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Bollmannsruh geht an private Investoren

Wechsel am Beetzsee Bollmannsruh geht an private Investoren

Das Kiez Bollmannsruh wird für 840 000 Euro an private Investoren verkauft. So haben es die Gemeindevertreter von Päwesin mit knapper Mehrheit beschlossen. Aus dem Spiel ist der Humanistische Regionalverband Brandenburg-Belzig. Der Verein betreibt das Kiez seit sechs Jahren. Die neuen Besitzer aus Schwielowsee haben einiges vor.

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Abschied mit Stil: Eine Blume von den Humanisten für jeden Abgeordneten.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Päwesin. Nach über 60 Jahren in öffentlicher Nutzung steht das Kinder- und Erholungszentrum Bollmannsruh (Kiez) vor einer Zäsur. Das vielen Brandenburgern als Pionierlager in Erinnerung gebliebene Bungalowdorf wird an Privatleute verkauft. So haben es die Päwesiner Gemeindevertreter am Dienstag bei einer Kampfabstimmung beschlossen. Zum 1. Januar 2017 soll das rund zehn Hektar große Areal für 840 000 Euro den Besitzer wechseln. Neuer Eigentümer wird eine Investorengemeinschaft mit den Geschäftsleuten Jens Falkenau und Heiko Schmale aus der Gemeinde Schwielowsee (Potsdam-Mittelmark).

Mit Tränen, Wut und Sprachlosigkeit verfolgten Mitarbeiter des Humanistischen Regionalverbandes Brandenburg-Belzig (HRV) den Ausgang der Abstimmung. Der gemeinnützige Verein betreibt seit sechs Jahren das Kiez und hatte sich ebenfalls um den Kauf der Immobilie beworben. Und zwar mit einem Preis, dessen Reinerlös für die Gemeinde um 20 000 Euro höher liegt, als bei den Privaten. Jetzt sind Arbeitsplätze in Gefahr, die Stimmung zum Start in die letzte Saison ist auf einem Tiefpunkt. „Wir sind unfassbar traurig. Neid, Missgunst und Lügen haben das Klima vergiftet, obwohl der HRV alle Kraft in das Kiez gesteckt hat“, sagte ein resignierter Geschäftsführer Axel Krause der MAZ. Die Humanisten hätten in den kommenden drei Jahren jeweils 500 000 Euro in die Sanierung investiert. Jetzt muss die Kommune dem Verein eine Entschädigung für in der Pachtzeit getätigte Investitionen zahlen.

Tief enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung in Päwesin

Tief enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung in Päwesin: HRV-Geschäftsführer Axel Krause. Aufgeben will er aber noch nicht. Zunächst wird sich der Vorstand über die weiteren Schritte verständigen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Entscheidung war knapp. Für den Verkauf an die privaten Investoren stimmten fünf Abgeordnete: Joachim Pelz, Torsten Hahn, Lisa Price, Frank Brademann und Marco Biele. Lediglich SPD-Frau Lisa Price begründete ihre Entscheidung. Sie warf dem HRV vor, zu wenig auf dem Gelände getan zu haben. Auch sei ihr das vorgelegte Konzept nicht schlüssig genug, so Price. Befremdlich euphorisch für eine Sozialdemokratin bewarb sie die Offerte der Falkenau & Schmale GbR: „Diese Leute sind bereit ihr schwer verdientes Geld einzusetzen, um Profit zu erwirtschaften. Es wird in großer Menge investiert.“

Zufällig ist Mitinvestor Schmale Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Schwielowsee. Merkwürdig auch dessen nachträgliche Erhöhung des Kaufangebotes um 50 000 Euro. Und zwar zu einem Zeitpunkt als nur die Gemeindevertreter über die Höhe der Gebote informiert waren. Selbst Amtsdirektor Guido Müller spricht von einem „Geschmäckle“, doch wird er den Beschluss nicht beanstanden. Rechtswidrig sei die Kaufsumme nicht zustande gekommen. Der Nachtrag war innerhalb einer vierzehntägigen Ausschreibungsverlängerung eingegangen.

Das Kiez Bollmannsruh von der Wasserseite

Das Kiez Bollmannsruh von der Wasserseite.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Für den Verkauf der Anlage an den HRV plädierten vier Kommunalpolitiker. Bürgermeister Hubertus Kühne, Johannes Lehndorf, Jost Bossan und Mario Gruber. In einer bewegenden Stellungnahme dankte Lehndorf vor der Abstimmung dem HRV und seinem Geschäftsführer Krause für die geleistete Arbeit. „Sie haben aus dem Kiez wieder einen rentablen Betrieb gemacht. Trotzdem ist es bei bezahlbare Ferien für Kinder und Jugendliche geblieben.“ Vergeblich legte sich auch Bürgermeister Kühne für die Humanisten ins Zeug. Nach der Abstimmung, die einen tiefen Riss in der Fraktion der Päwesiner Wählergemeinschaft offenbarte, sah sich ein emotional angeschlagenes Gemeindeoberhaupt nicht mehr in der Lage die Leitung der Versammlung fortzuführen. Sein Vize Frank Brademann musste übernehmen.

Noch bis zum Jahresende

Mit der Wende gelangte das ehemalige Pionierlager „Bruno Kühn“ in das Vermögen der Treuhand.. Diese verkaufte das Zehn-Hektar-Areal 1994 mit Auflagen für 320 000 D-Mark an die Gemeinde Päwesin. Die zwanzigjährige Nutzungsbindung für die Kinder-und Jugendarbeit sind derweil abgelaufen.Seit sechs Jahren ist der Humanistische Regionalverband (HRV) Pächter und Betreiber des Bungalowdorfs.

Weil erste Kaufverhandlungen mit der Kommune scheiterten, wurde die Immobilie öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben. Es gab drei Bewerber. Bei der Abstimmung spielten nur zwei Angebote eine Rolle. Den mehrheitlichen Zuschlag bekam die Falkenau & Schmale GbR aus Schwielowsee. Der HRV aus Brandenburg betreibt das Gelände noch bis zum Jahresende.

Im Vorfeld hatte sich der SPD-Landtagsabgeordnete Ralf Holzschuher bei der Gemeinde für den Fortbestand der Kiez-Struktur mit dem HRV stark gemacht. Auch die in Bollmannsruh lebende Kanu-Legende Birgit Fischer appellierte an die Gemeindevertreter den Fortbestand des jetzigen Konzeptes zu sichern. Ein Anliegen, mit dem sich selbst Brandenburgs Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann an das Amt Beetzsee wandte – alles vergeblich.

Den neuen Eigentümern ist die emotionsgeladene Atmosphäre am Beetzsee nicht unbekannt. „Wir wollen die Kommune möglichst schnell von der Richtigkeit ihres Beschlusses überzeugen“, sagte Mitinvestor Schmale der MAZ. Das bestehende Nutzungskonzept der Kinder-und Jugendfreizeiten soll erhalten und auf mehreren Feldern ausgebaut werden. Strand und Gastronomie sollen öffentlich bleiben. Ziel sei eine Steigerung der Übernachtungen von derzeit 27 000 auf 30 000 bis 40 000, so Schmale. Zu den Arbeitsplätzen sagte er: „Alle die mithelfen wollen, das Kiez voranzubringen, sollen dort ihren Platz haben.“

Von Frank Bürstenbinder

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