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Bodendenkmalpfleger findet Rarität

Brandenburg an der Havel Bodendenkmalpfleger findet Rarität

Mit einem ganz ungewöhnlichen Fund beschäftigt der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Thomas Cwellich derzeit die archäologische Expertenschaft. Der 49-Jährige hat am Ufer der Niederhavel in Brandenburg an der Havel ein nur drei Zentimeter großes und 1,5 Zentimeter hohes Keramikteil entdeckt.

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Die kleine Keramik aus der Niedrhavel gibt dem Betrachter Rätsel auf, regt aber gleichzeitig auch die Fantasie an.

Quelle: André Wirsing

Brandenburg/H. Mit einem ganz ungewöhnlichen Fund beschäftigt der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Thomas Cwellich derzeit die archäologische Expertenschaft der Stadt. Der 49-Jährige hat in Höhe des Altstädtischen Wassertores bei Fischer Lehmann am Ufer der Niederhavel ein nur drei Zentimeter großes und 1,5 Zentimeter hohes Keramikteil entdeckt. „Es ist durch Ausspülung und Wellenschlag ans Ufer gelangt, wie bei den Goldwäschern.“ Cwellich ist Experte, er arbeitet auch im Hauptberuf als Grabungstechniker beim Archäologen Wolfgang Niemeyer.

Was der überdimensionierte Knopf mit der Einbauchung und den drei ausgearbeiteten Knubbeln darstellen könnte, weiß man nicht. Großes Rätselraten. „Stadtarchäologe Stefan Dalitz wollte es gleich wieder in seiner Slawenzeit verorten, ich denke, es ist eher ein Spielzeug.“ Vielleicht stelle es auch als Schale mit Eiern ein Fruchtbarkeitssymbol der germanischen Göttin Ostera dar.

Gleichwohl: Behalten darf er seinen Schatz oder sein Schätzchen nicht. Cwellich wird eine ordentliche Fundmeldung schreiben, bei den Denkmalpflegern der Stadt abgeben, sie leiten den Fund an die Obere Denkmalbehörde weiter. Die sitzt ja auch in der Stadt, mit dem Archäologischen Landesmuseum im Paulikloster.

„Ein sehr interessanter Fund“, sagt Museumsleiter Rainer Kossian. Zeitlich sei er nur sehr schwer einordenbar, von der Machart erscheine er sehr alt, von der Aussage eher jung. „Ich tippe auf ein Teil aus einem Osternest, das symbolisch dargestellt ist. Vielleicht gehört es auch zu der Szenerie eines Krippenspiels, da gab es vor 100 Jahren eine n ganzen Industriezweig dafür.“ Zeitlich verortet Kossian den Fund im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert.

Für die Ostera sei das Teil viel zu jung. Es bestehe aus gering gebrannter Keramik, ist also vom Materialwert nicht besonders wertvoll. Aber rätselhaft. Deswegen werden die Landesmuseums-Experten den Fund nach Eintreffen in der Behörde auch genau untersuchen verspricht Kossian, „es bleibt auch für uns interessant, dem auf den Grund zu gehen“.

Für den Finder Thomas Cwellich bleibt die Geschichte ebenfalls spannend. In seiner Freizeitbeschäftigung hat er bislang einige Feuersteinklingen gefunden sowie einen Steindolch aus der Übergangszeit zwischen Stein- und Bronzezeit. Er ist also als „Kunde“ bereits beim Landesmuseum bekannt.

Und auch die Stadtarchäologen Stefan Dalitz und Joachim Müller loben ihn als „Archäologie-Scout”. Doch der bescheidene Mann schiebt es allein auf seine Erfahrung aus mehr als 25 Jahren Tätigkeit. „Man muss wissen, wie solche Funde aussehen. Viele Leute laufen darüber hinweg, weil sie nur den großen Goldschatz im Hinterkopf haben.“

Für sein ehrenamtliches Engagement ist Thomas Cwellich bereits im Jahr 2014 von der Stadt ausgezeichnet worden.

„Als Ehrenamtler spüre ich die Dinge auf, und in meinem Beruf geht es dann um die Feinarbeit, das Ausgraben und Reinigen der Fundstücke”, hat er damals gesagt. Und genauso bescheiden ist er auch geblieben.

Von André Wirsing

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