das Publikum auf seiner Seite. „Was hätten die Stones gemacht oder Led Zeppelin ohne die alten Bluesmusiker“, sagt Wolfgang Kalb und was hätten die Bücknitzer Konzertgäste an diesem Tag ohne ihn gemacht? Shuffle, Ragtime, Boogie Woogie, Country Blues der 1920er und 1930er Jahre, aus jedem einzelnen Ton des treibenden Rhythmus hüpft die Lebensfreude. Der Musiker aus der Nähe von Bamberg hat ein Stück Bluesgeschichte mitgebracht.

„Wechselbass des Daumens“

Er war sieben Jahre alt, als ihn das Bluesfieber erwischte. Heute ist er in der Welt des Fingerpicking und der Bottleneckspielweise auf seinen Resonatorgitarren zu Hause. Songs von Muddy Waters, John Lee Hooker, Blind Blake, Robert Johnson oder Mississippi John Hurt spielt er auf seine ganz eigene Weise und erklärt in seinem fränkischen Dialekt, was Fingerpicking bedeutet. Er spricht vom Wechselbass des Daumen und der Melodieführung des Zeigefingers, wie man ein Bottleneck herstellt, warum Stahlgitarren entstanden sind und wer sie erfunden hat.

Der laut scheppernde und quietschende Sound war genau das Richtige für die damaligen Straßenmusiker, die noch keine E-Gitarren und Verstärker kannten, erklärt er und dann hört man den fetten Südstaatenblues und fühlt sich in ein Amerika der 1920er Jahre versetzt. Auch vor Elvis oder Bill Haley gab es bereits Elemente des Rock’n Roll, sagt er und schrubbt, hüpft, wippt und schaukelt über die Stahlsaiten seines Instruments, als würden seine Finger nicht bremsen können. Und immer wippt der Fuß dazu. Seiner, aber auch viele seines Publikums.

Unter Musikern bekannt

Aus Brandenburg, Berlin Wusterwitz und Ziesar kommen die Gäste zu den Bücknitzer Sommerkonzerten weiß Karl Heinz Guhl, Mitglied des Kulturfördervereins zu berichten. Seit 15 Jahren bietet der Verein kleine feine Konzerte in der Feldsteinkirche an und bewirtet die Angereisten mit köstlichem Selbstgebackenem. Sechs Veranstaltungen finden seither jährlich statt.

„Die Bücknitzer Sommerkonzerte sind unter Musikern bekannt“, sagt Wolfgang Kalb und dass er sich bei Thomas Böhm-Christl, dem künstlerischen Kopf des Vereins dafür beworben habe, hier zu spielen. Ein Glück für die begeisterten Gäste, die ihn natürlich nicht ohne ein paar Zugaben von der Bühne ließen. Noch einmal erzählt er eine Geschichte zu dem darauf folgenden Titel. Er spricht von dem Typen, der in der Kneipe drei Tage lang durchtrinkt, weil er den Tod seiner Frau nicht verkraftet, und man hat das Gefühl, der Musiker sei dabei gewesen. Das ist Gänsehaut pur und wenn ein letztes kleines „Bling“ seiner Gitarre entflieht, bleibt nur die Hoffnung, dass der „Südstaaten-Bluesman“ aus Franken wiederkommt.

Bücknitz ist wirklich ein echter Geheimtipp für ein grandioses Konzerterlebnis. Sie dürfen ihn ruhig weitersagen.

Von Ina Schidlowski

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