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Bomben fallen: Kampfjets simulieren Krieg

Truppenübungsplatz Altengrabow Bomben fallen: Kampfjets simulieren Krieg

Die Bundeswehr trainiert in der kommenden Woche mit Kampfflugzeugen über dem Truppenübungsplatz Altengrabow. Erstmals seit der Übernahme des Militärareals von den GUS-Streitkräften im Jahr 1994 fallen an einem Tag wieder Bomben.

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Zwei Feuerwerker vom Truppenübungsplatz Altengrabow vor einem aufgetrennten Bombenkörper. Rechts Sprengbomben der selben Gewichtsklasse, wie sie kommende Woche von Tornados abgeworfen werden.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Altengrabow. Das Szenario stammt aus dem modernen Krieg. Weil eine Infanterieeinheit in Bedrängnis gerät, wird Feuerunterstützung angefordert. Das kann ein Hagel aus 120-Millimeter-Mörsergranaten sein. Oder die Artillerie zwingt den Gegner mit 155-Millimeter-Geschossen aus allen Rohren nieder. Die Hilfe kann auch aus der Luft kommen, wenn Tornados über den feindlichen Linien 250-Kilo-Sprengbomben fallen lassen.

Wechselvolle Geschichte

Altengrabow dient der Bundeswehr als Truppenübungsplatz für zwei bis vier Kompanien die zeitgleich auf den offenen Heide- und Grasflächen sowie in verlassenen bebauten Ortschaften ihrer Ausbildung nachgehen können. Zeitweilig fanden auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow keine Gefechtsschießen mit Gefechtsmunition statt. Das hat sich wieder geändert. Die schwere Artillerie ist zurückgekehrt. Altengrabow ist wieder ein vollwertiger Übungsplatz.

Der Übungsbetrieb begann 1891 für das IV.Korps der Preußischen Armee. Ständig wurden in Altengrabow neue Waffen, Angriffs-und Abwehrmethoden geübt. Es folgte eine wechselvolle Geschichte mit Reichswehr, Kriegsgefangenenlager, Munitionsfabrik und Wehrmacht. Nach 1945 wurde Altengrabow ein sowjetische Garnison mit tausenden Soldaten und Familienangehörgien. Seit 1994 betreibt die Bundeswehr den Platz.

 

Genau so wird es in der kommenden Woche in der Altengrabower Heide passieren. Erstmals seit der Übernahme des Truppenübungsplatzes durch die Bundeswehr im Jahr 1994 lassen Kampfflugzeuge wieder Bomben fallen. Das Zielgebiet befindet sich im südlichen Teil des Militärareals, wo zu DDR-Zeiten Bombenabwürfe durch sowjetische Kampfflugzeuge zum militärischen Alltag gehörten. Von der 9000 Hektar großen Übungsfläche befindet sich ein Drittel auf Brandenburger Gebiet mit den angrenzenden mittelmärkischen Dörfern Buckau, Dretzen, Rottstock, Hohenlobbese, Reppinichen und Reetz. Diese sind insbesondere bei Westwind vom Geräuschpegel auf dem Truppenübungsplatz betroffen.

Ein Tornado der Bundeswehr im Anflug

Ein Tornado der Bundeswehr im Anflug.

Quelle: dpa

„Die Anwohner müssen sich auf einigen Krach einstellen“, kündigte Platzkommandant Eugen Poch am Dienstag bei einem Treffen mit Bürgermeistern aus den Umlandgemeinden an. Die Tornadoflüge sind für den 23. August geplant. Auf Anforderung eines gemeinsamen Feuerunterstützungstrupps (Joint Fire Support Team) werden die zum Taktischen Luftwaffengeschwader 33 gehörenden Kampfflugzeuge vom Fliegerhorst Büchel (Rheinland-Pfalz) starten und Altengrabow anfliegen. Dabei gehen sie über dem Zielgebiet in den Tiefflug, werfen ihre scharfen 250-Kilo-Sprengbomben vom französischen Typ Matra ab, und machen sich wieder auf den Heimflug. Eingeplant sind an diesem Tag zwei Anflüge, die nur wenige Minuten dauern. Als witterungsbedingter Ausweichtag ist der 24. August vorgesehen.

Nachbarschaftstreffen 2016

Nachbarschaftstreffen 2016: Möckerns Stadtwehrleiter Torsten Quandt im Fahrerstand einer Panzerhaubitze 2000.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Wird Altengrabow zu einem neuen Bombodrom? „Überhaupt nicht. Wir erleben lediglich eine Übung im taktischen Verbund, zu der Bombenabwürfe ebenso gehören wie das Aufsteigen von Kampfhubschraubern“, sagte Platzkommandant Poch der MAZ. Möckerns Bürgermeister Frank von Holly wunderte sich dennoch, weil einerseits Millionen Euro für die Beseitigung von Munitionsaltlasten ausgegeben werden, andererseits wieder scharfe Bomben fallen. „Nur Sprengwolken zeigen den Beobachtern ein Echo als erfolgreiche Treffer. Ein Truppenübungsplatz ist und bleibt eine ewige Baustelle“, so Platzkommandant Poch.

Feuerwerker Meik Briest zeigt den Splitter einer Sprengbombe

Feuerwerker Meik Briest zeigt den Splitter einer Sprengbombe.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Die schwere Artillerie ist bereits auf dem Schienenweg eingetroffen. Das Artillerielehrbataillon 325 aus Munster wird mit ihren Panzerhaubitzen 2000 in das Geschehen eingreifen. Eine Fallschirmjägereinheit hat die Mörser im Gepäck. Die Feuerwerker der Bundeswehr haben sich auf die Bombenabwürfe eingestellt. „Wir sind dafür ausgebildet mögliche Blindgänger unschädlich zu machen“, sagte Meik Briest, Schießsicherheitsfeldwebel auf dem Truppenübungsplatz.

Die anstehenden Übungstage sind ein Beleg für die wieder wachsende Bedeutung des 120 Jahre alten Truppenübungsplatzes, dessen Zukunft noch vor wenigen Jahren ungewiss war. Der Bund steckt gerade über zwölf Millionen Euro in die Modernisierung der Infrastruktur. Die neue Wache samt Einfahrt und Munitionslager ist bereits fertig. Übergeben wurden eine neue Kfz-Technikhalle sowie Abstellflächen für militärisches Gerät. Im Herbst beginnt der Bau einer neuen Feuerwache.

Platzkommandant Eugen Poch will das Übungsgelände noch attraktiver machen

Platzkommandant Eugen Poch will das Übungsgelände noch attraktiver machen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Dennoch ist eine angemessene Auslastung des Übungsplatzes derzeit nicht möglich. Das Land Sachsen-Anhalt hält 400 Betten in den festen Unterkünften als Reserve für Flüchtlinge bereit, obwohl die Zimmer seit Pfingsten nicht mehr belegt sind. Von 550 Plätzen sind deshalb nur 150 für die übende Truppe nutzbar. Zwar gibt es noch einen Biwakplatz für 600 Soldaten. Doch es fehlt an einem Sanitärgebäude, Feldkochplätze, Abstell- und Betankungsflächen. „Wir haben als Biwak nicht viel mehr als eine grüne Wiese zu bieten. Deshalb kommen hauptsächlich Tagesnutzer nach Altengrabow“, teilte Platzkommandant Poch mit.

Von Frank Bürstenbinder

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