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Brandenburg/Havel 180 Bosch-Mitarbeiter kämpfen für ihr Werk
Lokales Brandenburg/Havel 180 Bosch-Mitarbeiter kämpfen für ihr Werk
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18:08 04.12.2015
Um sie geht es. Die sesshaft gewordenen Bosch-Mitarbeiter und ihre Familien. Quelle: Privat
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Brandenburg/H

Die Belegschaft und der Betriebsrat des Solarmodulwerks Bosch Solar Cistech geben sich und ihren Arbeitsplatz nicht so leicht auf. Trotz der vom Bosch-Konzern angekündigten Betriebsschließung sehen sie eine Zukunft in Hohenstücken. Schützenhilfe erhalten die 180 Beschäftigten von der Politik.

Auf den Tag genau vor zehn Jahren, am 5. Dezember 2005, wurde die jetzige Bosch Solar Cistech GmbH als Johanna Solar Technology gegründet. Für die Mitarbeiter ein trauriges Jubiläum, sagt Frank Hergert, seit 2007 Entwicklungsleiter im Unternehmen und aktuell auch Vizevorsitzender des Betriebsrates.

Nach seinen Worten nehmen es die Mitarbeiter nicht so hin, dass der Bosch-Konzern sich vom Standort Brandenburg trennen will. Hergert: „Es kann nicht im öffentlichen Interesse sein, all dies durch den Bosch-Konzern stilllegen zu lassen. Es darf nicht schon wieder eine Investitionsruine im Land Brandenburg geben!“

Unter den 180 Beschäftigten sind etwa die Hälfte Ingenieure, viele Mitarbeiter sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Aus allen Teilen Deutschlands sind sie bewusst nach Brandenburg zugezogen, haben auf den Namen Bosch vertraut, haben in der Stadt und dem Umkreis Familien gegründet, sind heimisch geworden, wollen das mit ihren Familien nicht aufgeben, zumal auch die Ehepartner der Bosch-Angestellten eigene Arbeitsplätze in der Stadt gefunden haben.

„Zehn Jahre an unternehmenseigener Entwicklung und öffentlich geförderter Forschung sollen nun vernichtet werden – und zwar von den selben Mitarbeitern, die von Anfang an die notwendigen Spezialanlagen mit ihren eigenen Händen aufgebaut und weiterentwickelt haben“, sagt der promovierte Ingenieur Hergert und fügt hinzu: „Eine innovative Technologie darf nicht einfach verschrottet werden!“

In Brandenburg an der Havel werden spezielle Photovoltaik-Module entwickelt, in jüngerer Zeit hat sich der Entwicklungsstandort auf Solar-Fassaden („eFacade“) spezialisiert. Statt Fabrikgebäude mit Stein-oder Aluminium-Bauteilen einzuhausen, könnten Bauherrn die eleganter aussehenden, energiegewinnenden Dünnschichtmodule verwenden.

Bosch Solar Cistech hat dafür die Bauzulassung und das Unternehmen wollte sich damit bis vor kurzem auf einer Fachmesse in der Schweiz präsentieren. Denn die Firma gehe davon aus, dass der Markt in den nächsten Jahren stark wächst, sagt Frank Hergert. Gerade jetzt, wo die Talsohle der Photovoltaik durchschritten ist und der Markt für Solar-Fassaden zu wachsen beginnt, verstehen die Mitarbeiter nicht, dass Bosch aus diesem Geschäftsmodell aussteigen will.

Aus Sicht des Betriebsrates hat der Konzern die Alternativen zur Standorterhaltung nicht ausreichend untersucht und berücksichtigt, so wie er es am Standort Arnstadt getan habe. Der Betriebsrat habe schon mehrere Szenarien vorgeschlagen und werde das weiter tun. „Wir haben alles lange geprüft“, sagt hingegen Bosch-Sprecher Christian Hoenicke. Auf der Grundlage wäre es nach seinen Worten schlecht, falsche Hoffnungen zu wecken.

Mit erstem Erfolg hat der Betriebsrat Brandenburger Politiker wie den Wirtschaftsbeigeordneten Steffen Scheller (CDU) angestupst. Nach Auskunft aus dem Brandenburger Rathaus gibt es dort bereits „zahlreiche Aktivitäten“ dazu und wird Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) mit Wirtschafts-Staatssekretär Hendrik Fischer (SPD) am Donnerstag vor Ort am Werk sein. Zudem laufe auch der Kontakt in die Unternehmenszentrale von Bosch, zum zuständigen Konzern-Geschäftsführer Stefan Hartung.

Tiemann: „Das Ziel ist ein gemeinsames Gespräch des Wirtschaftsministeriums als Landes-Fördermittelgeber zusammen mit der Unternehmensleitung von Bosch zu Zukunftsperspektiven des Standortes in unserer Stadt, der mit hervorragend qualifizierten Mitarbeitern hochwertige Forschungs- und Produktionsbedingungen bietet.“

Von Jürgen Lauterbach

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