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Brandopfer überwältigt von Hilfsbereitschaft

Nach dem großen Feuer in Plaue Brandopfer überwältigt von Hilfsbereitschaft

Die Familie Harjes aus Plaue (Brandenburg an der Havel) hat vor einer Woche durch einen Brand so gut wie alle Besitztümer verloren. Die Verluste schmerzen, alte Familienfotos sind unersetzlich. Trotzdem gibt es Lichtblicke. Der größte: Die Solidarität von Nachbarn, Bekannten und Fremden. „Das hätten wir uns nie träumen lassen“, sagt die Familie.

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Die Familie Harjes ist nach dem Feuer eng zusammengerückt.
 

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H.  Die Familie Harjes hat vor einer Woche so gut wie alle Besitztümer verloren durch den Brand in der Plauer Gartenstadt. Die Verluste schmerzen. Alte Familienfotos sind eben unersetzlich. Trotzdem gibt es Lichtblicke. Der größte: Die Solidarität von Nachbarn, Bekannten und Fremden. „Das hätten wir uns nie träumen lassen“, sagt Renate Harjes (54).

Rückblende: Es ist Freitag, der 19. Februar, kurz vor 19 Uhr. Renate Harjes sitzt zu Hause in der Lewaldstraße am Computer. Ihr Mann Thomas (55) döst etwas nach getaner Arbeit, die beiden jüngsten Töchter Samanta (16) und Sindy (13) sind mit Spielen beschäftigt. Von draußen rumpelt und poltert es. Aha, der Nachbar verrückt wohl Möbel. Doch dann fliegt vorn die Sicherung raus. Der Garten ist plötzlich hell erleuchtet. Und dann schreit auch schon der Nachbar: Feuer!“

Plötzlich alles hell erleuchtet

Für die Familie aus der Gartenstadt beginnt der Horror. Hals über Kopf eilen sie aus der Wohnung, die Jüngste barfuß, die Mutter, obwohl sie so schwer laufen kann. Thomas Harjes sieht die Handtasche auf dem Küchentisch, schnappt sie sich noch schnell, ehe auch er aus dem Haus rennt. Portemonnaies und Personalausweise immerhin sind gerettet, und das nackte Leben.

Bei dem Brand in Plaue verloren die Harjes fast alles, was ihnen lieb war

Bei dem Brand in Plaue verloren die Harjes fast alles, was ihnen lieb war.

Quelle: privat

Die Familie flüchtet in den Garten, Renate Harjes setzt sich auf die Bank, wo sie die nächsten Minuten und Stunden mit ansehen muss, wie ihr Hab und Gut in Flammen aufgeht. Ich habe meine Tasche ganz festgehalten, als wollte mir die jemand wegnehmen“, erzählt die Frau die mit ihrer Familie seit 1983 in dem kleinen Reihenhaus in der Lewaldstraße gelebt hat. Dort sind alle vier Kinder aufgewachsen, auch die beiden ältesten Töchter, die nicht mehr bei den Eltern wohnen.

Familie flüchtet in den Garten

In der Katastrophe ist die Familie eng zusammengerückt. Tochter Annika (21) und ihr Partner Colin Raabe helfen, wo sie können. Übernehmen Laufwege, von denen es nicht zu wenige gibt, wenn plötzlich alles fehlt. Dort bei der Tochter, in dem kleinen Gartenhaus sind die Harjes beengt, aber herzlich aufgenommen worden. „Das ist für uns das Beste, wir brauchen jetzt die Nähe“, sagt Renate Harjes.

Zu den Silberstreifen am Horizont gehört die Drei-Raum-Wohnung, die die Wohnungsgenossenschaft der Familie in Not angeboten und die sie auch schon besichtigt hat. Doch vor dem Einzug sind erst noch jede Menge Formalitäten zu erledigen.

Nicht nur die Wohnungsgenossenschaft und Ortsvorsteherin Lieselotte Martius helfen. Das halbe Dorf scheint auf den Beinen und zeigt, was möglich ist, wenn jemand aus der eigenen Mitte in Not gerät.

Silberstreif am Horizont

„Solche Solidarität hätte ich mir nie träumen lassen“, sagt Renate Harjes. „Die Leute sind ganz toll.“ Das beginnt schon am Unglücksabend. Nachbarn, die von der Arbeit kommen, bringen Decken, Strümpfe, Latschen, warme Jacken, heißen Tee. Sie helfen, weil sie da sind und reden. Das ist gut für die strapazierte Seele.

Die Unterstützung reißt auch am nächsten Morgen nicht ab. Liebe Menschen stehen mit Kaffee und anderen Lebensmitteln vor der Tür der Tochter. Das Gartenstadt-Lädchen von Doreen Landeck wird zu einer Art Sammelstelle für erste Hilfe.

Alte Klassenkameradinnen und Freundinnen fragen nach, wo sie helfen können, bringen Sachen für die Kinder. Der Chef eines Nachbarn hört von dem Unglück, spendiert sofort das warme Essen aus der Werkskantine. Die Adler-Apotheke hat unbürokratisch ein Notfall-Medikamente zusammengestellt vor allem für die kranke Mutter.

Unterstützung reißt nicht ab

Trotzdem, der Schock sitzt noch tief und jedes Geräusch lässt die Familie zusammenzucken. Und immer wieder gibt es diese traurigen Momente, in denen auffällt: Ach, das oder jenes haben wir ja jetzt auch nicht mehr. Fotos des verunglückten Bruders, Bilder der Kinder, als sie klein waren, Zeitungsausschnitte, Bastelarbeiten, das Persönliche, das sich so im Laufe einer Familiengeschichte ansammelt.

An diesem Wochenende gehen Mutter und Tochter zum ersten Mal wieder zu ihrem Haus in der Lewaldstraße. Ob sie je zurückkehren können? Die Frage ist noch zu weit weg. Es geht darum, von einem Tag auf den anderen klar zu kommen. Die Mutter sorgt sich, weil ihre Mädchen keinen Computer mehr haben, den sie für die Schule doch benötigen. Vielleicht hat jemand ein Gerät, das er im Lädchen von Doreen Landeck für die Familie abgeben könnte?

Wenn die Familie in die neue Wohnung zieht, wird sich herausstellen, was sie benötigt. Denn die eigenen Möbel in der Lewaldstraße sind seit dem Feuer Geschichte. Mit Ausnahme des Computers äußert Renate Harjes noch keine Wünsche. Dafür ist es zu früh. „Wir sind jetzt schon umgeworfen von der Hilfsbereitschaft“, sagt sie.

Von Jürgen Lauterbach

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